Das Spendenklima könnte besser sein
Von Manfred Perterer | Aktualisiert vor 109 Tagen
Mitten in die nervige Jagd auf die Reichen (Motto: "eat the rich") platzt die beste Nachricht seit langem. Dietrich Mateschitz spendet der Privatmedizinischen Universität Salzburg 70 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen die besten Wissenschafter aus der ganzen Welt nach Salzburg geholt werden, um hier ein Mittel gegen die Querschnittslähmung zu finden. Der Red Bull-Chef tut mit dieser großzügigen Geste Gutes. Und er beschämt gleichzeitig die Neider, die ihm den Erfolg nicht gönnen, aber auch seine Milliardärskollegen, die selbst nicht so viel Großherzigkeit aufbringen.
Die prasserische Republik, die zu keinem vernünftigen Spargedanken zu bewegen ist, dafür aber immer lauter über neue Steuern nachdenkt, wird zu einem guten Teil von Spendern getragen. Dabei ist das Engagement der Pensionistin von nebenan, die 25 Euro von ihrer Mindestrente abzwackt, im Grunde genommen gleich hoch einzuschätzen wie die 70 Millionen von Mateschitz. Beide geben ihren Möglichkeiten entsprechend.
Die Österreicher spenden jedes Jahr rund 420 Millionen Euro. Dazu kommen viele Millionen Stunden freiwilliger Arbeit in karitativen Organisationen. Der Staat spart viel Geld und drückt sich erfolgreich um Aufgaben, die eigentlich er erfüllen müsste. Als Dank für die Unterstützung verfolgt er die Spender der Nation mit immer neuen Steuerideen. Ihnen entgeht niemand, weder die Reichen (wer ist eigentlich reich?) noch die Armen, die durch Preis- und Gebührenerhöhungen immer ärmer werden.
Kein Wunder, dass sich die Freigiebigkeit der Menschen in diesem Land in Grenzen hält. Denn, dass die Österreicher wahre Spendenweltmeister seien, ist nicht wahr. Jeder gibt pro Jahr im Schnitt 50 Euro. In Deutschland sind es 61, in der Schweiz 71, in den Niederlanden 116 Euro. Die als knausrig beschriebenen Briten spenden pro Kopf 201 Euro und die Amerikaner gar 578 Euro.
Das Spendenklima in Österreich ist verbesserungswürdig, die steuerliche Absetzbarkeit zu wenig bekannt. Der Neid hingegen ist ausgeprägt. Selbst Großspender ernten nicht nur Applaus. Der Philanthrop wird mitunter schief angesehen: "Der hat leicht geben. Der hat’s ja."
In den USA herrscht ein anderer Zugang zu Karriere und Geld. Lernt man dort jemanden kennen, ist die erste Frage, woher man kommt, die zweite, was man arbeitet und die dritte, wie viel man verdient. Bei uns zählt die Gage zu den bestgehüteten Geheimnissen.
Die Amerikaner spenden zehn mal so viel wie wir. Das Gros geht auf wirklich reiche Menschen wie Bill Gates zurück. Sie geben auch aus einer sozialen Verantwortung heraus, aus Dankbarkeit dafür, dass es ihnen so gut geht und auch mit dem besonderen Interesse, dass die Kluft zwischen reich und arm nicht zu groß wird. Denn, um ein Vermögen auch in Freiheit genießen zu können, braucht man soziale Stabilität. Hinter Betonmauern und bewacht von bewaffneten Sicherheitsleuten wird man auch des größten Reichtums nicht froh.
In Österreich tun sich immer mehr vermögende Menschen zusammen, um Geld zu spenden. Mateschitz ist nur einer von ihnen, auch Hans Peter Haselsteiner gehört dazu oder Karlheinz Essl. Der feine Unterschied zwischen ihrem freiwilligen Engagement und dem geplanten staatlichen Zugriff ist: Jetzt bestimmen sie selbst, für welchen Zweck ihr Geld eingesetzt wird. Schlägt der Staat per Reichensteuer zu, verschwindet "der Zaster" (Johanna Mikl-Leitner) in den unWeiten des bodenlosen Budgetfasses.
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