Lebenszeichen der Opposition
Von Susanne Scholl | 15.01.2013 - 16:33
Wieder füllten sie den Moskauer Boulevard-Ring. Einige zehntausend Menschen zeigten trotz klirrenden Frosts und ziemlich großer Frustration , dass es "das andere Russland" gibt. Das Russland, das die Politik der Repressalien nicht gut heißt; das Russland, das weiß, was es heißt, in einem Waisenhaus aufzuwachsen und welch großer Schaden den Kindern entsteht, wenn amerikanische Eltern diese nicht mehr adoptieren dürfen.
Natürlich stellen viele immer wieder die Frage, was man denn erreiche mit dem "durch die Stadt spazieren" und Losungen rufen.
Natürlich tut das offizielle Russland so, als seien da lediglich einige wenige "Staatsfeinde" gegen die besten Gesetze aller Zeiten.
Und tatsächlich demonstrieren die Menschen ja nun seit mehr als einem Jahr gegen das Regime Putin - und haben vordergründig nichts erreicht. Und trotzdem demonstrieren sie weiter und beweisen, dass sie nicht bereit sind, ihren Kampf um eine demokratische Entwicklung aufzugeben.
Man demonstrierte vor allem gegen das zynische Anti-Adoptions-Gesetz, das die Adoption russischer Waisenkinder durch US-Bürger deshalb verbietet, weil die USA per Gesetz jenen rund 60 Personen die Einreise verweigern, die direkt oder indirekt für den Tod des Korruptionsaufdeckers Sergej Magnitzki in einem Moskauer Gefängnis verantwortlich sind. Aber man verlangte auch die Auflösung der Duma, dass dieses Anti-Adoptionsgesetz verabschiedet hat, weil sie - davon sind sehr viele in Russland nach wie vor überzeugt - nicht korrekt gewählt worden ist und jetzt eben Gesetze durchpeitscht, die ihm der Kreml diktiert.
Die große Demonstration vom Sonntag war das Zeichen, dass die Opposition nicht resigniert hat.
Präsident Wladimir Putin mag immer noch den Übervater und den Zaren spielen. Hinter verschlossenen Türen aber wird schon heftig um seine Nachfolge gerungen - und wenn der Kampf entschieden ist, wird Putin schneller Geschichte sein, als er seinen eigenen Namen aussprechen kann.
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