Teddybär "Ted" ist los
Von Magdalena Miedl | 01.08.2012 - 12:43
Ein kleiner Bub ohne Freunde wünscht sich, dass sein Teddybär lebendig wird - und tatsächlich geht sein Traum in Erfüllung: Was nach einem kitschigen Familienfilm klingt, ist in "Ted" Material für eine untergriffige Komödie, in der beide als Erwachsene immer noch zusammenwohnen. Doch während der Mann (Mark Wahlberg) eine nette Freundin (Mila Kunis) gefunden hat, verbringt der Bär seine Tage mit wechselnden Affären, Kiffen und schlechten Witzen. "Ted"-Erfinder Seth MacFarlane, im Fernsehen mit den subversiven Zeichentrickserien "Family Guy" und "American Dad" seit Jahren erfolgreich, im SN-Interview.
SN: Wie wichtig ist Ihnen, kontroversiell zu sein mit Ihrer Arbeit?
MacFarlane: Kontroverse um ihrer selbst willen strebe ich nicht an, zuerst muss es einmal witzig sein. Aber wenn man Komödie macht und an vorderster Front neue Dinge versuchen will, egal in welchem Jahrzehnt, dann begibt man sich fast automatisch auf kontroversielles Terrain. Monty Python waren in den Siebzigerjahren kontroversiell, das ist Teil dieses Geschäfts. Und was heute als beleidigend und kontroversiell gilt, wird in 15 Jahren womöglich ziemlich zahm sein.
SN: Sie treten öffentlich als Unterstützer für die Gleichberechtigung Homosexueller auf. Wie politisch sehen Sie Ihre Arbeit?
MacFarlane: Nun, "Ted" ist nicht besonders politisch, aber was die TV-Serien "Family Guy" und "American Dad" betrifft, kann das abhängig vom Thema der jeweiligen Folge schon politisch werden. Wir versuchen da nicht zu moralisieren, aber wir schrecken auch nicht vor Sendungen mit heiklen Inhalten zurück. Wir hatten etwa bei "Family Guy" eine Folge über die homosexuelle Ehe, und die war schon sehr klar pro Schwulenrechte. Man kann da also durchaus Stellung beziehen, aber an erster Stelle kommt die Comedy.
SN: Immer wieder nutzen Sie Erzählformen, die wir üblicherweise für ein Kinderpublikum kennen, wie Zeichentrickserien oder in "Ted" die typische Form des märchenhaften Familienfilms, und
brechen sie durch Subversion.
Was ist der Reiz daran?
MacFarlane: Die erfolgreichsten Komödien spielen immer mit dem Moment der Überraschung und damit, die Erwartungen des Publikums zu brechen. Wir hatten immer wieder Probleme mit "Family Guy", weil Eltern ihre Kinder die Sendung schauen ließen, in der Meinung, Zeichentrick würde sicherlich für die Kleinen super passen. Bis zu einem gewissen Grad ist das natürlich auch ein Sieg, weil wir damit subversiv waren.
SN: Wie auch in "Family Guy" kommt in "Ted" viel Popkultur vor: Da werden "Star Wars"-Figuren gesammelt, Flash Gordon spielt eine große Rolle, Norah Jones spielt sich selbst, die Protagonisten sehen Filme, die wir alle kennen, und lieben Musik, die wir alle gehört haben.
MacFarlane: Wir holen damit das Publikum zu uns: Jedes Mal, wenn wir ein Popkulturzitat verwenden, bezieht sich das auf eine gemeinsame Erfahrung, die uns und die Zuschauer hoffentlich miteinander verbindet. Das ist ein Aspekt, der Comedy heute stark kennzeichnet.
SN: Viele Witze in "Ted" sind weit jenseits der Gürtellinie. Gibt es
eine Grenze, die Sie nicht überschreiten, haben Sie da eine
innere Zensur?
MacFarlane: Der Raum, in dem wir unsere Drehbücher schreiben, ist eine freie Zone, in der man alles sagen kann, was man will, auch wenn es derb ist. Natürlich kommt das nicht alles ins Drehbuch, aber das ist der einzige Weg, auszuloten, wo diese Grenze verläuft. Wenn etwas nicht witzig ist, sondern einfach nur gemein, dann gibt es da immer Leute, die einen einbremsen: Um diese Grenze zu finden, braucht es ein Gegenüber.
SN: Im Film "Ted" machen Sie
sogar ein paar 9/11-Witze. Dabei haben Sie Ihre eigene 9/11-Geschichte.
MacFarlane: Ja, ich war auf den ersten Flieger gebucht, der ins World Trade Center einschlug. Ich hatte am Vorabend an meinem alten College einen Vortrag gehalten, war etwas verkatert, und dann hatte mir auch noch mein Reisebüro eine falsche Uhrzeit gesagt. Ich raste zum Flughafen, aber kam trotzdem ein paar Minuten zu spät, das Gate war schon geschlossen. Also wartete ich in der Lounge auf den Elf-Uhr-Flug, nickte dabei ein - und als ich aufwachte, war die Hölle los.
SN: Hat es lang gedauert, sich von dem Schock zu erholen?
MacFarlane: Ich habe keine Sekunde lang gedacht, ich wäre vom Schicksal verschont worden, um irgendeinem höheren Sinn zu dienen. Ich bin ganz einfach chronisch spät dran, das war nicht der erste Flug, den ich versäumt habe.
SN: Hat 9/11 Ihren Sinn für Humor verändert oder den der amerikanischen Komikbranche?
MacFarlane: Es änderte sehr viele Dinge: Das ganze Land drehte danach komplett durch, und in vielerlei Hinsicht sind wir immer noch dabei, uns davon zu erholen.
Ted.
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