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Andreas Unterberger, Ex-Chefredakteur von Presse und Wiener Zeitung und Katharina Krawagna-Pfeifer, ehemalige Innenpolitikchefin des Standard, im Diskurs.

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Ist Faymanns Inseratenaffäre ein Rücktrittsgrund?

Von Andreas Unterberger, Katharina Krawagna | 13.09.2012 - 18:09

In der SN-Kontroverse argumentieren die Kolumnisten Katharina Krawagna-Pfeifer und Andreas Unterberger diesmal zu der Frage, ob Faymanns Inseratenaffäre ein Rücktrittsgrund ist.



Andreas Unterberger

Der Kanzler der "Schutzbehauptungen"

Der deutsche Bundespräsident trat sofort zurück, als Staatsanwälte - später wieder eingestellte - Erhebungen gegen ihn begannen. Der österreichische Bundeskanzler ist weiter im Amt, obwohl nach Jahr und Tag die Vorwürfe der Staatsanwälte gegen ihn noch an Schärfe gewonnen haben.

Aber auch auf einem offensichtlich relativ tiefen Niveau der politischen Kultur ist er rücktrittsfällig. Denn sogar die Faymann-freundliche Wiener Staatsanwaltschaft spricht von eindeutigen "Schutzbehauptungen" des SPÖ-Chefs. Und das ist die juristische Formulierung für Lügen eines Beschuldigten. Eines Bundeskanzlers.

Wem auch das harmlos erscheint, der sollte die Stellungnahme der vorgesetzten Oberstaatsanwaltschaft lesen. Dort ist sogar offen vom Delikt der Untreue die Rede. Faymann hat als Minister bei der "Kronen Zeitung" eine riesige Serie über die ÖBB bestellt, in der die Bahn schlecht, Faymann als Minister hingegen sehr gut weggekommen ist. Das Pech der Täter: Der ÖBB-Vorstand hat diese Serie und deren Bezahlung durch die ÖBB erst mehr als ein halbes Jahr nach Beginn genehmigt! Erst dann wurde die Serie auch ÖBB-freundlicher. Wenn das kein Untreueakt ist, dann kann künftig jeder Geschäftsführer mit dem Geld der ihm vorübergehend anvertrauten Firma tun und lassen, was er will. Der Vorstand tat das freilich unter der Bedrohung, sonst den Job zu verlieren, also auf "Bestimmung" (wie es das Strafgesetzbuch nennt) Faymanns.

Und selbst wenn Faymann ähnlich wie einige FPÖ-Politiker meinen sollte, erst eine rechtskräftige Verurteilung wäre ein Rücktrittsgrund, ist er als Bundeskanzler untragbar geworden. Denn ihm ist die Republik total egal geworden, nur um sich selbst zu retten: Seine Partei will in wirtschaftlich schwierigsten Zeiten lieber neu wählen, als dass Faymann vor einem U-Ausschuss aussagen muss. Wo er nämlich erstmals (!) unter gesetzlicher Wahrheitspflicht stünde.

Katharina Krawagna-Pfeifer

Was und wer soll diffamiert werden?

Hoppla. Was passiert denn da? Soll nach dem Begriff der Unschuldsvermutung auch jener der Verhältnismäßigkeit im öffentlichen Diskurs diffamiert werden? Wird plötzlich strukturelle Korruption, hervorgerufen durch das Virus der Privatisierung, das derzeit wieder einmal die ÖBB erfasst hat und dem schon Bundeswohnungen, die Post, die Tabakregie u. v. a. m. ohne Not zum Opfer gefallen sind, salonfähig? Reden wir über Schmiergeldzahlungen an Waffenhändler, Lobbyisten, an Strasser, Grasser & Co.? Oder reden wir über die Kärntner Hype Alpe Adria? Jene Bank, die nach Milliardenmiese notverstaatlicht werden musste und die im ersten Halbjahr wieder in die roten Zahlen gerutscht ist; im Vorjahr hingegen hatte es in den ersten sechs Monaten dank eines Sondereffekts 71,8 Millionen Euro Gewinn gegeben. Oder reden wir von den Rettungsschirmen für die Erste Bank und für Raiffeisen, die der Staat Österreich nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers bereitstellen musste? Oder geht es um die sogenannte Inseratenaffäre, in die Bundeskanzler Werner Faymann und sein Staatssekretär Josef Ostermayer - zuständig für Medienangelegenheiten - verwickelt sind? Geht es darum, dass der Kanzler nicht vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Klärung der oben geschilderten Fälle von Hyperkorruption aussagen soll? Oder geht es darum, dass die Koalitionsparteien SPÖ und ÖVP in Tateinheit mit FPÖ und BZÖ die Vorsitzende des Untersuchungsausschusses mobil machen, weil sie Gabriele Moser (Grüne), die einen hervorragenden Job macht, loswerden wollen? Dieser Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen und daher sollten Faymann und Ostermayer sich nicht scheuen auszusagen, wobei natürlich die Gefahr besteht, dass sie dann medial mit den Grassers, Strassers und Mensdorffs gleichgesetzt werden. Daher sollte überlegt werden, ob die Inseratenaffäre manchen Kopfgeldjägern höchst willkommen ist, um von ihren Machenschaften abzulenken.

