Standpunkt

Fundis retten die Städte nicht

Von Manfred Perterer | 17.07.2012 - 14:07

Die Verkehrsdebatte in den urbanen Zentren Österreichs wird von Fanatikern auf beiden Seiten beherrscht. Es fehlt die Gelassenheit.



Ob es jetzt um das Parkpickerl in Wien geht, die Umweltzone in Graz oder die Mittagsregelung in Salzburg - in allen drei Städten ist eine sachliche Debatte über das Thema Individualverkehr kaum möglich. Der Grund: Auf beiden Seiten drängen sich Fundamentalisten in den Vordergrund.

Da sind die absoluten Autofreaks, die mit ihrem Vehikel bis in die letzte Gasse vordringen möchten und überall öffentlichen Grund als Privatparkplatz in Anspruch nehmen wollen. U-Bahnen, Straßenbahnen und Obusse werden von ihnen als Arme-Leute-Verkehrsmittel abgelehnt. Freie Fahrt für freie Bürger lautet ihr Motto. Wohlstand und Lebensglück werden unmittelbar vom höchstmöglichen Grad motorisierter Mobilität abhängig gemacht.

Auf der anderen Seite finden wir die totalen Autogegner. Sie verteufeln jeden, der es wagt, mit dem Auto die Innenstädte anzupeilen, gerieren sich als Mobilitäts-Gutmenschen, die allein wissen, wie sich Mensch im städtischen Umfeld politisch korrekt zu bewegen hat: zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Verkehrsmittel.

Beide Spezies bringen uns nicht weiter. In ihrer Radikalität liegen beide falsch.

Die Städte werden mit einer Entweder-oder-Haltung nicht vor dem Verkehrsinfarkt zu retten sein. Extremismus auf der einen wie auf der anderen Seite ist bei den Bürgern nicht durchsetzbar. Eine Diktatur der Autogegner ist genauso abzulehnen wie die der Autofahrer.

Die Zukunft liegt im richtigen Mobilitätsmix. Jedes Verkehrsmittel, auch das Auto, hat seine Vor- und Nachteile. Entsprechend soll es eingesetzt werden. Es wird Zonen geben, die für jeden Individualverkehr tabu sind, es wird zeitlich begrenzte Fahrverbote geben, es wird Räume und Zeiten mit freier Fahrt geben. Und es wird mehr Parkplätze in unmittelbarer Nähe zu verkehrsberuhigten Zonen geben.

Auf jeden Fall muss das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln besser und noch günstiger werden. Der Stadt Zürich ist es gelungen, die Menschen zum Umsteigen zu bewegen. Dort gehört die tägliche Fahrt mit der Straßenbahn zum guten Ton. Nicht weil sie erzwungen wurde, sondern weil sie attraktiv ist.

Zu glauben, dass man die Menschen zum Umsteigen auf Bus und Schiene bringt, wenn man ihnen das Autofahren nur genug verleidet, ist ein Trugschluss. Wie jeder negative Ansatz ist er zum Scheitern verurteilt.

 
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