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"Lincoln": Es war einmal ein Präsident

Ein guter Mann in schlechten Zeiten: Steven Spielbergs Politdrama "Lincoln" zeichnet die letzten Lebensmonate des einflussreichsten Präsidenten der USA nach.

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Impressionen aus „Lincoln“. Bild: SN/Foxfilm

Impressionen aus „Lincoln“.

Bild: SN/Foxfilm

Impressionen aus „Lincoln“. Bild: SN/Foxfilm

Impressionen aus „Lincoln“.

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Impressionen aus „Lincoln“.

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Impressionen aus „Lincoln“.

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Bild: SN/Foxfilm

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US-Präsident Barack Obama legte am Montag seinen Amtseid auf die Bibel von Abraham Lincoln ab. Die Symbolkraft ist gewaltig: Lincoln, 16. Präsident der Vereinigten Staaten und der große Sieger im Kampf gegen die Sklaverei, ist heute eine der wichtigsten Identifikationsfiguren für das US-amerikanische Selbstverständnis.

Das illustriert auch Steven Spielbergs Film "Lincoln". Er zeichnet die letzten Lebensmonate des einflussreichsten Präsidenten der USA nach: vom blutigen Höhepunkt des Amerikanischen Bürgerkriegs über die Abschaffung der Sklaverei bis zu Lincolns Ermordung durch einen fanatischen Südstaatler.

Filmbiografien großer Politiker sind immer ein Balanceakt: Einerseits ist da die Nacherzählung einer historischen Epoche, die zum Schulstoff gehört, die allerdings auch unterschiedlichen Interpretationen unterworfen ist; und dann ist da die weniger bekannte Privatperson, die aber für die Aufmerksamkeit des Publikums entscheidend ist: Abraham Lincoln war nicht nur Präsident, er war auch Familienvater und Ehemann.

Spielberg inszeniert seinen Helden (Daniel Day-Lewis) als früh gealterten, liebevollen Vater seines kleinen Sohnes Tad, der sich abends vor dem Kaminfeuer umstandslos zu ihm auf dem Teppich schlafen legt. Seiner Frau Mary (Sally Field) erzählt Lincoln morgens seine Träume, die sie ihm politisch interpretiert. Sie leidet fürchterlich unter dem Verlust zweier früh verstorbener Söhne. Seit drei Jahren tobt der Bürgerkrieg zwischen der Union im Norden und den konföderierten Südstaaten, die sich nach Lincolns Wahl losgesagt hatten, weil sie bei einem Ende der Sklaverei um ihre wirtschaftliche Basis fürchteten. Den Krieg zu beenden ist zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht Lincolns Hauptanliegen: Er hat längst beschlossen, auch eine Kriegsverlängerung in Kauf zu nehmen, um eine Verfassungsänderung durchzusetzen, die die Sklaverei abschaffen soll.

Spielbergs "Lincoln" berichtet von Debatten im Kongress, von Hinterzimmermauscheleien und Absprachen, er bleibt, bis auf zwei Szenen, die Schlachtfelddramatik illustrieren, immer im engen Washington. Mehr als hundert Sprechrollen schaffen ein detailreiches, oft unübersichtliches Bild, das opulente Schlachtengemälde eines politischen Umbruchs. Dabei erfährt der staunende Europäer, dass es im 19. Jahrhundert die republikanische Partei war, die mit Lincoln an der Spitze den Fortschritt forcierte und überhaupt erst gegründet wurde, um die Ausbreitung der Sklaverei zu bremsen, in Opposition zu den damals konservativen Demokraten. Doch Lincoln braucht für den Verfassungszusatz auch Stimmen der Demokraten.

Einzelne Figuren - wie der streitbare Idealist Thaddeus Stevens (großartig: Tommy Lee Jones) - werden näher charakterisiert. Dass Lincoln aber auch afroamerikanische Anführer und Politiker empfing, etwa den schwarzen Kämpfer gegen die Sklaverei, Frederick Douglass, spielt im Film keine Rolle. Afroamerikaner kommen nur als Diener, Soldaten oder einfache Bürger vor. Auch die Erfahrung der Sklaverei bleibt außen vor.

Als die Südstaaten einen Versuch unternehmen, den Konflikt auf diplomatischem Weg zu beenden, weiß Lincoln sie hinzuhalten: Nach einer Wiedereingliederung der Konföderierten wäre ein Entscheid gegen die Sklaverei nicht mehr realistisch, die Abstimmung muss zuvor über die Bühne gehen Es ist kein ganz sauberer Kampf, das macht Spielberg deutlich: Der Zweck heiligt die Mittel, der moralisch Überlegene hat auch das moralische Recht, im Notfall die Wahrheit zu verbiegen, um seine Sache durchzusetzen. Das tut der bis zur Verklärung reichenden Verehrung für Lincoln keinen Abbruch, wie Spielbergs Inszenierung anzumerken ist: Daniel Day-Lewis, in großartiger Lincoln-Maske, ist museal ausgeleuchtet.

Das Anekdotische, mit dem sich viele Geschichtsfilme vor der Verstaubtheit zu retten versuchen, ist hier Charaktermerkmal seiner etwas kauzigen Hauptfigur: Lincoln selbst erzählt die Anekdoten, was im Laufe des Films zum Running Gag wird, weil der Präsident auch dann weit ausholt, wenn seine Umgebung dringend auf Anweisungen wartet.

Daniel Day-Lewis verschwindet nicht hinter der Maske von Lincoln. Die übermächtige Größe des Präsidenten und die ikonischen Gesichtszüge des Schauspielers verschwimmen ineinander. Die Verehrung, die Lincoln schon von seinen Zeitgenossen zuteil wurde, lässt er mit altväterlicher Gutmütigkeit geschehen.

Trotz eines überzeugenden Drehbuchs verströmt "Lincoln" den Reiz eines altmodischen Wachsfigurenpanoramas mit dramatischer Lichtregie, und Schlachtengetümmel vom Tonband. Es ist ein Kino, das nicht überwältigt, sondern zum Mitdenken anhält, ein didaktisches Kino, das den Zuschauer beiseite nimmt und leise zuraunt: "Siehst du, die waren auch nur Menschen."
Lincoln. Filmbiografie. USA 2012. Regie: Steven Spielberg. Mit: Daniel Day-Lewis, Tommy Lee Jones, Sally Field, James Spader. Start: 25. 1.

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