Standpunkt

Diktatoren-Dämmerung auch in Damaskus

Von Helmut Müller | 18.07.2012 - 20:06

Der 18. Juli 2012 markiert eine Zäsur in der syrischen Revolution. Ein Anschlag könnte der Anfang vom Ende Assads sein.

Mit dem syrischen Präsidenten Assad gerät jetzt der fünfte Autokrat Arabiens ins Wanken. Ben Ali (Tunesien), Mubarak (Ägypten), Gadafi (Libyen) und Salih (Jemen) sind schon gestürzt worden. Diesem Schicksal seiner Despotenkollegen könne er entkommen, so das Kalkül des Herrschers in Damaskus, wenn er alle Rufe nach Reformen nur mit rücksichtsloser Gewalt beantworte. Aber mittlerweile steht auch Assad mit dem Rücken zur Wand, sein Regime ist schwer angeschlagen.

Das demonstriert der Angriff der Opposition auf die Machtzentrale in Syriens Hauptstadt. Den Rebellen ist es gelungen, mit einem Schlag den gesamten Sicherheitsrat zu treffen. Der soll für das Regime die Schmutzarbeit erledigen, die Aufstandsbewegung niederzuschlagen. Doch der Anschlag auf den innersten Führungszirkel zeigt, dass Präsident Assad die Lage nicht mehr unter Kontrolle hat. Das wird ungeheure psychologische Folgen haben:

Den Oppositionellen verschafft es Schwung und Selbstbewusstsein. Die Reihen des Regimes aber beginnen zu bröckeln. Schon schießen Spekulationen hoch, ein Überläufer aus dem Kreis der Assad-Vertrauten könnte dem Attentäter geholfen haben. Die Angst vor einer Palastrevolte geht um.

Diese Wendung in dem seit 17 Monaten andauernden Syrien-Konflikt hat sich seit Tagen abgezeichnet. Erstens haben die Kämpfe, trotz der Gegenwehr der Regimetruppen, die Hauptstadt Damaskus erreicht. Kurz vor dem islamischen Fastenmonat Ramadan suchte die Opposition offenbar die Kraftprobe mit dem Regime. Zweitens hat die Bewaffnung der Aufständischen zugenommen. Dank der Finanzhilfe von Golfstaaten wie Katar und Saudi-Arabien bekamen die Rebellen immer mehr militärische Mittel in die Hand. Drittens hat ein Absetzungsprozess von Assad-Getreuen eingesetzt, der darauf hindeutet, dass das Vertrauen der Machtelite in die Stabilität des Regimes schwindet.

Das Regime wird jetzt blutig zurückschlagen, um seine Macht zu retten. Diese Eskalation geht auch auf das Konto der internationalen Gemeinschaft, die den Gewaltherrscher nicht in die Schranken gewiesen hat. Dabei müssten die Weltmächte längst die Nach-Assad-Zeit planen. Denn Syrien, ethnisch zerklüftet und in einer sensiblen Region gelegen, wird nach dem Sturz des Tyrannen vor einer ganz schwierigen Zukunft stehen.



 
Teilen
Facebook Twittern Google+ Versenden Drucken
2
schließen (x)

 

 

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken oder hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse.

Benutzername
Passwort
 

Passwort vergessen ›      Jetzt registrieren ›
 
 
KOMMENTARE (2)
 

Markus Makk

19.07.2012
13:12 Uhr

Unglaublich, wenn man bedenkt, dass die "Opposition" nach Medienberichten nur aus dem einfachen Volk, Frauen und Kindern besteht.....

Kommentar melden!

 

ursula lengauer

19.07.2012
07:14 Uhr

http://www.youtube.com/watch?v=PcEh0wcu-lw

Kommentar melden!