Andreas Unterberger war 14 Jahre Chefredakteur von "Die Presse" und "Wiener Zeitung" und ist für viele das bürgerliche Gewissen der österreichischen Publizistik.

Katharina Krawagna-Pfeifer war einst SN-Innenpolitikerin, dann Chefin der Innenpolitik sowie Leiterin des Brüsseler Büros des "Standard" und später Kommunikationschefin der SPÖ.

 
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KOMMENTARE (5)
 

Reinhard Horner

17.09.2012
09:16 Uhr

Klarheit, Aufgabenerfüllung und unverkürzte Verantwortung Was wir in Österreich dringend brauchen, ist nicht nur eine entsprechende Rücktrittskultur, sondern nicht minder eine entschieden bessere Antritts- und Aufgabenerfüllungs- mit unverkürzter Verantwortungskultur. Rechtlich und moralisch. Den Herren Faymann und Ostermayer stünde es wohl an, Konsequenzen zu ziehen, die ihren hohen Aufgaben un Verantwortungen gerecht werden. Wenigstens sollten allzu dreiste Vertuschungen unterbleiben. Und die SPÖ sollte sich für die kommende Nationalratswahl einiges überlegen. Der Eiertanz zur Vermeidung von Einvernahmen unter Wahrheitspflicht ist arg demokratie-, staats- und gesellschaftsschädigend. Weiteres online bei Unterberger.

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Reinhard Kaske

15.09.2012
18:12 Uhr

Sehr geehrte Frau Krawagna- Pfeifer, auch mit Ihrem Hinweis auf "die Machenschaften von Strasser, Grasser und Mensdorff" lassen sich die eines Ministers/Bundeskanzlers unwürdigen Machenschaften von Faymann nicht schönreden. Sie sollten bei Ihren nächsten Kommentaren vielleicht Ihre linke Augenklappe entfernen um nicht so gesteuert zu wirken

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Stutsie

14.09.2012
13:33 Uhr

Herr Marschalek ich bin ganz Ihrer Meinung! Herrn Faymann soll vor dem U-Ausschuss auszusagen, es wäre die beste Möglichkeit seine "Unschuld" zu beweisen. (Fragt sich nur warum er es nicht will....)

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Martin Deutsch

14.09.2012
13:32 Uhr

Sehr geehrte Fr. Krawagna-Pfeifer! In der Schule hätten Sie mit diesem Kommentar nicht reüssieren können, stellt er doch eine glatte Themenverfehlung dar. Aber ich kann Sie schon verstehen: Dieser Bundeskanzler und seine Kumpanen (Cap ...) sind so dermaßen dreist, dass man nicht sachlich zu ihren Gunsten argumentieren kann. Wenn irgendjemand in der Zweiten Republik rücktrittsreif war, dann dieser ahnungslose, wählerverachtende und machtgierige Kanzlerdarsteller.

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Walter Marschalek

14.09.2012
09:01 Uhr

Zuallererst eine Bemerkung zu Ihnen, Fr. Krawagna-Pfeifer! Warum schwafeln Sie erneut dermaßen an der Fragestellung vorbei, und das nicht einmal zu knapp?! Was wollten Sie mit Ihrem sehr wortreich ausgeführten Beitrag eigentlich mitteilen?? Dagegen erneut klare Aussagen d. Hrn. Unterberger! Nachdem sich der Hr. Werner F. [nachfolgend mit BK = Bundeskanzler bezeichnet] im abschließendem Sommergespräch den politisch interessiertem Staatsbürger von seiner [???] Seite gezeigt hat ---> unklar in den Aussagen / oberlehrerhaft gegenüber dem Fragesteller / unwissend in den Inhalten <--- , stellt sich für mich die Frage: Auf wessen Seite liegt der Nutzen, der sich daraus ergibt, diesen Mann in diese Funktion gehieft zu haben?? Der BK ist also der Auffassung, erst eine rechtskräftige Verurteilung in d. anhängigen Causa brächte ihn dazu, nachzudenken über (was weiss ich .....) die Möglichkeit eines Rücktrittes! Das moralisch-ethische Empfinden über das Wahrnehmen von Verantwortung hat er (so es überhaupt vorhanden??) ausgeschaltet. Wir brauchen uns also nicht länger wundern, wenn es der "gelernte Österreicher" auch nicht so genau nimmt - mit der Moral, mit der Verantwortung, mit der [höchstnotwendigen] Vorbildwirkung, mit Weitsicht in seinem Handeln, mit Aufrichtigkeit in seinem Tun - NEIN, wo kämen wir denn da hin??? Belassen wir es doch beim jahrzehntelang erprobten "Kavaliersdelikt" und dem "Wir wern do kan Richter (net) brauchn". Oben verhält sich zu Unten proportional wie Unten zu Oben!! In diesem Sinne haben wir GENAU DIE POLITIKER, DIE WIR VERDIENEN!! Guten Morgen, Österreich ......

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