Zu Hause ist es doch am schönsten
Von Thomas Spang | 29.07.2012 - 20:07
Mitt Romney verfügt über das seltene Talent, mit Inbrunst und Überzeugung danebenzugreifen. Bei der von Pleiten, Pech und Pannen begleiteten Tour durch Europa gab der Präsidentschaftskandidat der Republikaner auf internationaler Bühne eine Kostprobe seiner Kunst.
In London schaffte er es binnen Stunden, seine Gastgeber so zu brüskieren, dass sich selbst der konservative Premierminister David Cameron genötigt sah, den Besserwisser öffentlich zurechtzuweisen. Es sei etwas anderes, Olympische Spiele "in der Mitte von nirgendwo" zu organisieren als in einer agilen Weltstadt, wies er Romneys Kritik an der Vorbereitung zurück.
Statt bei den besten Verbündeten der USA den Staatsmann zu markieren, machte sich Romney sprichwörtlich zur Lachnummer. Der illustre Bürgermeister der Olympiastadt, Boris Johnson, führte den Kandidaten vor rund 100.000 Briten im Hyde Park vor. Da gebe es einen Kerl namens Mitt Romney, der frage, ob wir fertig seien. "Yes, yes, yes", schallt es zurück, begleitet von hämischem Gejohle über den Mann, der Präsident Barack Obama regelmäßig vorhält, seine Verbündeten schlecht zu behandeln.
"Schlimmer als Palin", lästerte die britische Presse, die Romney öffentlich als "Party Pooper" hinrichtete. Und in den USA fragen die sehr viel zahmeren Medien, ob der Kandidat genügend Substanz habe, die Supermacht zu führen.
Solche Bedenken plagten im Jahr 2000 den Texaner George W. Bush, der sich
der Welt ganz ähnlich präsentierte. Mit einem Führungsanspruch, der auf einer bedenklichen Kombination aus Sendungsbewusstsein und Ahnungslosigkeit basierte. Romney umgibt sich mit einer Reihe an neokonservativen Beratern aus den Bush-Jahren, für die undiplomatisches Verhalten eher eine Auszeichnung als ein Makel ist.
Kein Wunder, dass die Amerikaner erstmals seit Jahrzehnten dem Demokraten die besseren Noten in der Außen- und Sicherheitspolitik geben. Das "Wall Street Journal" veröffentlichte gerade eine neue Umfrage, die Obama dies bescheinigt. Nach dem Desaster bei den Freunden in Großbritannien dürfte sich dies kaum geändert haben.
Über Wochen hatte das Team Romney damit gerungen, ob der Kandidat auf Auslandsreise gehen sollte. Gemessen an dem bisherigen Desaster wäre er besser zu Hause geblieben.
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