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Dumm oder feig oder einfach nur korrupt?

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Es ist noch gar nicht so lang her, da glaubten aufstrebende Intellektuelle (vulgo Schüler und Studenten), dass sich für Sport nur interessiere, wer es mit dem Geist nicht so besonders hat.

Mittlerweile wissen wir, dass der alte Spruch, ein gesunder Geist setze einen gesunden Körper voraus, nicht nur für die Lateiner gültig war. Der schönste Diskurs über Philosophie, Politik und Kultur für sich allein tut dem Individuum nicht gut, wenn es als letscherte Couchpotato dasitzt.

Trifft man freilich auf so manchen Vertreter des institutionalisierten Sports (= Funktionär), dann könnte das alte Vorurteil wieder aufleben.

Schon die Entscheidungen sportlicher Funktionärskomitees über die Austragungsorte von Spielen lassen den Verdacht zu, dass ihnen alles wichtiger ist als die charakterbildende Aufgabe des Sports, von der völkerverbindenden ganz zu schweigen.

In Moskau haben sich Sportfunktionäre jetzt ein ganz besonderes Stück geleistet. Noch kann niemand sagen, ob es sich dabei um Dummheit handelt, um Feigheit oder ganz einfach der Beweis für Korruption ist.

Die ganze Welt diskutiert die Frage, weshalb Russlands Politik so dezidiert schwulenfeindlich ist. Die ganze Welt? Nein, ein kleines Häufchen von Sportfunktionären weigert sich, den menschenverachtenden Inhalt russischer Gesetze zur Kenntnis zu nehmen. Sport, so sagen sie, habe nichts mit Politik zu tun. Deshalb dürfe kein Sportler bei der Leichtathletik-WM in Moskau oder bei Olympia 2014 in Sotschi politische Zustände in Russland kritisieren.

Wiewohl also in manchen Kreisen ein Sportboykott Russlands diskutiert wird, lehnen es Sportfunktionäre aller Länder ab, undemokratisches Verhalten zu thematisieren. Und als eine Sportlerin ihre Fingernägel in den Farben des Regenbogens bemalte, um Solidarität mit den unterdrückten und verfolgten Schwulen Russlands zu demonstrieren, fanden sich Sportfunktionäre sofort zu einer Rüge bereit: Nein, nicht zu einer Rüge für Russland und seinen Autokraten Wladimir Putin, sondern für die Sportlerin.

Diese Reaktion lässt mehrere Interpretationen zu:

a) Diese Funktionäre sind zu dumm, um zu sehen, dass Sport sich von Politik nicht lösen kann, weil er immer von Politikern benutzt wird. Also muss er es auch aushalten, wenn Sportler sich politisch äußern.

b) Diese Funktionäre sind zu feig, um ein offensichtliches Unrecht auch anzuprangern.

c) Diese Funktionäre fürchten, dass künftige Zuwendungen entfallen würden, die sie bisher lukriert haben.

 
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KOMMENTARE (4)
 

amazhdrakova

22.08.2013
07:41 Uhr

Sehr geehrter Herr Hermann, sehr schöner Ausdruck " letscherte Couchpotato" Danke!

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gerald holzinger

21.08.2013
16:09 Uhr

leider ist der schnöde mammon auch im sport anwesend. dazu kommn noch mittelalterliches Gedankengut und Regierungen die nur zur machtausübung und unterdrückung an erster stelle sind.da könnte man auch die trainer mit ins boot nehmen, die mit allen mitteln und medikamenten ihre schützlinge zum sieg "verhelfen". es gibt einen elitären kreis der immer siegt und einen der immer draufzahlt. ob sie alle wieder an die macht kommen, sollte sich der Wähler sich gut überlegen. kennt ihr den unterschied ?

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Rudolf Luis Poiger

21.08.2013
12:09 Uhr

Um beim eigentlichen Thema zu bleiben ! Denke , es ist das 3. ihrer Überschrift ! Sie sind nicht dumm oder , das schon eher , feige , aber SIE SIND KORRUPT ! Nehmen wir SOTSCHI her : 350 Millionen $ verschwunden ( Putin räumt ein , daß da was passiert sei ) . Alleine , daß ein Sportler/in ( die ja sowieso immer das Maul halten müssen ) für die ANREISE nach MOSKAU zu einem Wettbewerb EXTRA - Weltcuppunkte bekommt ist ein Indiez dafür daß hier jemand " mitgeschnitten " hat .

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Misan Thropoulos

21.08.2013
07:10 Uhr

Aber Herr Viktor! Sportler sind schon längst im intellektuellen Himmel angekommen! Beweis: Fußballer beim Besteigen eines Busses oder Flugzeuges: Anzug und Krawatte! Fußballtrainer am Rande des Spielfeldes: Anzug und Krawatte! Ganz zu schweigen von "Schneckerl" Prohaskas geschliffenen Analysen im Fernsehen: Ganz professorenhaft mit elegantestem Anzug, Krawatte und geschmackvollem Anstecker (z.B. "Superfund")! Von Felix Baumgartner möchte ich gar nicht sprechen. Wenn das nicht Zeichen genug sind?

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