Die stille Invasion der Roboter
Von Gertraud Leimüller | 20.06.2012 - 20:27
Für die schreibende Zunft ist die Nachricht schrecklich. Dennoch sollte man sie mit Gelassenheit nehmen: Das Startup-Unternehmen Narrative Science, ansässig in Chicago, hat Computer so trainiert, dass sie selbstständig Sport- und Unternehmensberichte schreiben können. Man muss sie nur mit Zahlentabellen füttern und schon produziert die Maschine in Sekundenschnelle einen Artikel über ein Fußballspiel oder die künftige Entwicklung eines Unternehmens. Auch Wahlkämpfe sind, zumindest zum Teil, maschinentauglich: Wer sonst als eine Maschine kann die vielen Twitter-Nachrichten, die im Internet über die Kandidaten kursieren, in Sekundenschnelle auswerten?
Willkommen im Zeitalter des Roboterjournalismus. Lange Zeit konnte man sich in der Sicherheit wiegen, dass zwar Fabriken automatisiert werden können, intelligente Dienstleistungen jedoch stets eine Domäne des Menschen bleiben werden. Das stimmt mittlerweile nicht mehr: Die künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant. Ein weiteres Beispiel sind Computer, die Autos lenken können. Beinahe alle großen Autohersteller testen inzwischen selbstfahrende Roboterautos, die auch ohne Mensch hinter dem Steuer - oder vielleicht gerade deshalb - erstaunlich sicher durch den Straßenverkehr kommen.
Werden wir künftig noch Journalisten brauchen? Oder Chauffeure? Taxifahrer? Ja, werden wir überhaupt noch ein eigenes Auto brauchen, wenn dieses ohne menschlichen Fahrer fahren und damit mehreren Herren dienen kann?
Die Fragen sind berechtigt: Zweifelsohne werden sich viele Jobs verändern, einige werden wegfallen und andere neu entstehen. Klar ist: Die Tätigkeiten, die dem Menschen vorbehalten bleiben, werden in Zukunft noch anspruchsvoller, kreativer und komplexer sein als heute, Routineaufgaben hingegen werden immer öfter wegfallen. Übertragen auf den Journalismus heißt das: Es ist im Moment nicht vorstellbar, dass ein Computer ohne menschliches Zutun einen Skandal aufdeckt. Oder eine Theatervorstellung rezensiert. Oder chaotische politische Entwicklungen in einem Kommentar erklärt.
Vollständig wegrationalisiert kann der Mensch voraussichtlich nie werden, da sein Gehirn mit dessen Fähigkeiten der Maschine in vielen Belangen überlegen ist.
Deshalb sollte man die Entwicklung gelassen sehen, ohne die darin enthaltene Warnung ganz auszublenden. Je früher man sich auf die kommenden Veränderungen einstellt, desto leichter kommt man mit ihnen zurecht.
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