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Gerhard Kuntschik und Michael Smejkal über die österreichische und internationale Eishockeyszene.

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Handlungsbedarf im Volksgarten

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Salzburgs Eishockeyfans hatten in der Ära Pierre Pagés bisher drei EBEL/ÖEHV-Titel, einen Continentalcupsieg und zwei Triumphe im Red Bulls Salute, davon der zweite als Titel in der European Trophy, zu feiern.

Soweit die positive Bilanz des Frankokanadiers, der nach der ersten Meisterschaft 2007 ein Topteam von Hardy Nilsson übernahm.

Im sechsten Jahr unter Pierre Pagé ist Salzburgs im Sommer wieder einmal neuformiertes Team weiter weg von der Spitze der Erste Bank Liga denn je zuvor. Das 2:5 in Wien am Freitag nach 0:4-Rückstand war die vierte Schlappe in den vergangenen fünf Spielen, die Bilanz nach elf Runden ist negativ (nur fünf Siege), die aktuelle Form desolat - vor allem fällt auf, dass seit Matthias Trattnig verletzt fehlt, kein Antreiber und Spielgestalter da ist. In Wien war das Lazarett der jüngsten Zeit schon wesentlich gelichtet, neben dem Kapitän musste nur noch Latusa pausieren. Kaderprobleme kann Salzburgs Klubführung also nicht mehr ins Treffen führen.

Dass eine Truppe, die vom Potenzial der Spieler her mindestens unter den ersten Drei spielen müsste, drei Punkte unter dem Strich für die zweite Meisterschaftsphase steht, die mit Darbietungen wie gegen Stuhlweißenburg selbst die treuesten Fans vergrämt, bedeutet akuten Handlungsbedarf im Volksgarten bzw. im Büro in der Gaisbergstraße. Die Ausrede des auf Dezember (Salute) getrimmten Formaufbaus mit der üblichen Herbstdepression ist heuer nicht mehr relevant, da die Bullen nicht aus eigener Kraft das Finalturnier schafften (und nächsten Dienstag gegen Brünn vermutlich vor leeren Rängen den letzten ET-Heimauftritt absolvieren).

Pierre Pagé, der sportlich Alleinverantwortliche, hat in der Vorwoche angekündigt, der Oktober werde ein Monat der Entscheidung, was den endgültigen Kader betreffe. Angesichts des aktuellen Zustands der Mannschaft muss die Klubführung alles und jeden hinterfragen - und sich auch überlegen, ob die Mannschaft entweder Pagés System nicht begreift oder nicht begreifen will oder ob das System an sich vielleicht falsch ist. "Five players, no position" verlangt defensive Disziplin und schnelles Reagieren, doch Salzburgs Abwehrverhalten ist eine Blamage, und dementsprechend schlecht schauten zuletzt die Torhüter aus.

Und vielleicht sollte sich einmal Pagé selbst kritisch hinterfragen. Entscheidungen kann nur er treffen, von übergeordneten Red-Bull-Ebenen wird noch lange nichts zu erwarten sein, wie frühere Beispiele in der Fußballsektion zeigen. Außerdem schweben bei Red Bull derzeit alle in der Stratosphäre, auch wenn im Eishockey eine harte Landung droht. Übrigens nicht nur in Salzburg, auch in München.



 
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