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Der Kampf um die Siegessellerie

Von Alexander Purger | 20.07.2012 - 21:27

Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn nächste Woche die Olympischen Spiele in London eröffnet werden, wird wieder viel von der friedensstiftenden und völkerverbindenden Funktion der Wettkämpfe die Rede sein.





Die Wahrheit ist leider eine andere. Pierre de Coubertin, der die Idee der Olympischen Spiele 1896 wiederbelebte, tat dies keineswegs, um den Weltfrieden zu fördern. Im Gegenteil. Der Franzose glaubte, dass die Niederlage seines Landes im Krieg 1870/71 ihren Grund im deutschen Schulturnen und der daraus resultierenden körperlichen Überlegenheit der Deutschen gehabt hat. Um seinen Franzmännern endlich Beine zu machen, erfand er die Olympischen Spiele neu.

Warum Coubertin seine Anleihe ausgerechnet bei den Spielen von Olympia nahm, ist unbekannt. Im antiken Griechenland gab es an die 300 Sportfeste zu Ehren dieser oder jener Gottheit. Darunter waren vier wichtige "Kranzspiele", bei denen dem Sieger ein Siegeskranz winkte (soweit ein Kranz halt winken kann): in Delphi einer aus Lorbeer-, in Olympia einer aus Oliven-, in Isthmia einer aus Fichten- und in Nemea einer aus Selleriezweigen.

Es ist also reiner Zufall, dass kommende Woche in London nicht die Nemeischen Spiele eröffnet werden und die Jugend der Welt in ihren edlen Wettstreit um den Siegessellerie eintritt. (Zumindest jene, die sich nicht schon auf ihrem Sellerie ausruhen.)

Dass es bei den Wettkämpfen nur um verdorrte Zweigerl geht, glaubte natürlich schon in der Antike keiner. Vergil schildert in der "Aeneis", wie in einem Stadion die Preise ausgestellt wurden, nämlich "geweihte Dreifüße, grüne Kränze, Waffen, purpurgefärbte Gewänder und Gold und Silber in Barren". Also nicht bloß Medaillen, sondern gleich Barren! Muss ganz schön schwer gewesen sein um den Hals.

Dazu kam, dass die Sieger, wenn sie bekränzt und bebarrt heimkehrten, zu Hause nochmals mit Geschenken überhäuft wurden. Eine beliebte Ehrengabe war die lebenslange Steuerbefreiung. Da im Laufe der Zeit doch eine erkleckliche Zahl von Olympia-, Delphi- und so weiter Siegern zusammenkam, die alle von der Steuer befreit wurden, nehmen Experten an, dass die heutigen Finanzprobleme Griechenlands auf die damals geübte Praxis zurückgehen.

Der berühmteste Olympiasieger war übrigens Nero. Der römische Kaiser trat mit einem Zehnspänner zum Wagenrennen an, flog in der Kurve vom Gefährt und kam nicht ins Ziel, wurde aber trotzdem zum Sieger erklärt. Laut Sueton hatte er die Kampfrichter mit großen Geldsummen bestochen.

So soll das IOC entstanden sein.

 
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