Österreich | Kopf des Tages 

Ute Bock feiert runden Geburtstag

Von Sn, Apa | 27.06.2012 - 08:02

Ute Bock wird am Mittwoch 70. Dass eine langjährige Erzieherin anlässlich dieses "Runden" mit Porträts und Interviewwünschen überhäuft wird, ist ungewöhnlich. Doch Frau Bock ist auch eher ungewöhnlich. Seit vielen Jahren buttert sie Gehalt bzw. Pension in Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber, was sie für Linke zur Schutzmadonna von Gestrandeten macht, für Rechte und manchen Anrainer dagegen zu einer Art Gottseibeiuns.

Ute Bock feiert runden Geburtstag

Ute Bock im Flüchtlingsheim in der Zohmanngasse in Wien. Bild: SN/APA

Geboren am 27. Juni 1942 in Linz begann sie nach der Matura in einem Heim für schwer erziehbare Sonderschüler in Biedermannsdorf zu arbeiten. Der nächste Weg führte sie nach Wien-Favoriten, in die Zohmanngasse, bis heute ein symbolträchtiger Ort für Bock-Freunde wie Gegner. Dort stand in den 70er Jahren ein Gesellenheim, Bock kümmerte sich dort zunehmend um Fälle aus schwierigen sozialen Verhältnissen. 1976 wurde sie Leiterin der Einrichtung.

Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen

In den 90er Jahren wandelte sich das vormalige Gesellenheim immer mehr in ein Quartier für junge Zuwanderer, zunächst aus dem Jugoslawien-Krieg, später auch für viele Schwarzafrikaner. Letztere Gruppe war es auch, die Bock immer wieder Probleme mit Anrainern einbrachte. 1999 dann der Tiefpunkt im Bockschen Wirken: Bei der nicht unumstrittenen Polizeiaktion "Operation Spring" wurde "die Zohmanngasse" Ziel einer Razzia, bei der etwa 30 Afrikaner unter Verdacht des Drogenhandels festgenommen wurden. Wenig später war Bock in Pension, was ihr Engagement aber nicht beendete. Ganz im Gegenteil, mit eigenen Renteneinkünften und Gaben von Sponsoren wurden Unterkünfte für obdachlose Flüchtlinge lukriert.

2008 vor dem finanziellen Aus

Die von ihren Schützlingen gerne als "Mama" betitelte Oberösterreicherin schwang sich mit ihrem Wirken schnell zu einer Art Kult-Figur auf, was beim Lukrieren von Geldern durchaus hilfreich war. Die wohl bekannteste Aktion war "Bock auf Bier", bei der in Dutzenden Wiener Lokalen ein 10-Cent-Zuschlag zugunsten der Bock-Einrichtungen eingehoben wurde. Bock selbst meint zu solchen Aktivitäten: "Ich brauch' die Reklame, und ich brauch' das Geld." Alles Bemühen vor allem der Kulturwelt hätte freilich nichts genützt, wäre nicht Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner in die Bresche gesprungen, als 2008 Bocks Verein finanziell vor dem Aus stand und die Helferin sogar mit dem Sprung aus dem Fenster drohte.

Kronenzeitung lesen im Park?

Mittlerweile läuft alles wieder in ruhigeren Bahnen ab, was die Geldsorgen angeht. Bock hat sogar ein neues Haus bekommen, das eigentlich ein altes ist. Denn ihr Verein haust nunmehr wieder in der Zohmanngasse, sehr zum Unwillen der örtlichen Freiheitlichen und vieler Anrainer. Bock werden auch die neuen Unannehmlichkeiten nicht aus der Bahn werfen. Sie wird ihren Job wohl weitermachen, an den Ruhestand denkt die Pensionistin nicht: "Was soll ich denn tun? Mich in den Park setzen, die Kronenzeitung lesen und Strumpf stricken?", meinte sie 2010 in einem "Kurier"-Interview.

 
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KOMMENTARE (1)
 

Franz Hannes Kazianka

28.06.2012
10:58 Uhr

Gäbe es doch mehr solche Persönlichkeiten. Meist sind es einfache Menschen, die tatsächliche Nächstenliebe betreiben! Meine herzlichsten Glückwünsche!

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