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Religion steht nicht über allen anderen Rechten

Von Viktor Hermann | 17.07.2012 - 13:19



Man hätte es nicht glauben wollen. Da entsteht doch tatsächlich in Österreich gerade eine heiße Debatte darüber, welches Menschenrecht schwerer wiegt: das der körperlichen Unversehrtheit oder das der Religionsfreiheit.

Zugegeben, es hat einige Zeit gedauert, bis die Diskussion aus Deutschland zu uns herübergeschwappt ist. Dort hatte schon vor Wochen ein Kölner Gericht festgestellt, einem minderjährigen Buben, der schon wegen seines Alters eine solche Entscheidung nicht aus freiem Willen treffen könne, ein Stück der Penisvorhaut abzuschneiden, sei Körperverletzung und deshalb strafbar.

Religionsführer schrien lauthals "religiöse Diskriminierung", Politiker bis hin zur deutschen Kanzlerin gingen sofort in die Knie. Statt das Zerschnipseln von kleinkindlichen Körperteilen zu unterbinden, will man nun die Gesetzeslage so sanieren, dass die Beschneidung künftig gesichert straffrei ist.

Betroffen sind zwei der drei großen Glaubensgemeinschaften, die sich in ihren Wurzeln auf das Alte Testament stützen. Obwohl die Christen also von dem Richterspruch nicht berührt sind, eilten katholische und evangelische Bischöfe den Muslimen und Juden zu Hilfe und verteidigten diesen archaischen Brauch.

Kein Wunder, geht es hier doch um weit mehr als um die Entscheidungsfreiheit kleiner Kinder und ein Stückchen Haut. Die Richter in Köln haben festgehalten, dass religiöse Traditionen und Religionsausübung nicht, wie Rabbiner, Mullahs und Bischöfe zu glauben scheinen, absolut und unantastbar höher zu werten seien als alle anderen Rechte. Die Religionsgemeinschaften gründen diesen Anspruch auf die direkten Aufträge und Regeln, die von einem Gott erhalten zu haben sie behaupten.

Nun stellen sich sowohl in Deutschland wie auch in Österreich Mediziner, Betroffene und säkulare Skeptiker gleichermaßen gegen diesen religiösen Brauch. Medizinisch bringt der Eingriff nichts, psychisch kann er furchtbare Traumata verursachen.

Bleibt also seine Bedeutung für die religiöse Identität, den "Bund" mit einer Gottheit. Nun, andere Glaubensrichtungen beweisen seit Langem, dass religiöse Zugehörigkeit nicht an einem Stück abgeschnittener Haut hängen kann, und einen Bund mit transzendenten Einheiten sollte doch jemand schließen, der sich dazu aus freien Stücken entscheiden kann, und nicht ein Säugling. Und was, wenn nun einer, dem als Kleinkind die unverbrüchliche Zugehörigkeit zu einer religiösen Gruppe aufgezwungen wurde, diesen Bund wieder auflösen möchte? Das Zeichen dieser Gewalttat bleibt ihm erhalten, bis ans Ende seines Lebens.

 
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KOMMENTARE (5)
 

bernd vogl

21.07.2012
14:45 Uhr

Tierschutz besser als Menschenschutz : ein Boxer mit Schlappohren und Schwanz ist besser geschützt als ein Moslemjunge!

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Erich Ganspöck

21.07.2012
09:45 Uhr

Herrn Hermann danke ich für den überraschend freizügigen Kommentar! In einer Zeitung wie den SN, die speziell der katholischen Kirche gelinde gesagt sehr wohlwollend gegenüber steht und dem Kreationisten Schönborn immer wieder breiten Raum einräumt, hätte ich mir diese klaren Worte gegen den unseligen Führungsanspruch der Religionen nicht erwartet. Es entspricht zwar dem menschlichen Forschungsdrang und hilft den Menschen seit der Aufklärung, alles zu hinterfragen. Aber es ist völlig SINNLOS, religiöse Gebote auch nur irgendwie erklären und begründen zu wollen. Sie wurden vom zuständigen Gott verordnet und entziehen sich damit jeglicher menschlicher Beurteilung.

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Christa Bartek

18.07.2012
15:17 Uhr

Ich denke, es sollte zuallererst herausgefunden werden, ob die Beschneidung nicht einen hygienischen Hintergrund hat, genauso wie die Waschungen vor Eintritt in eine Moschee. Sicher wurde es erst später als "Pflicht" in den Religionen verankert. Genauso wie die Taufe bei den Katholiken. Mit freundlichen Grüßen C.B.

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Stefan Meier

18.07.2012
11:13 Uhr

Hier ein paar medizinische Fakten dazu: Die Vorhaut ist nicht nur eine Haut, sie ist ein Stück Fleisch mit Haut überzogen. Auf dieser Oberfläche sitzen ca. 20.000 schmerz- und berührungsempfindliche Rezeptoren. Die Vorhaut ist daher extrem empfindlich, was im sexuellen Kontext auch sinnvoll ist. Die Vorhaut eine Funktion und ist nicht nur ein unwichtiges Stück Haut. Entfernt man die Vorhaut, nimmt man dem Betroffenen auch ein Stück sexuellen Gefühls. Es ist also nicht nur eine körperliche Verstümmelung, sondern auch eine Verstümmelung der Lust. Urologen sagen, dass beschnittene Männer 3 mal so häufig unter Störungen der Sexualität und des sexuellen Empfindens leiden. Auch die Masturbation wird erheblich erschwert.

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Joachim Datko

18.07.2012
07:25 Uhr

Kinder nicht schutzlos lassen, die abrahamitischen Religionen sind meiner Ansicht nach ein Übel, sie versuchen die ganze Gesellschaft zu vereinnahmen. Kinder werden von klein auf, gegen ihr Selbstbestimmungsrecht, von den Priestern für die Religion vereinnahmt. Heute verlangt der Mensch nach Begründung, die Naturwissenschaften erziehen zu rationalem Denken. Humanismus und naturwissenschaftliche Weltsicht sind wesentlich besser als religiöse Weltanschauungen. Ich bin gerne bereit, gegenüber Print- und Internetmedien zum Unterschied zwischen religiöser Weltsicht und rationaler Welterklärung Stellung zu nehmen. Joachim Datko - Physiker, Philosoph Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft http://www.monopole.de

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