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Die Großzügigkeit der Flüchtlinge

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Eine Spende an die Hungerstreikenden in der Wiener Votivkirche wird von diesen für notleidende Österreicher weitergegeben.

Es ist empfindlich kalt in der großen, düsteren Kirche. Im schwachen Licht der wenigen Lampen wirken die Männer, die eingehüllt in Decken und Schlafsäcken auf dünnen Matratzen in einer Ecke sitzen, noch blasser und schmaler. Seit Anfang Dezember sind sie hier - und die meisten sind seither im Hungerstreik. Sie hätten nichts mehr zu verlieren, sagen sie, wenn man fragt, wie lang sie denn noch weiterhungern wollen. Was sie erreichen wollen, ist einfach: die Möglichkeit, in Sicherheit und wie ein Mensch zu leben.

Für sich selbst sorgen können, sagen sie, das sei ihnen wichtig. Sie wollten keine Almosen, nicht irgendwie "durchgefüttert" werden - sie wollten arbeiten. Leben eben, wie Menschen. Am vergangenen Sonntag hat ihr Schicksal den gerade erst für sein mutiges Engagement gegen Neonazi-Umtriebe in Österreich mit dem Ute-Bock-Preis ausgezeichneten Polizeibeamten Uwe Sailer so berührt, dass er das Preisgeld spontan den Hungerstreikenden in der Votivkirche spendete. Sie hätten es gut brauchen können. Sie benötigen nach wie vor mehr warme Kleidung, mehr Decken, mehr warme Schlafsäcke.

Und trotzdem haben sie sich höflich für die Spende bedankt und das Geld weiter an die Caritas zur Verwendung für notleidende Österreicher weiter gegeben. Es ist eine Geste, die viele in Österreich beschämen sollte. All jene, die behaupten, diese Menschen seien Lügner und Betrüger und würden nur versuchen, sich im reichen, satten Österreich ins gemachte Bett zu legen.

In Wirklichkeit wissen die Flüchtlinge in der Votivkirche viel besser als wir, die wir schon mehr als 60 Jahre in relativem Frieden und in Sicherheit leben, was Not und Elend sind. Nicht einer unter ihnen, der nicht Entsetzliches erlebt hat - bevor es ihn, meist ohne sein Zutun oder Wissen, nach Österreich verschlug. Dort, wo die meisten von ihnen herkommen, verfolgen die fundamentalistischen Taliban jeden, der nicht ihrer Glaubensrichtung angehört oder auch nur einfach nicht bereit ist, sich ihnen anzuschließen. Schutz durch die pakistanischen Behörden zu suchen ist schon deshalb unmöglich, weil diese eben das Grenzgebiet zu Afghanistan schon lang nicht mehr kontrollieren. Schlimmer noch. Nicht einmal in den Großstädten Karachi oder Islamabad wären sie in Sicherheit - die Taliban haben ihre Verbindungen auch dorthin und die pakistanischen Sicherheitskräfte kein Interesse daran, Flüchtlinge aus der Region zu schützen. Und so sind sie hierher gekommen - und verlangen zum ersten Mal laut und deutlich, dass ihre Menschenwürde respektiert werde. Dass man sie arbeiten und leben lasse, in Sicherheit. Und um das zu unterstreichen, haben sie die Spende weitergegeben - und uns allen eine eindrucksvolle Lehre erteilt.



 
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KOMMENTARE (8)
 

b.urlaub

05.02.2013
11:39 Uhr

Warum meinen manche, sie müssen auf Menschen treten, die schwach sind und im Leben nicht Fuß fassen können. Dieser ewigen Vergleich mit arab. Ländern ist nicht angebracht. Wir sollten unsere Kultur repräsentieren, da gilt nicht Aug für Aug, oder? Jeder mensch sollte Überlebensmöglichkeiten haben, hieru nd anderswo. Mensch ist Mensch. Was wissen wir, was wir alles versäumen, weil wir hart sind und ablehnen.Wir verlieren selber, Hunität nd Frieden.

