Standpunkt

Wenn Korruption wenig erschüttert

Von Martin Behr | 06.07.2012 - 20:24

Uwe Scheuch, die fehlende demokratische Selbstreinigung und der ausgeprägte Hang zur Doppelmoral: "Brauchen S’ a Rechnung?"



Und ewig grüßt der Lindwurm: Auch die Klagenfurter Neuauflage des Korruptionsprozesses gegen FPK-Chef Uwe Scheuch endete am Freitag mit einem Schuldspruch. Diesmal fiel alles gemäßigter aus: das (noch nicht rechtskräftige) Urteil - sieben Monate bedingt und eine 150.000-Euro-Geldstrafe - und die Reaktionen im Gerichtssaal sowie aus den Reihen der FPK. Dass der wegen Geschenkannahme durch Amtsträger Verurteilte nicht daran denkt, bis zum Ende des Verfahrens sein Amt als Kärntner Landeshauptmannstellvertreter ruhend zu stellen, sagt einiges über den Moralbegriff und die politische Kultur im südlichsten Bundesland Österreichs aus.

Man stelle sich die Situation in Deutschland vor: Ein stellvertretender Ministerpräsident, der trotz erstinstanzlicher Verurteilung seinen Amtsgeschäften nachgeht? Kaum möglich in einem Land, in dem die demokratische Selbstreinigung funktioniert. In Kärnten, wo nicht nur in dieser Woche Spitzenpolitiker eher im Landesgericht als im Landhaus anzutreffen waren, scheinen so manche Werte durch die jahrelange Dominanz des "Systems Jörg Haider" verschoben zu sein. Wie sonst könnte man sich jene Passanten erklären, die Uwe Scheuch nach dem Urteil in der Klagenfurter Innenstadt freudig auf die Schulter klopften? Oder jene Gespräche in City-Lokalen, deren Fazit sich so anhörte: "Sag ehrlich: Tätest du Nein sagen, wenn du so leicht zu Geld kommen könntest?" Kopfschütteln in der Männerrunde.

Viel Verständnis also für einen ins Korruptionszwielicht geratenen Volksvertreter, für den die Unschuldsvermutung gilt. Vielleicht ist dies die Konsequenz einer von Doppelmoral geprägten Gesellschaft, in der nicht wenige ihr Auto von einem Bekannten schwarz reparieren und das Haus von Pfuschern aus Osteuropa aufstellen lassen. In der die Frage "Brauchen S’ a Rechnung?" kein Einzelfall ist. Und in der gerade Vertreter jener Partei, die vorgibt, sich für die Sauberen und Anständigen einzusetzen, immer wieder mit der Justiz zu tun haben. Das Vertrauen der Bürger in die Amtsträger werde durch ein Verhalten wie jenes von Scheuch erschüttert, sagte die Klagenfurter Richterin. Es wäre schön, wenn dem so wäre.

 
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KOMMENTARE (4)
 

Helmut G.

16.07.2012
17:12 Uhr

Sehr geehrter Herr Behr, wenn eine Staatsbürgerschaft gegen Geld bzw. Spende vergeben worden wäre, gebührt ohne Zweifel eine entsprechende Strafe. Wenn ein Gespräch ohne Wissen des zweiten Beteiligten auf Tonträger aufgenommen wird, dann bin ich grundsätzlich mißtrauisch. Da wird schon der Vorsatz da gewesen sein, jemanden aufs Kreuz zu legen. Diese Vorgangsweise ist mindestens genau so mies, wie die Haltung des Herrn Scheuch. Und zur Doppelmoral: Sollten nicht die Journalisten selbst einen Beitrag leisten, indem sie auf das höchste Werbungskostenpauschale aller Begünstigten (u.a. Fernsehmacher, Schauspieler, Hausbesorger usw.) verzichten und die Unzahl von Presseausweisen einer internen Reinigung unterziehen.

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Hansjörg Schuh

09.07.2012
13:57 Uhr

Der Kommentar zeigt, dass manche Menschen es nie lernen werden! Anstelle der Verurteilung auch vermuteter Korruption wird von Politjustiz und und Hetze gefaselt! Armes Österreich!

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Susanne B.

09.07.2012
12:48 Uhr

Scheuch wurde zurecht verurteilt! Dass bei einer Spenden in Millionenhöhe natürlich eine Staatsbürgerschaft drin ist hat er ja auf der Tonbandaufnahme selbst als "Part of the game" bezeichnet! Wenn jemand so mit Staatsbürgerschaften um sich schmeißt ist es nur Zeit, dass endlich was dagegen unternommen wird. Aliyev hatte ja auch innerhalb von zwei Tagen seinen Fremdenpass erhalten.

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alf arrer

07.07.2012
09:04 Uhr

Herr Behr, das Hetzen bringt nichts. Scheuch wurde für etwas verurteilt, das nie stattgefunden hat. Burgstaller ging frei, obwohl das stattgefunden hat, was Scheuch vorgeworfen wird. Unglaublich, ein Justizskandal. Politjustiz pur! der Wähler soll entscheiden.

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