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"Heiligsprechung darf man nicht mit Spott belegen"

Von Magdalena Miedl | 17.08.2012 - 09:20

Christian Ulmen spielt in Markus Rosenmüllers "Wer’s glaubt, wird selig" einen Wirt, der seinem bayerischen Dorf mithilfe eines inszenierten Wunders zu neuen Touristen verhelfen will.

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Christian Ulmen spielt in Markus Rosenmüllers „Wer’s glaubt, wird selig“ einen Wirt, der seinem bayrischen Dorf mit Hilfe eines inszenierten Wunders zu neuen Touristen verhelfen will. Bild: SN/Constantin FilmChristian Ulmen spielt in Markus Rosenmüllers „Wer’s glaubt, wird selig“ einen Wirt, der seinem bayrischen Dorf mit Hilfe eines inszenierten Wunders zu neuen Touristen verhelfen will. Bild: SN/Constantin Film

Christian Ulmen spielt in Markus Rosenmüllers „Wer’s glaubt, wird selig“ einen Wirt, der seinem bayrischen Dorf mit Hilfe eines inszenierten Wunders zu neuen Touristen verhelfen will.

Bild: SN/Constantin FilmChristian Ulmen spielt in Markus Rosenmüllers „Wer’s glaubt, wird selig“ einen Wirt, der seinem bayrischen Dorf mit Hilfe eines inszenierten Wunders zu neuen Touristen verhelfen will.

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„Wer’s glaubt, wird selig“.

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„Wer’s glaubt, wird selig“.

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Im SN-Interview bekommt Ulmen die Gretchenfrage gestellt und hat viele versöhnliche Antworten.

SN: Herr Ulmen, wie haben Sie als Norddeutscher den viel beschworenen Culture Clash zwischen dem Norden und Bayern erlebt?

Ulmen: Ich mache mir über so etwas nicht sonderlich viele Gedanken. Klar, hier gibt’s Berge und bei uns im Norden ist alles flach, und die spielen hier Tuba und machen Maifeste und all solche Sachen. Aber das alles ist im Film auch gar kein Thema.

SN: Der Film thematisiert doch den Katholizismus, der in seinen extremeren Ausformungen manches Mal fremd wirkt, vielleicht sogar problematisch.

Ulmen: Ich finde nicht, dass der Katholizismus problematisch ist, im Gegenteil, Glaube hat etwas sehr Tröstliches. Ich glaube aber, dass jede Form von Fanatismus anstrengend ist, und das gibt es im Katholizismus wie im Atheismus. Ich kenne wahnsinnig intolerante Atheisten und genauso gibt es blöde Protestanten. Das Problem liegt nicht in der Religion, sondern darin, wie man mit ihr umgeht.

SN: Der Film beschreibt Religion nicht nur als Glauben, sondern auch als Folklore.

Ulmen: Ja, die Folklore ist auch gar nicht meines, also wenn man nur in die Kirche geht, weil das schon die Mutter und die Oma gemacht haben. Dann ist es sinnentleert und fürchterlich, wenn man nicht die Freiheit hat, das zu hinterfragen. Wenn ich meine Eltern damit konfrontiere, dass ich nicht weiß, ob ich meine Kinder taufen lassen möchte und dass ich eigentlich eine humanistische Erziehung sinnvoller finde, reagieren die erschreckt. Und dieser Schrecken rührt gar nicht aus einem festen Glauben, sondern aus einem Hang zur Tradition: "Du wärst der Erste in unserer Familie, der seine Kinder nicht taufen lässt!" Ich würde besser verstehen, wenn es hieße, "Aber da ist doch ein Gott, und weil es Gott gibt, musst du deine Kinder in diese Gemeinschaft hineinbringen".

SN: Wie halten Sie es mit der

Religion?

Ulmen: Ich bin ein klassischer Agnostiker. Ich beneide alle, die glauben können. Ich fände das toll, wenn es Gott gäbe, aber glauben kann ich nicht. Ich kann aber auch nicht wie ein Atheist überzeugt sein, dass es keinen Gott gibt. Ich hab ja nur die Sinnesorgane, mit denen ich ausgestattet wurde. Das sind ein paar mehr als zum Beispiel bei einer Zecke, die kann nur Hell und Dunkel wahrnehmen und Schweiß riechen und so. Wir Menschen können ein paar Sachen mehr, wir können schauen und hören, aber wer weiß, was wir alles nicht wahrnehmen. Die Nichtexistenz Gottes ist ja auch nicht bewiesen.

SN: Der Film spielt mit Spezifika des Vatikan, der für viele Nichtkatholiken etwas Absurdes hat.

Ulmen: Ja, wobei man als Nichtgläubiger ja alles, was Religionen benutzen, total absurd finden kann. Wenn ich jetzt an die heilige Heuschrecke glaube und deswegen jeden Morgen in einem zweistündigen Gebet wie eine Grille zirpen muss, würde jeder andere sagen: "Was macht der da für einen Schwachsinn?" Das ist aber fast eine Form von Arroganz. Natürlich ertappe ich mich auch dabei, zu denken, eine Heiligsprechung, was ist denn das für eine Kasperei, aber das ist eben innerhalb des Katholizismus folgerichtig. Ich finde, das darf man nicht mit Spott belegen, und das tut der Film ja auch nicht. Im Gegenteil, es gibt viele Szenen, die damit spielen, dass Wunder doch möglich sein könnten.

SN: Sie arbeiten als Autor, Produzent, Schauspieler und Moderator. Worauf sind Sie besonders stolz?

Ulmen: Ich bin einfach froh darüber, dass ich so viele verschiedene Sachen machen kann. Als Schauspieler bist du ja ein weisungsgebundener Erfüllungsgehilfe, um eine Geschichte zu erzählen. Das befriedigt mich auf lange Sicht gesehen kreativ nicht, ich muss immer auch eigene Sachen machen. Das tue ich in unserer kleinen charmanten Firma, wo wir dann Dinge wie "Stuckrad Late Night" produzieren, oder auch im Team Bücher schreiben, mit großartigen Mitarbeitern, mit denen wir zusammen Sachen ausspinnen.
Wer’s glaubt, wird selig. Komödie, Deutschland 2012. Regie: Markus H. Rosenmüller. Mit Christian Ulmen, Marie Leuenberger, Nikolaus Paryla, Fahri Yardim, Hannelore Elsner, Simon Schwarz, Max von Thun, Lisa Maria Potthoff. Start: 17. August.

 
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