"The Dark Knight Rises": Erwachsen mit Maske und Cape
Von Magdalena Miedl | 27.07.2012 - 09:34
Alles ist ruhig in den Straßen von Gotham City: Seit acht Jahren ermöglicht ein Gesetz, Verbrecher ohne Bewährung einzusperren, und die Polizei hat kaum mehr zu tun, als nächtlich entlaufenen Ehemännern nachzustellen. So beginnt "The Dark Knight Rises", das Finale von Christopher Nolans Batman-Trilogie (nach "Batman Begins" 2004 und "The Dark Knight" 2008).
Seit Batman aus der Stadt gejagt wurde, weil er die Verbrechen des angeblichen Helden Harvey Dent auf sich genommen hatte, hat sich der reiche Playboy Bruce Wayne (Christian Bale) zurückgezogen: Einst wachte er als Batman über seine Stadt, jetzt trauert er um seine geliebte Rachel (Maggie Gyllenhaal), die den Showdown nicht überlebt hatte.
Es ist ein Moment der Schwebe, mit dem "The Dark Knight Rises" beginnt. Police Commissioner Jim Gordon (Gary Oldman) ist kurz davor, den Bewohnern der Stadt endlich zu verraten, dass der Frieden auf ihren Straßen auf einer Lüge beruht und dass der wahre Held ein anderer ist.
Doch dann kommt ein neuer Bösewicht dazwischen: Bane (Tom Hardy) ist ein in der Finsternis Geborener mit der zerstörerischen Mission, die verlogene Stadt in Schutt und Asche zu legen. Wider besseres Wissen holt Bruce Wayne sein Batman-Kostüm aus der Vitrine, um sich erneut in die Schlacht zu stürzen.
Die komplexe Geschichte, die Christopher Nolan gemeinsam mit seinem Bruder Jonathan erarbeitet hat, bemüht sich, viele Elemente zu vereinen, und hier liegt das Problem: Streckenweise kommt die Handlung fast zum Erliegen, wenn Figuren salbungsvoll erläutern, wer warum an wem Rache nehmen wird und weshalb Gotham sterben oder wiederauferstehen muss. Und dann wiederum, wenn es spannend wäre zu erfahren, wie jemand von A nach B gelangt oder warum er das tut, hetzt der Film weiter. Bane etwa könnte ein interessanter Bösewicht sein; seine Motivation ist im Grunde ähnlich wie die von Batman, als Verletzter die Gesellschaft erneuern zu wollen. Nur hat er den Weg der Gewalt gewählt, seine Herkunft bleibt jedoch unerforscht.
Anne Hathaway als einzelgängerische Trickdiebin Catwoman bringt eine angenehme Mischung aus Bodenständigkeit und Charme mit, und Oscarpreisträgerin Marion Cotillard spielt eine verführerische Investorin, die Batman in mehrerer Hinsicht nahekommt. Und dann ist da, neben dem Erfinder Lucius Fox (Morgan Freeman) und Bruce Waynes treuem Butler Alfred (Michael Caine), ein junger warmherziger Polizist (Joseph Gordon-Levitt), der aus der Gosse kommt und zum wichtigen Verbündeten für Batman wird.
Spannend sind auch die politischen Implikationen: "The Dark Knight Rises" funktioniert als Kommentar zu einer Gesellschaft, die nach einem Trauma - im Kino der Attentäter Joker, in der Realität die Attentäter der Al Kaida - die Antwort in mehr Überwachung und härteren Gesetzen zu finden meinte, einer Gesellschaft, die zwar oberflächlich keine Verbrechen mehr zulässt, die unter dieser dünnen Schicht aber bis an die Zähne bewaffnet ist. In dieser Gesellschaft sind die Unterschiede zwischen den Habenichtsen und den unermesslich Reichen immer größer geworden, durch Spekulation, Korruption und banale Gier.
Die "Gesellschaft der Schatten", die Bruce Wayne (in "Batman Begins") zum unnachgiebigen Kämpfer ausgebildet hatte und die bereits damals das korrupte Gotham zu Fall bringen wollte, steckt auch diesmal wieder hinter der Bedrohung, und der Angriff beginnt, wo es einem kapitalistischen System am meisten wehtut: an der Börse. Dabei filmt Nolan Bilder, die Erinnerungen an die "Occupy"-Bewegung des Sommers 2011 wecken und bei denen die Sympathien durchaus nicht aufseiten der saturierten Banker liegen.
Trotz der aktuellen Bezüge fehlt dem Film eine konsistente Geschichte. Als Finale der Trilogie ist "The Dark Knight Rises" nicht gescheitert, aber Nolan wollte zu viel: Wasserstoffbombe, Kapitalismuskritik, ein mythisches unterirdisches Gefängnis, zwei hocherotische Frauen, und die Einführung eines glaubwürdigen Sidekicks - all das ist nicht einmal in einem fast dreistündigen Film zu bewältigen.
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