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Sylvia Winter

30.01.2013
17:55 Uhr

Gebt Ihnen die Arbeitsgenehmigung oder macht die augen zu wenn sie was arbeiten wie hier in den Staaten .

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Iv Svet

30.01.2013
10:32 Uhr

Ich bin auch eine ausländische Studentin, die mehr möglichkeiten als Flüchtlingen habe. Trotzdem es ist schwer zu einheimischen verstehen wie schwer ist es hier zu überleben, wenn du noch gerade keine arbeitserlaubnis hast, keine beschäftigung und ganz viel Zeit und wünsche irgendwas zu machen. Ich werstehe ganz gut diese Flüchtlinge. Warum gehen sie nicht ins Moschee? Ganz einfach, viele mögen ihre Religion nicht, auf die andere Seite sie demonstrieren,dass sie andere Kulturen auch akzeptieren.

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Herbert Dvorak

27.01.2013
20:49 Uhr

Zu Verfolgungen in islamischen Ländern: - Was wäre, wenn um ihres Glaubens willen verfolgte Christen eine Moschee besetzen würden? Sie wären in kürzester Zeit erschossen! - Oder Wiener würden unter Hinweis auf die Verfolgungen die Moschee auf der Donauinsel besetzen hier wäre sofort die Cobra als Räumkommando da! - Warum wählen Flüchtlinge nicht den Schutz in dieser Moschee? - Haben nicht jene Flüchtlinge Priorität, die keine Forderungen stellen, sondern dankbar für die Aufnahme sind?

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Erich Hametner

24.01.2013
07:50 Uhr

Lasst sie leben, lasst sie arbeiten! Ein Mensch der arbeitet und geld verdient, schafft als Konsument auch Kaufkraft und Arbeit, er nimmt also niemanden seine Arbeit weg! Man müsste wirklich einmal exakt wissenschaftlich untersuchen, wieviel Arbeit ein erwachsener Konsument, bzw. eine 4 köpfige Konsumentenfamilie schafft. Schon alleine deshalb, damit diesen ewiggestrigen Hetzern ein für alle mal der wind aus den segeln genommen wird!

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Helmut Czepe

23.01.2013
21:02 Uhr

Diese Flüchtlinge haben sich die Notlage und Kälte in der Votivkirche selbst zuzuschreiben, auch dass sie nun warme Kleidung, mehr Decken, mehr warme Schlafsäcke benötigen. Das und mehr (wie zB Essen) haben diese im Lager in Traiskirchen bekommen und sind (tlw rechtswidrig) von dort weggezogen. Warum ziehen diese gerade in die unheizbare Votivkirche und nicht zB in eine Moschee, wo die Räume viel niedriger und heizbar sind. Eine Moschee steht ihrem Glauben auch viel näher.

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Doris Pleva

23.01.2013
21:00 Uhr

Wow! Wie überall gibt es eben solche und solche... Diese jenen verlangen, meiner Meinung nach, nicht zu viel und nichts Unmögliches! Wenn auch die Arbeitlosigkeit selbst uns "Einheimische" enorm stark selbst betrifft und belastet, so sind sich doch "Herr und Frau Österreicher" immer noch für so manche Arbeit zu "gut" und diese Männer würden sie wohl mit Freude verrichten! Also, worauf warten..., liebe Regierungsbeamte?! Werdet endlich mal munter und tut was!!!

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Gerd Lehmert

23.01.2013
09:31 Uhr

Da kann man nur ehrfürchtig den Hut ziehen vor diesen Menschen, die selbst nicht mehr haben, als sie am Leib tragen. Sie haben uns auf eindrucksvolle Weise zu verstehen gegeben, dass der Gott der Muslime und der Gott der Christen eins sind - eine kräftige Ohrfeige an alle "Straches". Wie sagt doch dieser liebende Gott: "Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!" Alle christlich denkenden, politisch Verantwortlichen im Land sollten die Asylpolitik gründlich überdenken.

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