Standpunkt

Praktikanten sind keine Hilfskräfte

Von Karin Zauner | 12.07.2012 - 19:55

Derzeit machen viele junge Menschen erste Erfahrungen in der Berufswelt. Sind die schlecht, richtet das generellen Schaden an.



Jeder zweite Schüler über 15 Jahre arbeitet während des Sommers. 150.000 junge Menschen müssen in Österreich jedes Jahr ein Praktikum machen. Das heißt, ein Großteil der Zukunft dieses Landes macht im Sommer seine ersten Erfahrungen mit der Berufswelt. Und die sind allzu oft schlecht. Anstatt dass jungen Menschen etwas beigebracht wird, werden sie als billige Hilfskräfte ausgenutzt, in vielen Fällen bekommen sie gar kein Geld.

Doch es ist ein Missverständnis, wenn Unternehmen Praktika und verwandte Beschäftigungsformen als Möglichkeit ansehen, Engpässe in Urlaubszeiten möglichst billig auszugleichen. Es handelt sich nämlich nur dann um ein Praktikum, wenn der Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen im Vordergrund steht und nicht die Erbringung von Arbeitsleistung.

Ja, Praktikanten kosten Geld. Sie kosten auch Engagement, Mittel und Zeit. Wenn all das optimal eingesetzt wird und Praktikanten wie Unternehmen ihre Leistung bringen, gewinnen beide viel: Talente können identifiziert werden, eine Bindung zum Unternehmen entsteht, Nachwuchskräfte werden gesichert. In Deutschland haben sich mehr als 1800 Unternehmen freiwillig sogenannten Fair-Company-Regeln unterworfen, weil sie erkannt haben, dass unter dem Mäntelchen Praktikum Schindluder getrieben wird. Soll heißen, junge Leute schäbig behandelt werden.

Sollen sich doch nicht so anstellen, die Jungen. Schadet ihnen doch nichts, wenn sie mal ein bisserl arbeiten, und am Anfang auch auf Geld verzichten. So mögen manche denken. Doch was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn junge Menschen bei ihren ersten Kontakten mit der Berufswelt das Gefühl vermittelt bekommen, sie seien nichts wert, weil sie kein angemessenes Salär bekommen? Und dass ihre Zukunft ohnehin niemanden schert, weil sie gar nicht ausgebildet werden?

Solche Erfahrungen zerstören die Lust auf die Arbeitswelt oder zumindest auf einzelne Branchen oder Unternehmen. Das ist fatal in einer Zeit, in der jedes Talent dringend gebraucht wird.

 
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