Der Diskus fliegt mit Simonischek ins Unbekannte
Von Bernhard Flieher | 10.08.2012 - 15:11
Schau, wer da drüben geht, das ist doch so ein bekannter Schauspieler, oder?", sagt der Bursche am Zebrastreifen vor dem Landestheater und patzt sich vor Schreck mit seinem Eis an. Und seine Freundin, das Eis gekonnt gefahrlos für das luftige Sommerkleid rundherum schleckend, sagt. "Aus welcher Serie?" Und Peter Simonischek huscht weiter und hinein ins Theater, wo er dieser Tage in "Prinz von Homburg" arbeitet. Dieser Tage im Salzburger Sommer rennen einem bekannte Gesichter auf Zebrastreifen entgegen, sitzen im Kaffeehaus am Nebentisch, kaufen auf dem Grünmarkt Vitamine. Nun gilt das freilich nicht für jeden. Das "Bekannt" und "Berühmt" gilt nur für jene, die mit der Welt des Theaters oder der Oper oder der klassischen Musik vertraut sind. Und "Welt" ist da ja auch schon wieder viel zu viel gesagt. Weil was ist schon "eine Welt"? Das klingt groß und wichtig. Die Welt, in der sich aber der Großteil ihrer Bewohner bewegt, ist klein und überschaubar und endet beim nächsten Wirt oder im Supermarkt. Und alles andere wäre in Wirklichkeit eh zu anstrengend. Die andere Welt, die, von der so schnell und billig und unnachgedacht gesagt und berichtet wird, dass sie eine große und eine weite sei, diese Welt gibt es gar nicht. Aber sie kommt - befeuert von ausgelassenen Kommentaren und nach Aufregung gierigen Ankündigungen - per Fernsehkastl ins Wohnzimmer. Dort hat die weite Welt in den vergangenen zwei Wochen auch einen klingenden Namen. Olympia! Olympische Sommerspiele! Eine Ansammlung von Sportarten, von denen die meisten sonst gar nicht ausgeübt werden. Jedenfalls nicht in dieser Welt, die per TV geliefert wird. Aber jetzt in diesen Tagen zählen sie. Ein bisschen ist das wie Salzburg im Sommer bei den Festspielen. Deren Übermächtigkeit hat mit dem bedeutenden Bemühen zu tun, so zu tun, als gäbe es nichts anders, als wäre nur das Hier und Jetzt wichtig, gültig und bedeutend, und man geht davon aus, dass das auch jeder weiß und glaubt. So tut - mit mehr weltweitem Recht - auch Olympia. Da erfährt man dann davon, dass der deutsche Diskus-Olympiasieger nach seinem Sieg recht spät, also fast gar nicht in sein Bett gekommen ist. Er hat nämlich seine Akkreditierung verloren. Da ist sein Gesicht darauf und sein Name: Robert Harting heißt er, der große Sieger des Abends. Ohne Akkreditierung aber hatte er keine Chance, in den Hochsicherheitstrakt zu kommen, der immer noch lieb "olympisches Dorf" genannt wird und wo sein Bett steht. Der Mann gewann! Sieger ist er. Muss aufregend gewesen sein. Und ein bisschen deprimierend auch, weil es bedeutet, dass so einen Olympiasieger im Diskuswurf genau niemand kennt, auch wenn sich dieser Mann nach Siegen immer kamerafreundlich sein schönes Leiberl zerfetzt. Aber wo die große Welt inflationär auftaucht (bei Olympia werden in 14 Tagen 302 Siege ausgemacht), bleibt niemand übrig, der aus der Siegermasse herausragt.
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