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Null Gehör
9. November 2005
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| Aufklärung in einer blinden
Gesellschaft Bild: SN/dtv |
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Die gesellschaftlichen Probleme junger Menschen
mit Hörschädigung behandelt Autorin Elisabeth
Gänger im Buch "Soundcheck".
Einen Schriftsteller zeichnet nicht nur den
Namen, sondern hauptsächlich das von ihm gewählte
Thema, das er zu erörtern versteht, aus. Gerade
Autoren, die signifikante Lücken schließen,
welche von der (heutigen) Gesellschaft größtenteils
ausgeblendet, ignoriert oder just zu unkritisch betrachtet
werden, sind dieser Tage viel wert. Denn werden vom
Schreiber Texte über unübliche Themen (Menschen
mit Behinderung z. B.) verfasst und folgerichtig gelesen,
ist dies der erste Schritt zu einer tolerante(re)n Gesellschaft
- der beste Weg also, Aufklärung funktionieren
zu lassen.
Das Ergebnis, die Moral, von den zuvor genannten Zeilen
ließ die mit ihrer Familie in Bremen lebenden
Autorin Elisabeth Gänger zu einem Buch werden.
Da ihre Tochter resthörig ist, war dieser Schritt,
nämlich ein Buch zu verfassen, der Beste, um die
Gedanken über ihre Tochter abzuarbeiten. Ihre Tochter
muss jedenfalls stolz auf ihre Mutter sein; die mit
der Hörschädigung einhergehenden Alltagsprobleme
der Protagonistin Cindy wurden dafür sehr gut durchleuchtet.
Die Schulsituation zum Beispiel: Cindy hat einen (zumindest
zum Teil) gemeinen Englischlehrer, der regelmäßig
eine verbale Vokabelbefragung namens "Word-Countdown"
initiiert. Dabei muss die gesamt Klasse aufstehen und
die vom Lehrer in den Raum geschmissenen Vokabel in
die jeweilige andere Sprache übersetzen. Wer ein
Vokabel weiß, darf sich setzen. Da Cindy aber
hörgeschädigt ist und der Lehrer mit seinem
Vollbart kaum verständlich spricht, führte
es immer dazu, dass sie die Letzte war, die sich setzen
durfte. Natürlich empfand sie das als eine reine
Gemeinheit.
Oder ein Halloween-Fest, das ihr auch sehr nahe ging:
Dabei wurde "Stille Post" in einem Kreis gespielt.
Anfangs im hellen Raum war es Cindy ja noch möglich,
die Wörter von den Lippen der anderen abzulesen
- als aber danach das Licht abgedreht wurde, hatte Cindy
somit eine schwere Barriere zu bewältigen. Ohne
Unterstützung ihrer Freundin Aline, deren Existenz
als Freundin Cindy immer wieder unter beweis stellen
musste, hätte es Cindy wohl nie geschafft. Außerdem
wird dem Leser nach dem Weglegen der Lektüre wieder
einmal klar, dass es Menschen auf der Welt gibt, denen
es schlechter als einem selbst geht.
Ein Buch (alleine) schützt (zwar) nicht vor Dummheit
- mit dem obligaten Mitdenken und den daraus gezogenen
Schlüssen aber schon.
#johannes rausch
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