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Punkrocker Campino wird 50

Von Sn, Dpa | 22.06.2012 - 09:17

Campino alias Andreas Frege ist schon seit 30 Jahren als Punkrocker unterwegs. Mit seiner Band Die Toten Hosen begeistert er die Fans und die neueste Single "An Tagen wie diesen" ist ein Chartstürmer. Campino ist aber keineswegs ein abgehobener Star: Er spielt gerne Konzerte in den Wohnzimmern seiner Fans. Dass er jetzt 50 wird, nimmt er gelassen.

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Der Frontman der Toten Hosen, genannt Campino, wird am Freitag 50. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Der Frontman der Toten Hosen, genannt Campino, wird am Freitag 50.

Die 30 Jahre als Punkrocker sieht man ihm nicht an. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Die 30 Jahre als Punkrocker sieht man ihm nicht an.

Campino stammt eigentlich aus einer Juristenfamilie. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Campino stammt eigentlich aus einer Juristenfamilie.

Doch der „Marathon-Mann“ gibt lieber Rockkonzerte in den Wohnzimmern seiner Fans.<?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Doch der „Marathon-Mann“ gibt lieber Rockkonzerte in den Wohnzimmern seiner Fans.

Derzeit tourt er wieder mit den Toten Hosen. <?Uni SchriftArt="Frutiger LT Cn" SchriftStil="0" SchriftGroesse="6dp"?> Bild: SN

Derzeit tourt er wieder mit den Toten Hosen.


Er springt mit nacktem Oberkörper in die Massen, lässt sich auf Händen zu einem Scheinwerferturm tragen, klettert den Turm empor und zündet einen Bengalo-Feuerwerkskörper. Campino alias Andreas Frege, Frontmann der Toten Hosen, ist ein Phänomen, sein gertenschlanker Körper schier unverwüstlich. 30 Jahre Punkrock in den Knochen, viele Jahre davon als rauschende Drogenparty, scheinen abgeperlt. Am kommenden Freitag wird er 50 Jahre alt. Am Tag davor und am Tag danach steht er in Wien und in Düsseldorf auf der Bühne. Dazwischen feiert er seinen Geburtstag. Der einstige Bürgerschreck spult derzeit ein fast unheimliches Pensum ab.

Mit seiner Band stellt er gerade die eigenen Rekorde in den Schatten, stürmt in drei Ländern gleichzeitig die Chartspitze. Das Stück "Tage wie diese" schallt als Hymne durch die Fußballstadien. Für die Tournee im Herbst waren schon nach einem Tag 125 000 Tickets verkauft.

Konzert im Wohnzimmer

Es sind diese kleinen Gesten, deretwegen Campino von seiner Fangemeinde geliebt und verehrt wird. Etwa jene vor wenigen Tagen, als die Fans schon nachts um Tickets anstanden für ein Akustik-Konzert der Hosen in der ehrwürdigen Düsseldorfer Tonhalle. Plötzlich hält ein Bus, Campino und Konsorten springen heraus und geben auf dem Bürgersteig ein Konzert vor dem Konzert - für die Warteschlange.

Oder die Idee, wieder wie früher ohne Gage zu einer Tournee durch private Wohnzimmer aufzubrechen, im Partykeller von Ex-Fußballstar Jens Jeremies in München das Anti-FC Bayern-Lied anzustimmen. Basisarbeit nach Campinos Ausflügen in die Hochkultur, bei denen jede Menge neue Anekdoten herausspringen.

Rocken bis zur Erschöpfung

Das Unternehmen Tote Hosen ist generalstabsmäßig geplant. Die Auftritte werden bis zur Erschöpfung zelebriert und anschließend selbstkritisch seziert. Vor der Album-Präsentation ("Ballast der Republik") in Köln lässt sich der Sänger mit Cortison fitspritzen, weil die Stimme futsch ist. Statt Kokain und Speed zu konsumieren, lasst er sich von einem Physiotherapeuten behandeln. Der selbst erzeugte Lärm hat ihn schwerhörig gemacht: egal. Sehnenentzündungen, Kreuzbandriss, angerissene Stimmbänder: vergessen.

Er hat mit Wim Wenders und Klaus Maria Brandauer zusammengearbeitet für Film und Theaterbühne. In der ARD-Sendereihe "Deutschland, deine Künstler" war dem Punkrocker eine Folge gewidmet neben Christoph Schlingensief und Kurt Masur. Die ZDF-Zuschauer wählten Campino einst zu einem der größten Deutschen vor Friedrich Schiller.

Campino der Marathon-Man

Dass er aus einer renommierten Juristenfamilie stammt, hat der Punkrocker lange verschwiegen. Sein Opa war Präsident des Bundesverwaltungsgerichts, der Vater Richter am Oberverwaltungsgericht und der Bruder ist einer der renommiertesten Insolvenzrechtler des Landes. Rührt daher die preußische Disziplin, mit der Campino seit 30 Jahren seinen rauen persönlichen Gegenentwurf präsentiert?

"Marathon-Mann" nannte ihn der "Spiegel". Was immer auch kommt, Campino ist präpariert. Den aufkommenden Fragen nach dem Alter haben sie schon vor zehn Jahren in dem Lied "Graue Panther" den Wind aus den Segeln genommen.

Er fühle sich schon seit vielen Jahren wie 50. "So trickse ich mich aus", sagt er. Wenn der offizielle Stempel komme, denke er, das Gefühl habe er schon seit fünf Jahren. Alter sei ohnehin eine Sache der Betrachtung: "Man kann sich bedauern, dass man so und so alt ist. Man kann aber auch sagen: Wow, ich bin immer noch hier und viele andere sind früher rausgeflogen und haben sich dickere Beulen geholt."

 
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