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Quecksilberbelastung für Kinder in Europa viel zu hoch

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Auf fast elf Milliarden Franken (9,13 Milliarden Euro) schätzt ein internationales Forscherteam die Kosten, die Europa durch Quecksilber bedingte Gesundheitsschäden entstehen.

Quecksilberbelastung für Kinder in Europa viel zu hoch

Symbolbild: SN

Die Forscher veröffentlichten ihre Hochrechnungen im Vorfeld der UNO-Quecksilberkonferenz, die am Sonntag in Genf beginnt. Der Studie zufolge kommen jedes Jahr in Europa zwischen 1,5 und zwei Millionen Kinder zur Welt, in deren Haaren sich Quecksilberwerte über dem sicheren Grenzwert finden. Dies schreiben die Forscher im Fachblatt "Environmental Health" von dieser Woche. Ihren Grenzwert legten sie aufgrund früherer Studien bei 0,58 Mikrogramm pro Gramm Haar fest.

Der offizielle Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation liegt bei 2,5 Mikrogramm pro Gramm. Mit diesem Wert sind noch 200.000 Kinder in Europa betroffen. In seiner organischen Form Methylquecksilber ist das Metall hochgiftig und schädigt die Gehirn- und damit die geistige Entwicklung von Ungeborenen. Dies führe zu einem niedrigeren IQ, was das Potenzial für gut entlöhnte Arbeit senke, heißt es in einer Mitteilung zur Studie.

Quecksilber gelangt aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen, aber auch durch Vulkane oder Waldbrände in die Umwelt. Menschen nehmen es vor allem aus Meeres- und Süßwasserfischen auf, weshalb Südeuropa am stärksten betroffen ist: In Spanien haben rund 30 Prozent der Kinder zu hohe Werte, in Portugal acht Prozent.

Die Studie basiert auf Daten der Democophes-Studie, die den Quecksilbergehalt in den Haaren von über 1.800 Mutter-Kind-Paaren aus 17 europäischen Ländern gemessen hat. Pro Land wurden 120 solche Paare untersucht. Dies sei allerdings eine kleine Stichprobe, von der man nur bedingt auf die Gesamtbevölkerung schließen könne, sagte Mitautor Pierre Crottaz vom Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Es gebe Unsicherheiten, bestätigte Studienleiter Philippe Grandjean von der Universität von Süddänemark auf Anfrage. "Doch wir wählten ein konservatives Modell für die IQ-Verluste durch Quecksilber", sagte er. "Damit könnten wir die wahren Einbußen sogar noch unterschätzen." Der Vergleich mit anderen verfügbaren Daten zeige jedoch, dass die Messungen der Quecksilberwerte realistisch seien, sagte er. "Es ist vermutlich nicht falsch, von einem Nutzen einer Reduktion der Quecksilber-Belastung auszugehen."

Dafür setzt sich Philippe Grandjean auch persönlich ein. Am Samstag referierte er über seine Studienresultate an einer Veranstaltung von Nichtregierungsorganisationen - im Vorfeld der Verhandlungen zur UNO-Quecksilberkonvention. Das Abkommen, das auf eine Initiative der Schweiz zurückgeht, soll den weltweiten Quecksilberausstoß von derzeit knapp 2.000 Tonnen im Jahr wirksam reduzieren. Dazu regelt es Beschaffung, Handel und Herstellungsprozesse des Schwermetalls.

"Ich hoffe aufrichtig, dass die Politiker vernünftige Entscheidungen treffen", sagte er. Das Problem sei, dass es sich mit dem Quecksilber ähnlich verhalte wie mit dem Klimawandel: Gewisse Länder tragen stärker zur Verschmutzung bei, während andere Länder, die selber einen kleinen Ausstoß haben, darunter leiden.

 
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