Ein bisschen gleicher
Von Othmar Behr | 17.07.2012 - 13:10
Besucher, kommst du im Sommer nach Salzburg - es erwarten dich Sperrgitter, Poller, Schranken und uniformiertes Personal. So manche Szene erinnert an Vorgänge beim Checkpoint Charlie, dem berühmten Übergang von West- nach Ostberlin zuzeiten der Mauer. Jeden Sommer wird der Riegel dichter.
Heuer ist die Altstadtsperre dazugekommen, die nach dem Wunsch des Salzburger Stadtmarketings aber nicht so heißen soll. Mittagsverordnung klinge vor allem für die Touristen sanfter und freundlicher.
Über Sinn und Unsinn all dieser Maßnahmen soll hier und jetzt nicht philosophiert werden. Es prallen ohnehin die Meinungen aufeinander. Der immense Aufwand, der betrieben wird, um Automobile von Straßen und Plätzen der Altstadt fernzuhalten, regt aber zum Nachdenken an: Was ist denn eigentlich mit der Festspielauffahrt, der Parade der Luxuslimousinen quer durch historisch wertvolle Gebäudereihen?
Es ist ein heikles Thema, über das sich nicht einmal jene Stadtpolitiker drübertrauen, die kein Problem damit haben, wenn der neue Nonntaler Sportstättenbezirk parkplatzfrei bleibt. Die Neid-Karte ("Warum dürfen die Reichen mit dem Auto reinfahren und ich nicht?") auszuspielen wäre zu simpel. Die Festspiele sind für Salzburg das Juwel mit hoher finanzieller Rücklaufquote. Warum deshalb die Leute verärgern, die Geld in die Kasse bringen?
Umgekehrt muss die Frage erlaubt sein: Warum werden Menschen, die Geld in die Kasse bringen, so bevorzugt, dass sogar Kernprinzipien der Stadtpolitik über den Haufen geworfen werden?
Die naheliegende Antwort ist: Es gibt nur wenige Abende im Jahr mit Festspielauffahrten. Dieses Ritual zu verbieten wäre mutig, löst aber keine Verkehrsprobleme.
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