Gesundheit

Stress verstärkt Gewohnheiten

Von (sn). | 02.08.2012 - 00:00

Experiment. Stresshormone schalten Hirnregionen für zielgerichtetes Verhalten aus. Man reagiert mit alten Gewohnheiten.

Stress verstärkt Gewohnheiten

„Gestresste fallen in alte Muster.“ Lars Schwabe, Kognitionsforscher. Bild: SN/UNI BOCHUM

Wer unter Stress steht, greift lieber zu altbewährten Rezepten, um ein Problem zu lösen, als sich auf Neues einzulassen. Diese alltägliche Beobachtung wurde nun in einem psychologischen Experiment in Bochum überprüft.

Tatsächlich. Man bevorzuge, in alte Gewohnheiten zu verfallen, als sich zielgerichtet zu verhalten, wenn man unter Druck stehe, sagt Lars Schwabe vom Institut für Kognitive Neurowissenschaft der Universität Bochum.

Um diesem menschlichen Verhalten auf die Spur zu kommen, ahmten die Forscher in einem Experiment bei ihren Probanden eine Stresssituation im Körper mit Medikamenten nach.

Dann untersuchten sie mit der funktionellen Kernspintomographie deren Hirnaktivität. Es zeigte sich, dass das Zusammenspiel der Stresshormone Cortisol und Noradrenalin die Aktivität der Hirnregionen für zielgerichtetes Verhalten stark herunterfuhr. Die Hirnregionen, die für gewohnheitsbasiertes Verhalten verantwortlich sind, blieben hingegen unbeeinträchtigt.

Die Teilnehmer der Studie erhielten Kakao oder Orangensaft als Belohnung, wenn sie am Computer bestimmte Symbole anklickten. Nach einer Lernphase am Computer durften die Probanden entweder so viele Orangen oder so viel Schokopudding essen, wie sie wollten.

Schwabe erklärt: "Das sollte den Wert der Belohnung schwächen." Denn wer viel Schokopudding esse, für den verliere Kakao an Reiz. Wer viele Orangen gegessen habe, der werde nicht gleich wieder Orangensaft mögen.

Zielorientiert handeln, das heißt in diesem Fall: Wer Schokopudding gegessen hat, sollte in den Versuchsdurchgängen eigentlich seltener jene Symbole anklicken, die zu einer Belohnung mit Kakao führen. Also von dieser lieben Gewohnheit Abstand nehmen und vielleicht etwas Neues ausprobieren. Und wer zuvor genügend Orangen gegessen hat, sollte sich seltener für Symbole, die mit Orangensaft assoziiert sind, entscheiden.

Einige der Studienteilnehmer standen nach wie vor - bedingt durch die Einnahme bestimmter Substanzen, etwa des Stresshormons Cortisol - weiter unter Stress.

Das Fazit des Experiments beschreibt Schwabe so: Jene Probanden, die unter künstlichem Stress gestanden seien, hätten nicht zielgerichtet neu gehandelt, sondern seien in dem Spiel ihren Gewohnheiten gefolgt und erhielten dadurch erneut ihre übliche Belohnung, obwohl sie eigentlich satt waren.

Jene Personen, die nur ein Placebo eingenommen hatten, also nicht unter Stress standen, handelten nach der Jause nicht gewohnheitsmäßig, um eine Belohnung zu bekommen, sondern orientierten sich bei dem Spiel neu.

 
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