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Teufelsküche

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Ohne Denker geht der Mensch zugrunde

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Ein Philosoph beklagt, dass wir nur ans Essen und kaum an die Verdauung denken. Er hat recht.

Woran denken Sie, wenn Sie die Skulptur da unten rechts betrachten? An den "Denker" von Auguste Rodin? Sehr gut. Dann sind Sie ein Kulturkenner.

Es gibt auch einen Philosoph namens Denker: Christian Denker - um genau zu sein. Derzeit hält er an der Universität Wien ein Seminar zum Thema "Ethik des Bauches". Für seine Ausführungen erhält er in Fachkreisen schon viel Applaus.

Seine Theorie: "Die gesellschaftliche Fixierung auf Essen steht in krassem Widerspruch zum Desinteresse der Philosophen an der Gastrosophie - also der Weisheit des Bauches." Daraus zieht er den logischen Schluss: "Würde sich die Philosophie heute stärker mit der Verdauung beschäftigen - so wie es etwa Platon, Epikur, Montaigne oder Nietzsche taten - dann ließen sich die Fress-Auswüchse in den Wohlstandsgebieten besser behandeln. " Zumindest bestünde schon mal die Chance, dieses Problem - sagen wir mal - wenigstens zu kanalisieren.

Das führt uns schnurstracks zum Begründer der abendländischen Philosophie. Das war Pythagoras. Er gilt auch als Urvater der wissenschaftlichen Naturheilkunde, weil er den Mensch als Kosmos begriff. Hildegard von Bingen berief sich etwa ausschließlich auf Pythagoras. Und der bescherte uns ja nicht nur die Grundlagen der Mathematik, sondern auch den Ernährungstipp, auf Fleisch und Bohnen vollständig zu verzichten.

Wäre die Welt heute ein besserer Ort, wenn wir nicht so viel Fleisch essen würden? Das hat Thomas Kastner vom Wiener Institut für Soziale Ökologie der Alpen-Adria-Universität berechnet. Resultat: "Wenn man davon ausgeht, dass sich die Weltbevölkerung um 2050 bei neun bis zehn Milliarden Menschen einpendelt, sich alle nach westlichen Standards ernähren und alle Flächen so effizient bearbeitet werden wie in Nordamerika, müssten die Nutzflächen verdoppelt werden... Deren Nutzbarmachung würde massive Umweltschäden zur Folge haben."

Über diese Entwicklung kann man ruhig mal nachdenken. Ganz ruhig. Am besten an einem stillen Ort.



 
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KOMMENTARE (2)
 

Barbara Rauscher

24.01.2013
11:03 Uhr

Ich finde das Zitieren von Menschen wie Thomas Kastner mehr als entbehrlich. Was will er damit sagen? Das man in Zukunft bestimmen soll, wer sich fortpflanzen darf und wer nicht??? Außerdem sind diese Annahmen nicht mehr als pseudowissenschaftliche Milchmädchenrechnungen, weil sie in keiner Weise die technischen Entwicklungen, die bis dahin stattfinden werden, mitkalkulieren.

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Hildegard Strickerschmdit

23.01.2013
06:30 Uhr

Hildegard von Bingen bezog sich mitnichten auf Pythagoras. Dieser Name erscheint in ihren Schriften nie. Falls Pythagoras wirklich den Verzicht auf Fleischgenuss propagiert hat, ist es ganz deutlich, dass Hildegard mit dessen Philosophie nichts zu tun hat. Hildegard beschreibt sehr differenziert, welches Fleisch wann gegessen werden kann. Sie weist aber sehr eindringlich darauf hin, dass maßloser Fleisch- und Weingenuss dem Menschen schädlich ist.

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