Warum Berlusconi für Putin ein Beispiel bleibt
Von Susanne Scholl | 24.07.2012 - 15:49
Seinen Freund Berlusconi lädt er regelmäßig in seine Villa am Schwarzen Meer ein - und in die Berge rund um Sotschi, wo 2014 die Olympischen Winterspiele stattfinden werden. Auch jetzt, da Berlusconi politisch gesehen Niemand ist. Wladimir Putin weiß eben sehr genau, mit wem er befreundet sein will. Berlusconi oder auch Gerhard Schröder und Tony Blair, um nur einige zu nennen. Berlusconi nimmt in dieser Riege allerdings einen Sonderplatz ein, weil er für Putin offenbar Vorbild war und immer noch ist.
Allein die Art, wie dieser es geschafft hat, innerhalb von 20 Jahren die italienischen elektronischen Medien komplett unter seine Kontrolle zu bringen - und sie auch jetzt noch zu kontrollieren, obwohl er gezwungen war, die Regierungsgeschäfte abzugeben -, dürfte Putin nicht nur tief beeindruckt, sondern auch inspiriert haben.
Dieser Tage trifft er sich mit Berlusconis Nachfolger als Regierungschef. Aber die Beziehungen zu Mario Monti werden mit Sicherheit sehr viel formeller bleiben. Das Interesse Roms ist einfach erklärt: Auch Italien braucht, wie die meisten anderen europäischen Staaten, das russische Erdgas. Premier Dimitri Medwedew übernimmt es, die Abkommen mit der italienischen Delegation zu unterzeichnen, die die Gaslieferungen an Italien festschreiben. Putin empfängt den italienischen Ministerpräsidenten gerade einmal zum protokollarischen Treffen.
Offiziell heißt es in Moskau, Italien sei für Russland ein so wichtiger Partner, dass man selbstverständlich mit jeder Regierung gute Beziehungen pflege. Aber inoffiziell ist klar, dass Putin lieber mit seinem Freund Silvio spricht als mit irgendeinem anderen Vertreter der italienischen Politik. Denn Putins Vorstellung davon, wie ein Staat zu funktionieren hat - und vor allem welche Vollmachten und Rechte ein politischer Führer haben muss -, decken sich nicht mit den Vorstellungen liberaler, demokratisch geprägter Politiker westeuropäischer Prägung. Oder besser: mit den Vorstellungen jener westeuropäischen Politiker, die ihre demokratische, liberale Überzeugung noch nicht dem Zeitgeist geopfert haben. Berlusconis Idee, Italien so zu regieren, als handle es sich um einen Teil seines privaten Wirtschaftsimperiums, entspricht Putins Vorstellungen wesentlich mehr.
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