Kopf des Tages

Isabel Allende wird 70

Von Sn, Dpa | 02.08.2012 - 06:00

Nach ihrem Erfolg mit "Das Geisterhaus" sprach die Hälfte ihrer Familie nicht mehr mit der Autorin Isabel Allende. Denn sie hatte die Geschichte ihrer Verwandten auf Papier gebracht. Diese ist eine sehr spannende: Ihr Onkel zweiten Grades war in Chile Präsident und wurde vom Militär gestürzt, woraufhin Allende ins Exil flüchten musste. Dort entstanden auch viele ihre Bücher. Am Donnerstag wird sie 70 Jahre alt.

Isabel Allende wird 70

Die Autorin Isabel Allende hat am Donnerstag Geburtstag. Bild: SN/Wico

Schon ihr erster Roman machte die Frau aus Chile weltberühmt. 1982 veröffentlichte die Journalistin Isabel Allende in Spanien die Familiensaga "La Casa de los Espíritus" (Das Geisterhaus, dt. 1984) und hatte damit einen unglaublichen Erfolg. Zahlreiche weitere Bücher folgten und machten sie zur meistverkauften Autorin Lateinamerikas. Am Donnerstag wird Allende 70 Jahre alt.

Bevor Isabel Allende mit 40 ihr Romandebüt gab, hatte sie sich in Chile unter anderem als Fernsehjournalistin einen Namen gemacht und gemeinsam mit anderen Frauenrechtlerinnen die feministische Zeitschrift "Paula" gegründet. Das war die Zeit, als Salvador Allende, ihr Onkel zweiten Grades, zum chilenischen Präsidenten aufstieg. Als dieser 1973 von den Militärs unter Augusto Pinochet gestürzt wurde, fand Isabel Allende in Chile keine Arbeit mehr. Sie ging 1975 mit ihrer Familie ins Exil nach Venezuela, arbeitete dort als freie Journalistin und unterrichtete Literatur.

Dann begann Allende nachts am Küchentisch in Caracas einen imaginären Brief an ihren verstorbenen Großvater zu schreiben. Der wurde lang und länger, und schließlich wurde daraus das Manuskript für das "Geisterhaus". Der mit Elementen des Magischen Realismus gespickte Roman erzählt die Geschichte der Familie Trueba von den 1920er Jahren bis zum Militärputsch. Hinter den Romanfiguren verbargen sich meist Angehörige von Allendes weitverzweigter Familie - was diese aber nicht unbedingt guthießen. Die Hälfte ihrer Familie habe nachher nicht mehr mit ihr gesprochen, bekannte Allende einmal. 1993 wurde das "Geisterhaus" mit hochkarätiger Besetzung verfilmt.

Nach dem Riesenerfolg schrieb Allende "Von Liebe und Schatten" (1984, dt. 1986), einen Roman, der in Chile unter der Militärdiktatur spielte. Zu ihren bekanntesten Werken zählen außerdem "Eva Luna" (1988), "Porträt in Sepia" (2001) und "Ines meines Herzens" (2007). Ein sehr persönliches Bekenntnisbuch ist "Paula" (1992, dt.1995), in dem Allende einen Schicksalschlag verarbeitet: Ihre 1963 geborene Tochter gleichen Namens war mit nur 28 Jahren an einer seltenen Stoffwechselkrankheit gestorben. Im August erscheint bei Suhrkamp ihr neuester Roman "Mayas Tagebuch", die Geschichte einer jungen Frau, die aus dem nordamerikanischen Drogenmilieu auf eine südchilenische Insel flieht.

Schon seit 1988 lebt Isabel Allende in Kalifornien, wo sie ihren jetzigen Ehemann kennengelernt hatte. Trotz ihres literarischen Erfolges ist ihre Qualität als Schriftstellerin umstritten. Kollegen warfen ihr beispielsweise vor, den Magischen Realismus eines Gabriel García Márquez imitiert zu haben. Als sie 2010 den chilenischen Nationalpreis für Literatur erhielt, lästerten die Intellektuellen, sie schreibe eher Bestseller als gute Literatur. "Die chilenischen Autoren haben es nie verziehen, dass sie nicht so viel Geld verdienen. Da ist unendlich viel Neid im Spiel", sagt die Hispanistin Michi Strausfeld, die 1982 in Barcelona als Suhrkamp-Beauftragte das "Geisterhaus" für den deutschen Markt entdeckt hatte.

Weltweit hat die Jubilarin rund 57 Millionen Bücher in 35 Sprachen verkauft. Besonders erfolgreich war sie von Anfang an in Deutschland. Allein die deutsche Ausgabe des "Geisterhauses" verkaufte sich 3,5 Millionen mal. "Die Deutschen sind sehr sentimental, und deshalb mögen sie meine Erzählungen", sagte Allende bei einem Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse 1986.

 
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