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Kopf des Tages

Ariel Muzicant - Mahner gegen Rechts

Von Apa | Aktualisiert vor 107 Tagen

Ariel Muzicant hätte eigentlich noch anderes zu tun. Als unermüdlicher Mahner gegen rechtsextreme Tendenzen gerät der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) nicht selten in die Schlagzeilen. Dabei hat der Immobilien-Unternehmer noch einen "Flohzirkus" zusammenzuhalten, wie er seine höchst heterogene jüdische Gemeinde liebevoll bezeichnet. Muzicant, der am 12. Februar 60 Jahre alt wird, tritt bei den IKG-Wahlen im November nicht mehr an.

Ariel Muzicant wird kommenden Sonntag 60 Jahre alt. Bild: SN/APA

Zuletzt waren es die Demonstrationen gegen den Ball des Wiener Korporationsringes, deren Stimme Muzicant mehr oder weniger gewollt geworden war. Es war nicht das erste Mal, dass der wortgewaltige und mitunter sehr emotionale IKG-Präsident das Wort ergriff. Er beobachtet das politische Geschehen genau, kommentiert aber längst nicht alles. Wenn doch, lässt er an Deutlichkeit nichts vermissen. Weder "Kellernazis", noch antisemitische Strömungen bei Muslime-Vertretern entgehen ihm. Untergriffige Attacken, wie etwa einst durch Jörg Haider, sind oft die Folge.
Dabei hat sich Muzicant ohnehin nicht gerade wenig Arbeit aufgehalst. Zusätzlich zu seinem Brotberuf arbeitet er 15 Stunden in der Woche ehrenamtlich für die IKG. Dabei hat er es geschafft, orthodoxe wie liberale Mitglieder anzusprechen, weshalb seine Liste Atid (hebräisch: Zukunft, Anm.) bei den Vorstandswahlen regelmäßig die meisten Stimmen erhielt. Wie keiner seiner Vorgänger hat er die IKG politisch vertreten und ihr eine gewichtige Stimme verschafft. Etwa in der Diskussion um die Erhaltung jüdischer Friedhöfe. Ganz nebenbei hat er die IKG entschuldet.
Auch Regierungskritik äußert Muzicant offen, vor allem wenn es um halbherzige Lösungen für seine Gemeinde geht. Engagement beweist er bei sozialen Themen wie Einwanderung, Asyl und Integration. Im interreligiösen Dialog reichen ihm oft schon kleine Zeichen. So lobte er es ausdrücklich, als Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der IKG das Holocaust-Mahnmal am Wiener Judenplatz besuchte. Für Muslime fordert er Freiheit für Religionsausübung, will mit diesen aber auch über Differenzen sprechen können.
In Muzicants erste Amtszeit fielen die für die Gemeinde so wichtigen Entschädigungsverhandlungen mit dem Bund und den Bundesländern auf der einen und Opfer-Anwälten sowie den USA auf der anderen Seite. Muzicant trat dabei als harter Verhandler auf - was ihn aber auch zum Ziel politischer Angriffe machte wie jenem des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, der Muzicant mit dem damals heftig kritisierten "Ariel"-Sager über Wochen in die nationalen, aber auch internationalen Schlagzeilen brachte. Nun scheinen sich die antisemitischen Töne - ob unterschwellig oder ganz direkt - etwas zurückgenommen zu haben.
Ariel Muzicant wurde am 12. Februar 1952 in Haifa (Israel) geboren und lebt seit 1956 in Wien.



 

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