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Die Lebensversicherung ist kein Wertpapier

Von Ronald Barazon | 19.07.2013 - 18:58

Die Lebensversicherung steht derzeit erstaunlicherweise im Mittelpunkt zahlreicher Angriffe. So als ob dieses bewährte Instrument der Altersvorsorge sich plötzlich als gefährliches Gift entpuppt hätte.

Die Feinde schießen aus allen Rohren. Allen voran trommelt der Konsumentenschutz, dass sich der Abschluss einer Lebensversicherung nicht lohne, weil die Renditen so mager seien.

Nur: Eine Lebensversicherung ist eine Versicherung und kein Sparbuch und kein Wertpapier. Die Lebensversicherung sorgt vor, dass die Begünstigten selbst nach nur wenigen Einzahlungen im Todesfall des Versicherten die volle Versicherungssumme erhalten. Im Erlebensfall hat am Ende der Laufzeit des Vertrags die oder der Versicherte die Summe als Kapital oder als Basis einer lebenslangen Rente. Selbstverständlich ist eine attraktive Verzinsung der eingezahlten Mittel wünschenswert, aber nicht die Hauptsache wie bei einem Wertpapier oder Fonds.

Die Munition für die falsche Argumentation haben den Konsumentenschützern keine Geringeren als die Versicherungen selbst geliefert.

Die Versicherungen waren es, die sich seit den Achtzigerjahren von der allgemeinen Gier nach hohen und höchsten Renditen treiben ließen und den Versicherten hohe Gewinne bringen wollten. Um dies zu erreichen, trat neben die ertragsschwache, aber sichere klassische Lebensversicherung die moderne, gewinnträchtige, attraktive fondsgebundene Variante. Die Fonds sollten die fetten Erträge bringen.

Das taten sie auch. Allerdings nur bis zur Finanzkrise. Dann stürzten sie mit den Aktienkursen ab und rissen das Vertrauen in die Lebensversicherung mit. Obwohl sich die Kurse erholt haben, ist das Misstrauen geblieben.

Die Finanzkrise rückte die klassische Lebensversicherung wieder in den Vordergrund und es schien, als ob man in das ruhige Fahrwasser der Zeit vor dem Rausch der fondsgebundenen Varianten zurückkehren würde.

Da ereignete sich das nächste Malheur. Bei der klassischen Variante werden zwar die Gelder der Versicherten nicht in munteren Fonds angelegt, aber in sicheren Staatsanleihen, die derzeit einen noch nie gekannten niedrigen Zinssatz aufweisen, der auch die ohnehin bescheidenen Erträge einer klassischen Lebensversicherung infrage stellt. Worauf einige Versicherer, erfreulicherweise nicht in Österreich, erklärten, man müsse das Lebensversicherungsgeschäft überhaupt einstellen.

Womit deutlich wurde, dass selbst so mancher Versicherer den Unterschied zwischen der Lebensversicherung und einem Wertpapier nicht kennt und man diese Lücke daher auch den von der Arbeiterkammer zum Schutz der Konsumenten abgestellten Mitarbeitern nicht vorwerfen kann.

Das Produkt ist im Rahmen der Instrumente der Altersvorsorge unverzichtbar und zu kostbar, um als Scheinskandal für das Sommerloch zu dienen.

 
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KOMMENTARE (2)
 

gerald holzinger

30.07.2013
17:53 Uhr

In Zeiten wie diesen, soll und MUSS man die heute ca 20jährigen aufklären über den bereits beschlossenen lebenslangen Erwerbszeiten-Pensions-Durchrechnungs-Zeitraum und der damit verbundenen Minimierung der heute zu erwartenden Pensionen und der in 40 Jahren um 50%. Man hat aufzuhörn, vor Wahlen nur die Zuckerl anzupreisen und letztlich ist das Versprochene nicht mal das Papierl wert. Lebensversicherngen müssen sicher sein -ohne Spekulation und der Arbeitsmarkt muss sie leistbar machen!

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Gerhard Spiesz

23.07.2013
13:43 Uhr

Sehr geehrter Herr Barazon! Vielen Dank für den Artikel.Sie haben damit dokumentiert,dass es in diesem Land auch noch Mitgieder der schreibenden Zunft gibt,die nicht nur formulieren können,sondern auch mit Fachwissen ausgestattet sind.Eine rare Kombination!Natürlich sind die Produkte der Versicherungen im Vorsorgebereich unverzichtbar-zumindestens so lange,als man sich auf keine ungezügelte Spekulation einlassen will.Dies trifft sicher auf die Mehrzahl der Pensions-Sparer zu.

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