Teuflisch gut
Von Stephan Kliemstein | 29.05.2012 - 11:55
Legionen von Dämonen schießen aus der Erde. Tote stehen wieder auf. Städte brennen. Es ist ein düsteres Kapitel, das der dritte Teil der Fantasy-Reihe "Diablo" aufschlägt. Zwanzig Jahre sind vergangen, seit die großen Übel besiegt und Sanktuario von einer Hand voll Helden vor dem Untergang bewahrt wurde. Nun verschlägt es den Spieler erneut an diesen schicksalshaften Ort, wo Gerüchten zufolge ein Stern eingeschlagen sein soll - ein Omen für die Wiedergeburt des Bösen; ein Zeichen für das nahende Ende aller Tage. Kaum in der Stadt Tristam angekommen, gilt es auch schon fortlaufend Feindeswellen aus der Hölle abzuwehren und monströse Gestalten ein für allemal aus der Welt von Sanktuario zu verbannen.
Spieler können aus fünf Charakterklassen wählen und sich so einen individuellen Spielstil zurechtlegen: Hexen, Zauberer, Barbaren. Ihre Magie lässt die Erde erbeben, ihren Feinden aus der Hölle schleudern sie Feuer und Eis entgegen oder sie rufen Diener aus der Unterwelt herbei. Der "Hexendoktor" etwa bezieht seine Kräfte aus dem Reich der Schamanen, er kann Gegner verfluchen oder vergiften, während der "Mönch" mit asiatischer Kampfkunst brilliert. Besonders heimtückisch ist der "Dämonenjäger", ein leiser Attentäter, der aus der Ferne mit Pfeil und Bogen oder Wurfmessern angreift.
"Diablo 3" ist ein klassisches "Hack&Slay"-Game ("Hacken und Erschlagen"), bei dem der Spieler in schräger Draufsicht immerzu durch - offenkundig von Tolkien inspirierte - Fantasy-Dungeons pirscht, um mit Bewohnern zu sprechen und Items, also nützliche Gegenstände, einzusammeln. Dadurch gewinnt er an Erfahrung und Stärke und steigt so gleichzeitig in der Hierarchie der virtuellen Welt auf.
Schnelle Reaktionen und gute Reflexe sind gefordert, das Spielprinzip selbst beschränkt sich auf wenige Mausklicks: Um die Figur, den Avatar, an eine bestimmte Stelle zu bewegen, muss ein Punkt in der Umgebung angeklickt werden ("Click to walk"). Auch zum Attackieren eines Gegners reicht ein Klick ("Click to attack"). Es ist ein simples, aber auch effektives Konzept, das sich viele Jahre lang bewährt hat, wenngleich es mittlerweile etwas aus der Mode gekommen sein mag.
"Diablo" steht damit in einer langen Tradition solcher Titel, angefangen beim Atari-Klassiker "Gauntlet" aus dem Jahr 1985. Es ist aber nicht irgendein Videospiel. Zusammen mit "Baldur´s Gate" war es - dank schicker Optik, mystischen Labyrinthen und Kämpfen in Echtzeit - maßgeblich an der Wiederbelebung des in den 90er-Jahren zunehmend bedeutungslos geworden Genres beteiligt. Plötzlich spielten alle wieder Rollenspiele.
Noch heute zieht das wilde Geklicke in Bann - der rege Handel mit Kriegsbeute, das motivierende Belohnungssystem. Mehr noch: "Diablo 3" macht regelrecht süchtig. Primitivstes Jagen und Sammeln als ultimative Videospielerfahrung. Allein das macht den Titel so teuflisch gut.
Zudem haben die Entwickler hunderte Sammelgegenstände und Upgradestufen ins Game integriert. Gold kann gegen neue Rüstungen, Zaubergebräu und Waffen getauscht werden. Ein weiterer Fokus liegt auf dem neuen Multiplayermodus - wenn Spieler über das Internet gemeinsam auf Dämonenjagd gehen. Jederzeit dürfen sich Mitspieler Partien anschließen und wieder aussteigen, wenn man keine Zeit mehr hat. Damit folgt Entwickler Blizzard dem aktuellen Trend zum vernetzten Spielen. Den immer bedeutender werdenden Mehrspielergedanken hat man jedenfalls optimal umgesetzt. Da stört es dann kaum, dass der eigentliche Spielmechanismus durchaus betagt ist und die Grafik mit Referenzen wie "Battlefield 3" oder "Chrysis 2" nicht mithalten kann. Im Gegenteil: Das minimalistisch-klassische Prinzip von "Diablo 3" (man kann das Spiel praktisch mit zwei Maustasten beenden) hat durchaus Charme und versetzt - gerade ältere Zocker - zurück in die goldenen Zeiten des Action-Rollenspiels.
Blizzard hat das traditionelle Spieldesign wohl bewusst nicht oder nur geringfügig abgeändert, um einen möglichst fließenden Übergang von Teil 2 auf 3 zu schaffen. Das ist zweifelsfrei gelungen, auch wenn sich ein nicht unbeachtlicher Teil der "Diablo"-Community etwas mehr Fortschritt in technischer Sicht gewünscht hätte. Sei es drum. Nach nur wenigen Minuten ist der Spieler wieder Teil dieses fantastischen Universums, das in seiner packenden Erzählweise am ehesten mit "Herr der Ringe" vergleichbar ist. Sicherlich gibt es auch die ein oder andere Innovation: die Umgebung ist jetzt viel interaktiver als in den vorangegangenen Teilen, Häuserruinen stürzen effektvoll ein, Licht und Schatten sorgen für eine tolle Atmosphäre in den modrigen Kerkern. Im Grunde könnte "Diablo 3" aber auch ein Spiel aus vergangenen Tagen sein. Herrlich ist das.
Zwingend erforderlich ist jedenfalls der Battle.net-Account (vergleichbar mit Origin oder Steam). Damit einher geht die Verpflichtung zum Online-Spielen - selbst die Einzelspielerkampagne kann nur bei aktiver Internetverbindung bestritten werden. Hintergrund ist die Verbreitung illegaler Spielkopien, die dadurch unterbunden oder zumindest eingedämmt werden soll. Bei der Fangemeinde stößt so etwas naturgemäß auf großen Unmut. Doch den Erfolg von "Diablo 3" wird das kaum bremsen.
Infos zum Spiel
Diablo 3 (PC)
Entwickler: Blizzard Entertainment
Freigegeben ab 16 Jahren (USK)
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