SC-Tagebuch #5: Unterwegs im Song-Contest-Taxi
Von Maria Mackinger | 23.05.2012 - 18:46

Die „Crystal Hall“ ist wunderschön, wenn man sie denn findet. Bild: SN
Unter den 1200 Journalisten, die beim Songcontest dieses Mal im Einsatz sind, wird aber niemand aufzutreiben sein, der ein solches Erfolgserlebnis in den vergangenen Tagen feiern durfte. In Baku heißt es wie beim Lotto: "Alles ist möglich" - nur nicht, dass man dort hingebracht wird, wo man eigentlich hin möchte.
Um sich europäischen Standards zu nähern und sich der Eurovision möglichst modern zu präsentieren, hatte das aserbaidschanische Verkehrsministerium mit erstem Mai alle russischen Taxis aus dem Stadtbild verbannen lassen. Wer sich nicht daran hielt, musste 100 Manat, also rund 100 Euro Strafe zahlen. Die alten Lada wurden durch 1000 geräumige Londoner Cabs ersetzt - TX4-Modelle, die in China produziert werden und während des Song Contest großflächig mit dem Eurovisions-Logo verziert Passagiere befördern sollen. Und damit nicht genug: Am Ende des Jahres 2012 sollen 3000 solche Fahrzeuge die Stadt zieren.
Unglücklicherweise scheint man sich dabei zu sehr auf die Fahrzeuge konzentriert und die Taxifahrer vergessen zu haben. Trotz diverser aserbaidschanischer Medienberichte, wonach die "Taxler" im Vorfeld zum Song Contest Englischkurse belegten, hapert es mehr als sehr schwer an der Verständigung.
Mit einem überzeugenden Kopfnicken, das wohl so viel bedeutet wie "Crystal Hall, klarer Fall" lässt zwar noch jeder Fahrer seinen zukünftigen Gast einsteigen, sitzt man dann einmal arglos im Taxi und fährt los, ist es um die Ortskenntnisse der vorne sitzenden Herren nicht mehr so gut bestellt. Die "Crystal Hall", ein schönes Stückchen vom Zentrum der Stadt entfernt, ist immerhin nicht weniger als der Austragungsort der größten Veranstaltung, die es in Aserbaidschan wohl seit Jahrzehnten gegeben hat. Gut, die Halle gab es vor sieben Monaten noch nicht, aber sie sollte dennoch für die offizielle Song-Contest-Taxiflotte zu den Grundbegriffen zählen. Wie man aus der Sache wieder heraus kommt, so lange man sich selbst noch nicht auskennt in den doch eher unübersichtlichen Straßen? In ein anderes Taxi steigen, bringt nicht viel. Fluchen auch nicht. Gut, dass die Fahrer keine Scheu davor haben, Fußgänger nach dem Weg zu fragen, oft mehrere, wenn es sein muss. Einen Vorwurf für ihre Orientierungsligkeit kann man ihnen dennoch nicht machen, die meisten Taxifahrer sollen aus Georgien stammen und sich nur für den Song Contest in Baku aufhalten, heißt es.
Bis zum Sonntag bleibt den Journalisten also nur das Hoffen auf den Hauptgewinn. Alles ist möglich - vielleicht ja doch einmal, dass man unkompliziert ans Ziel gebracht wird.
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