Österreich | Chronik 

Österreichs schrägste Public Viewings

Von Ralf Hillebrand | 05.06.2012 - 11:58

Zwischen Hamstern und "Piefke": Wo man die Fußball-EM auf besonders kreative Art verfolgen kann.

Österreichs schrägste Public Viewings

In ganz Österreich ist zur EM wieder Public Viewing angesagt. Bild: SN



Startschuss für die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt: Ab Freitag geht die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine über die Bühne. Passend zum Beginn des Großereignisses präsentieren die SN die kreativsten österreichischen Public-Viewing-Veranstaltungen.

Starkicker in Verbindung mit tierischem Sport gibt es beim Public Viewing auf der Schneckenfarm von Andreas Gugumuck in Wien. Zeitgleich mit dem Anpfiff auf der Leinwand erfolgt auch der Startschuss für den Schnecken-Kick. Dabei werden die Tiere auf ihren Schneckenhäusern markiert - denn auf jeden Starter kann getippt werden. Dann gilt es für die Schnecken in einer Schachtel, die einem Fußballfeld nachempfunden ist, das Radieschen auf der Mittellinie zu erreichen. In die zweite Halbzeit schaffen es jene Tierchen, die besonders nahe an das Radieschen herankommen. Sieger ist, wer als Erster abbeißt. Für den richtigen Tipp gibt es nach 90 Minuten Köstlichkeiten von der Schnecke, wie etwa Schneckenkaviar oder Schneckenleber.

Vergleichbare Spezialitäten werden mit Sicherheit auch beim mondänen Public Viewing im Wiener Riesenrad serviert. Rund um die EM-Spiele kann man sich für drei Stunden einen Waggon des Wiener Wahrzeichens mieten, zwei 3D-Flatscreens und ein dreigängiges Haubenmenü inklusive. Billig ist das Spektakel allerdings nicht: Exakt 2990 Euro kostet eine Reservierung für eine maximal zehnköpfige Gruppe. Trotzdem sind zumindest einige Spiele jetzt schon gut nachgefragt: "Auf besonders großes Interesse stoßen die Partien mit Beteiligung der spanischen oder der deutschen Mannschaft", erklärt Veranstalter Gerit Hainz.

Fans der deutschen Elf werden sich im "Adria Wien" besonders wohlfühlen: In der Lokalität am Donaukanal veranstaltet Jockel Weichert, bezeichnenderweise Gründer der "Piefke Connection Austria", das "EM Piefke Public Viewing". Vor allem bei Spielen des DFB-Teams soll "eine ähnliche Stimmung aufkommen, wie bei der Fußball-WM in Deutschland", beschreibt Weichert. Passend dazu wird Berliner Currywurst gereicht. Es sind jedoch auch österreichische Fans erwünscht. Der Veranstalter mit leichtem Augenzwinkern: "Es gibt ja auch genug Österreicher, denen die deutsche Mannschaft sympathisch ist."

Einen ganz eigenen Rahmen für das Fußballgroßereignis hat die Marktgemeinde Bad Wimsbach-Neydharting im Bezirk Wels-Land gewählt: Die Eröffnungsfeier der ortseigenen Volksschule wird dazu genutzt, das WM-Schlagerspiel zwischen Spanien und Italien am 10. Juni live zu übertragen. Der Ablaufplan der Schulfeierlichkeiten liest sich dementsprechend kurios : Nur wenige Stunden vor dem Fußball-Event wird im selben Turnsaal eine kirchliche Messe zelebriert, im Rahmen derer die Schule geweiht werden soll.

Auf ein besonderes Umfeld wird auch beim Public Viewing in Kufstein Wert gelegt: Direkt auf der Festung Kufstein kann man die EM-Spiele für einen Eintrittspreis zwischen zwei und acht Euro auf einer 30 Quadratmeter großen Leinwand mitverfolgen. Auch in Tirol wird vor allem auf das deutsche Publikum gesetzt: "Die Festung Kufstein war rund 700 Jahr in bayerischen Besitz", erklärt Festungsmanager Gottfried Preindl, "da ist es doch nur legitim, wenn wir unsere Freunde aus dem Norden anfeuern." Besonders kurios: Für das Public Viewing auf der Festung werden sogar Dauerkarten verkauft. Der Preis: 30 Euro.

Seit die Krake Paul bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 annährend alle Spiele richtig vorhergesagt hat, sind "tierische Orakel" groß in Mode. Auf diesen Zug springt rund um die EM auch das "Raschhofer’s Rossbräu" in Salzburg auf. "Zwei Hamster werden in einem nachgebauten Miniatur-Fußballstadion den Ausgang der einzelnen Partien deuten", erklärt Ewald Schwaiger, Geschäftsführer des "Rossbräu Herrnau", einem der beiden Raschhofer-Wirtshäuser. In beiden Lokalitäten gibt es zudem bei jeder Roten Karte ein Seidl Bier für alle Gäste aufs Haus.

Einen Namen haben die Orakel-Hamster übrigens noch nicht. Diese sollen bis zum EM-Auftakt von den Gästen selbst bestimmt werden. Es gibt aber schon Favoriten. Schwaiger: "Harry und Sally, Bonnie und Clyde sowie Mickey und Rourke sind besonders beliebte Namen."

 
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