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Vietnam über
Nymphenburg
20. November 2003
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| Zäher letzter (oder doch
nicht?) Drehtag Bild: SN/genzel |
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Set-Tagebuch #7: Am (geplanten) letzten Drehtag
schlug "Murphy's Law" unbarmherzig zu.
Heute ist der letzte Drehtag, und der findet bei Schloss
Nymphenburg statt. Wie bestellt stehe ich Punkt 0800
an der Prachthütte und suche den Rest der Gang.
Ich finde Jean-Luc, und nach einem Telefonat stellen
wir fest, daß alle anderen erst ab 9 Uhr kommen
werden. Macht gar nichts, finden wir, ist ja schließlich
der letzte Tag. Wir schlendern gelassen durch den riesigen
Schloßgarten, ohne zu ahnen, dass die Verzögerung
heute unser liebster Begleiter sein wird.
Anderthalb Stunden später: Wir fangen an zu drehen
- und hören gleich wieder auf. Da Jean-Luc und
Katharina in einer Einstellung eine weitere Strecke
zurücklegen müssen und Wiggerl mit dem Tonarm
nicht nah genug herankommt, werden Funkmikrofone benutzt.
Die müssen aber erst besorgt werden und funktionieren
dann erstmal überhaupt nicht.
Johannes ist mittlerweile auch eingetrudelt. Am Ende
der Szene taucht er kurz auf und darf ein paar Worte
äußern. Auch wenn er gegen Mittag seinen
Einsatz haben sollte, kann ihm niemand sagen, wann er
tatsächlich zum Zuge kommt. Gar nicht schlimm,
schließlich brauchen wir jemanden, der aufpasst,
dass kein souvenirsammelnder Spaziergänger unseren
Krempel klaut.
Wieder eine Stunde später kann die Einstellung
gedreht werden - es scheint voran zu gehen. Doch nur
wenig später suchen wir Zuflucht unter den Bäumen,
weil sich ein Regenguss dafür entscheidet, die
Dreharbeiten ein wenig stören zu wollen. Seufzend
decken wir schnell das Equipment mit Jacken ab und warten
bedröppelt eine weitere halbe Stunde.
Eigentlich könnten wir ja auch Mittagspause machen,
kommt da die brilliante Idee auf. Ach ja, und das Aufnahmegerät
muss ja jetzt eh erstmal weg, weil die Menschen von
Videomobil den Kasten für eine Stunde brauchen.
Eine halbe Stunde hinfahren, eine Stunde dortlassen,
zurück - das reicht locker für viel Pizza
und einen ausgedehnten Mittagsschlaf. Johannes löst
einstweilen Kreuzworträtsel, um der Langeweile
entgegenzuwirken.
Da war doch noch was? Ach ja, wir wollten ja auch noch
filmen. Schon um drei ist das Aufnahmegerät wieder
an Ort und Stelle, der Regen hat sich verzogen, und
wir legen hochmotiviert los. Murphy's Law braucht natürlich
nicht lange, um sich einen neuen Geniestreich auszudenken.
Auf einmal zieht ein Hubschrauber in nicht all zu weiter
Ferne seine Kreise, was für aufregende Klangkulisse
sorgt. Wiggerl zieht ein wenig begeistertes Gesicht
und meint, "Die Szene können wir höchstens
in Apocalypse Now verwenden."
Weil die Produktion sich keine Boden-Luft-Raketen leisten
kann, wird zähneknirschend abgewartet, bis sich
der Heli-Held nach einer dreiviertel Stunde verzogen
hat. "Ich bewundere deine Ruhe," sage ich
zu Eisha, die den größten Widrigkeiten stets
gelassen begegnet. "Was meinst du?", fragt
sie. "Deine Ruhe oder deine Gelassenheit, eins
von beiden," ergänze ich. Sie zuckt mit den
Schultern und lächelt. "If you can't control
things, you can't control them."
Es ist vier oder fünf, als Johannes endlich spielen
darf. He's a good sport, wie der Engländer sagen
würde - vormittags bestellt, nur um dann sechs
Stunden herumzusitzen, bis sein Part gedreht wird. Und
dafür darf er sich dann auch noch blöde Sprüche
von mir anhören, denn wer den Schaden hat, spottet
ja bekanntlich jeder Beschreibung. Aber Johannes nimmt
alles gelassen, bleibt verständnisvoll. Ein echter
Profi.
Wir werden übrigens nicht fertig - die Sonne geht
langsam unter, das Licht wird schlecht, und die Steadicam-Aufnahme
von Jean-Luc, der über Fotografie referieren soll,
kann nicht mehr gemacht werden. Oh, und eigentlich wollten
wir ja noch Szenen mit den Dreien im Auto drehen. Bei
Tageslicht, versteht sich.
Okay, wer hat also wann Zeit? Wir einigen uns auf Samstag
vormittag und haben gelernt, daß nach dem letzten
Drehtag immer noch ein allerletzter kommt.
#christian genzel
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