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Schwerelos
13. September 2005
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| Trotz kühler Wasser- temperaturen
ein Erlebnis sondergleichen Bild:
SN/wodicka |
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Von Druckausgleich, muskelgestählten Tauchlehrern
und Drachenkopffischen: FRITZ-Mitarbeiterin Kathrin
ging auf Tauchstation.
Seit zwei Jahren will ich nichts anderes als endlich
wieder dem Newtonschen Gesetz der Schwerkraft entfliehen
und in die Schwerelosigkeit und Ruhe der Unterwasserwelt
eintauchen. Endlich habe ich es mal wieder ans Meer
geschafft und habe mich auch sofort auf den Weg zur
Tauchbasis im Hotel gemacht. Spätestens angesichts
der drei braungebrannten Tauchlehrer hätte ich
mich vor Motivation überschlagen können. Die
drei Herren beeilten sich dann auch mir aufs eifrigste
zu versichern, dass es gar nichts machen würde,
dass ich seit meinem Tauchkurs vor zwei Jahren nicht
mehr getaucht sei und dass es auch nichts ausmache,
dass ich bisher nur Tiefen von ein paar Metern erreicht
hatte - sie würden sich schon um mich kümmern!
Bis auf den letzten Punkt waren das glatte Lügen,
aber das wusste ich ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht!
Der Tauchgang am nächsten Tag war dann, von meinem
Standpunkt aus gesehen, ein mittleres Desaster. Ich
kam mir vor wie der erste tauchende Mensch (die Kenntnisse
aus meinem Kurs waren fast genauso flüchtig wie
die Luftblasen meiner Atemluft), meine Ohren wollten
partout keinen Druckausgleich mitmachen und ohne die
Hilfe des Tauchlehrers wäre noch viel mehr schief
gegangen.
Also nix war´s mit der Ruhe und der Schwerelosigkeit.
Nur Stress pur. Und am nächsten Tag sollte ich
einen Muskelkater an allen möglichen und unmöglichen
Stellen meines Körpers haben!
Wieder an Land fragte ich mich, warum ich vor zwei
Jahren so begeistert war, von der damals gerade neu
entdeckten Sportart? Ich war aber eigentlich zu erschöpft,
um mich ernsthaft mit diesem Thema zu beschäftigen!
Denn auch wenn man sich das kaum vorstellen kann, Tauchen
ist wie jeder andere Sport anstrengend!
Eigentlich wollte ich damit meine Tauchkarriere wieder
beenden, aber dann meinte mein Tauchlehrer mit einem
entwaffnenden Lächeln, dass sei ja ganz gut gegangen
(dass ich nicht lache) und ob ich nicht noch bei einem
Bootstauchgang kommende Woche mitmachen möchte.
Eigentlich wollte ich ja nein sagen, aber gegen dieses
Lächeln und den durchtrainierten Oberkörper
war ich machtlos, also sagte ich ja.
Zwei Tage später stand ich, dieses Mal wesentlich
weniger motiviert und ziemlich nervös, wieder vor
den drei Herren mit dem breiten Grinsen und ich begann
mich zu fragen, ob die irgendwas geschluckt hatten.
Wenig später auf einem Fischerboot zusammen mit
zwölf anderen Tauchern, zwei Tauchlehrern und jeder
Menge Ausrüstung sollte meine Laune den Nullpunkt
unterschreiten. Nicht nur dass mich mein Tauchlehrer
im Stich gelassen und einem Kollegen anvertraut hatte,
eine kurze Umfrage ergab auch noch, dass die anderen
so zwischen 60 und 300 (!) Tauchgänge auf dem Buckel
hatten und ich mit meinem einem weit abgeschlagen war,
denn die Blubberei vom Kurs konnte man nicht wirklich
mitzählen, soviel war mir zu diesem Zeitpunkt schon
klar.
Sehr aufbauend war auch, dass mir die anderen Taucher
erklärten, für den zweiten Tauchgang gleich
einen Bootstauchgang ausgewählt zu haben, sei milde
ausgedrückt, mutig!
Na super! Ich werde das Festland nie wieder sehen!
Aber vor einer Tauchrunde von lauter Männern klein
beigeben? Niemals!
Also die gesamte Ausrüstung angezogen, die Flossen
hochgeklappt und dem Tauchlehrer hinterher ins Meer
gesprungen! Und sofort wollte ich wieder aufs warme
Boot, denn auch wenn mir mein Tauchguide immer wieder
versichert hatte, das Wasser hätte 24 Grad - dieses
Wasser hatte maximal 20 Grad!
Aber eigentlich hatte ich nicht wirklich Zeit mich
weiter damit zu beschäftigen, denn wir begannen
schon mit dem Abstieg und drei Sekunden später
wusste ich wieder, warum ich mich damals auf der Stelle
in diesen Sport verliebt hatte: Um uns herum waren lauter
kleine bunte, sehr schön anzuschauende Fische im
azurblauen Meer und plötzlich war das alles gar
nicht mehr so kompliziert. Angesichts dieses tollen
Anblicks begannen meine Ohren erst ab einer Tiefe von
zehn Metern zu streiken. Sie waren dieses mal aber schon
ein bisserl leichter dazu zu überreden, noch weiter
runter zu gehen.
Die Welt dort unten schaffte es dann auch sofort, all
die Mühen mehr als nur zu rechtfertigen und nach
ein paar Purzelbäumen und Drehungen in der Schwerelosigkeit
bekam das Ganze endgültig seinen Fun-Faktor zurück
und die Welt, die wir in den einzelnen Höhlen zu
sehen bekamen, war die perfekte Symbiose aus Schönheit,
Farbenpracht und Abstraktheit, die einfach nur fasziniert.
Zwar blieb ich immer in sicherer Reichweite der rettenden
Flosse des Tauchlehrers - auf dessen Hilfe ich auch
dieses Mal ab und zu angewiesen war - aber ich war schlicht
und ergreifend begeistert und fast nicht mehr zu bremsen.
Beim Auftauchen in einer unterirdischen Höhle waren
alle Mühen schon fast vergessen und ich einfach
nur glücklich und hin und weg. Und bis auf die
Tatsache, dass ich vor Kälte zitterte - denn auch
wenn mir die Herren an Land immer wieder versichert
hatten, der dünnere Neoprenanzug würde leicht
reichen und das Wasser sei ja soooo warm - war es mal
wieder ein wirklich tolles Erlebnis.
Ein ausgewachsenes Exemplar eines sehr seltenen Drachenkopffisches
bildete dann nicht nur den Höhepunkt, sondern auch
einen würdigen Abschluss.
Trotz all dieser Hindernisse ist Eines ganz klar für
mich: Bei meinem nächsten Urlaub geht ohne Tauchen
nichts mehr! Denn wenn ich auch vor dem gefürchteten
Tiefenrausch verschont blieb, so hat mich doch die Sucht
nach der Tiefe erfasst!
#kathrin feichtner
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