Milton Friedman wäre 100 geworden
Von Sn, Dpa | 31.07.2012 - 08:37

Milton Friedmann wäre am Dienstag 100 Jahre geworden. Bild: SN/WiCo
Er wurde angefeindet oder gefeiert - und gilt neben dem Briten John Maynard Keynes als einer der einflussreichsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts. Der Einfluss seiner monetaristischen Lehre auf die Geldpolitik der Notenbanken weltweit hat zwar längst nachgelassen. In der Debatte um mehr Markt oder mehr Staat haben sich seine Ideen aber verewigt - auch knapp sechs Jahre nach seinem Tod - und 36 Jahre nach dem Gewinn des Nobelpreises. An diesem Dienstag (31. Juli) wäre Milton Friedman 100 Jahre alt geworden.
Kontrapunkt zur "keynesianischen Revolution"
Friedmans bleibende Rolle in der Ökonomie ist die des großen Gegenspielers, der der bis in die 70er Jahre in Amerika und Deutschland wirksamen "keynesianischen Revolution" einen Kontrapunkt entgegensetzte. Keynes gilt als Stammvater der Idee, dass der Staat vor allem in wirtschaftlichen Schwächephasen gefragt ist, um die Wirtschaft anzukurbeln, notfalls auch mit Schulden, der Notenpresse und auf Kosten höherer Inflation."Keynes spielte die Rolle von Martin Luther", schrieb der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman, ein überzeugter Neo-Keynesianer, wenige Monate nach Friedmans Tod. "Und wenn Keynes Luther war, dann war Friedman Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens", also jener papsttreue Spanier, der eine wichtige Rolle bei der Gegenreformation spielte.
Übersetzt auf die Ökonomie: Friedman und seine "Chicagoer Schule" brachte die Idee des "freien Marktes" wieder zurück in die Debatte - und in die praktische Politik: Er gilt als Pate von "Reagonomics" und "Thatcherism", die am Ende der 70er Jahre eine rigide Rückkehr zu marktliberaler Politik versprachen. Etliche Folgen sind bis heute sichtbar: Ob es um Privatisierung von Staatsbetrieben geht, um Freihandel, Marktlöhne oder um Deregulierung, "die Welt hat sich weit in Friedmans Richtung bewegt", bilanziert Krugman. "Und wenn man sich die Reformen in der Eurozone anschaut, zum Beispiel beim Aufbrechen der Arbeitsmärkte", urteilt Unicredit-Chefvolkswirt Andreas Rees. "Da ist Friedman aktueller denn je."
Theorie zur Inflation
Deutlich abstrakter als die Kontroverse "Markt gegen Staat" ist der Monetarismus, als deren Urheber Friedman großen Einfluss auf die Notenbanken hatte. Dessen Kernthesen lauten: Inflation sei immer eine Folge einer übermäßigen Geldversorgung. Und die These, mehr Beschäftigung lasse sich mit mehr Inflation erkaufen, sei falsch. Weltweit orientierten sich Notenbanken an dieser Denkweise, die besagte: Inflation ist immer von Übel, und daher muss die in einer Volkswirtschaft zirkulierende Geldmenge im Zaum gehalten werden.Die Deutsche Bundesbank veröffentlichte sogar Jahr für Jahr ein Geldmengenziel, das sie indes relativ oft verfehlte. Die Europäische Zentralbank (EZB), seit dem Start des Euro die Hüterin auch des deutschen Geldes, orientiert sich an einer Zielmarke für die Inflation. "Die stabile Relation zwischen Geldmenge und anderen volkswirtschaftlichen Größen ist heute nicht mehr gegeben", sagt Volkswirt Rees. Das habe vor allem mit den enormen Veränderungen an den weltweiten Finanzmärkten zu tun. Dennoch achtet die EZB nach wie vor mehr auf die Entwicklung der Geldmenge als viele andere Währungshüter wie etwa die US-Notenbank Fed.
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