Wenn Märchen wahr werden
Von Hans Adrowitzer | 18.07.2012 - 14:10
Die beiden sind einander zuvor noch nie begegnet. Wie denn auch? Lisa Zaiser ist Schülerin im Sport-BORG in Spittal, Renate Voglsang, geborene Münchenerin mit österreichischem Pass, ist gelernte Pferdewirtschaftsmeisterin und lebt in Mainburg. Österreichs großes Schwimmtalent ist mit 17 das Küken im ÖOC-Team, die Dressur-Lady mit 41 die Älteste unter 31 qualifizierten Sportlerinnen. Eine Gemeinsamkeit verbindet Lisa und Renate: Beide haben es noch nicht so richtig realisiert, dass sie beim größten Sportfest der Welt dabei sein dürfen.
Lisa Zaiser ist ein Typ, wie ihn Udo Jürgens einst besungen hat: 17 Jahr, blondes Haar! Eine intelligente junge Dame, die das Sport-BORG mit Bravour meistert. Sportkunde ist ihr Lieblingsfach, im nächsten Jahr will sie maturieren. Sie fährt gern Ski, Snowboard und mit dem Einrad, liebt Songs von Michael Jackson, bewundert Markus Rogan, Mirna Jukic und Ryan Lochte. "Lisa ist ein cooler Typ, sehr zielstrebig, und durch und durch ein Mädchen - mit allen Hochs und Tiefs", sagt ihr Trainer Ferdinand Kendi. Für London hat sich Lisa Zaiser über 200 m Lagen qualifiziert.
Renate Voglsang ist in Deutschland groß geworden, spricht ein perfektes Hochdeutsch, empfindet die österreichische Mentalität aber "angenehmer und unkomplizierter". Was sie heute noch ärgert: Dass sie in der Schule in Bad Tölz als einzige "Ausländerin" immer "Österreicherwitze" über sich ergehen lassen musste. "Was mich am meisten erzürnt hat: Ein TV-Kommentator hat bei Olympia 2004 in Athen gesagt: Jetzt startet einer aus einem Land, in dem es keine guten Reiter gibt. Ein Österreicher."
Renate Voglsang will in London beweisen, "dass wir Österreicher reiten können". Mit ihrem Hengst Fabriano, gezüchtet vom Salzburger Michael Schönleitner in Thalgau. Powerfrau Renate hat ein Pferd, von dem alle gesagt haben, "so ein komisches Vieh, aus dem wird nie was", olympiareif gemacht. Respekt!
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