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"Chernobyl Diaries": Urlaub im Schatten der Kühltürme

Von (sn-lena). | 20.06.2012 - 14:21

Extremtourismus ins Katastrophengebiet? Der Horrorfilm "Chernobyl Diaries", der am Freitag ins Kino kommt, spielt diese Idee durch, vor dem Hintergrund des verunglückten Atomreaktors in Tschernobyl.

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Horror in Tschernobyl. Bild: SN/Warner

Horror in Tschernobyl.

Bild: SN/Warner

Horror in Tschernobyl. Bild: SN/Warner

Horror in Tschernobyl.

Bild: SN/Warner

Horror in Tschernobyl. Bild: SN/Warner

Horror in Tschernobyl.

Bild: SN/Warner


Die Prämisse des Films ist hart an der Geschmacklosigkeit und dabei ideal für ein Zombie-Szenario: Eine Gruppe von jungen amerikanischen Touristen beschließt von Kiew aus einen Abstecher nach Prypjat, für den besonderen Kick. Hier lebten bis zum 26. April 1986 Zehntausende Arbeiter und ihre Familien. Dann passierte der Super-GAU.

Heute ist Prypjat eine Geisterstadt. Die Natur hat die Straßen zurückerobert, Bären hausen zwischen verfallenden Hochhäusern. Die Amerikaner sind beeindruckt. Doch als sie sich abends auf den Rückweg machen wollen, springt der Wagen nicht mehr an. Dann kommt der Tourguide bei einer Attacke wilder Hunde abhanden. Und dann huschen Gestalten durch die Finsternis, die offensichtlich Übles wollen.

Dass nukleare Strahlung Menschen zu Zombies werden lässt, ist ein wiederkehrendes Genremotiv. Die Verortung im realen Unglücksgebiet rund um Tschernobyl ist allerdings neu und stößt auf Proteste. Yago Alayza, Organisator einer Petition gegen den Filmstart, sagt: "Wer nach Tschernobyl kommt, sollte denselben Respekt bezeugen wie jemand, der Auschwitz besucht." Drehbuchautor und Produzent Oren Peli ("Paranormal Activity") gibt jedoch an, niemanden mit dem Film verletzen zu wollen. Tatsächlich unterstützt ihn die Opferorganisation "Chabad’s Children of Chernobyl", die jegliche Aufmerksamkeit für die Folgen der Katastrophe begrüßt.

Dass der Film ausgerechnet jetzt ins Kino kommt, kaum mehr als ein Jahr nach dem Desaster in Fukushima, ist kein Zufall. Ängste, die in der Gesellschaft besonders präsent sind, kehren oft in Horrorfilmen wieder. Das kann für die Psyche durchaus reinigende Wirkung haben: Im Kino kann man sich fürchten, ohne dass es Folgen hat, denn zumindest hier ist die atomare Bedrohung für zwei Stunden nur ein Kinofilm, den die Zuschauer jederzeit verlassen können. Dies entschuldigt jedoch nicht, wie Regisseur Bradley Parker mit dem Material umgeht: Eine Reihe viel versprechender Ideen endet im Nichts, die Auflösung am Ende ist geradezu lächerlich plump. Und dagegen ist in jedem Fall zu protestieren.

Chernobyl Diaries. Horror, USA, 2012. Regie: Bradley Parker. Mit Ingrid Bolsø Berdal, Dimitri Diatchenko, Olivia Taylor Dudley. Start: 22. 6.

 
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