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Rennen gegen die
Zeit
5. November 2003
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| Die Ausstatter haben ganze (Designer-)Arbeit
geleistet Bild: SN/genzel |
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Von einem zu Bernies Apartment umgebauten Fotostudio,
lauwarmem China-Futter und Problemen mit der untergehenden
Sonne.
Sonntag früh, Kunstpark Ost: Ein leichtes Déjà-Vu
überkommt mich, als ich an den Diskotheken vorbeistapfe,
die bedröhnten heraustorkelnden Zombies ignorierend,
und das Loft suche, in dem wir heute drehen werden.
Es scheint eine kleine Ewigkeit her zu sein, daß
wir auf eben diesem Gelände unseren ersten Drehtag
begonnen haben. Nach kurzem Telefonat finde ich das
Set in einem Gebäude, welches rein äußerlich
mit dem Begriff "Bruchbude" am ehesten umschrieben
wäre.
In dem Komplex befindet sich ein Fotostudio, das seit
gestern von unseren Ausstattern Patricia und John (oder
Sean?) zu Bernies Apartment umfunktioniert wurde. Die
beiden haben bis in die Nacht hinein gearbeitet und
fast nicht geschlafen, aber das Ergebnis rechtfertigt
die Übermüdung: Nicht wenige Mitglieder der
Crew sind erstaunt, daß ihre eigenen Apartments
nicht so gut aussehen wie dieses "falsche".
An Kühlschrank, Tische, Sofas, Stereoanlage und
sogar an herumliegende Bücher wurde gedacht.
In einer Pause später am Tag rede ich mit John/Sean
(von dem ich zwar weiß, daß er aus Neuseeland
kommt, nicht aber, wie er richtig heißt) über
das Setdesign. Er erzählt mir, daß er doch
ein wenig stolz ist auf das, was er und Patricia da
aus dem Boden gestampft haben - völlig zu Recht,
wie ich ihm versichere. Ein merkwürdiges Gefühl
sei es aber, über einen Tag lang an einem Set gearbeitet
zu haben, über kleinste Details wie die Platzierung
der Bücher zu diskutieren, und dann am nächsten
Tag andere Leute das Set betreten zu lassen - ein wenig,
als würde man sein Kind zum ersten Schultag bringen.
Ich kann Sean/John/wieauchimmer gut verstehen.
Es dauert heute ewig, bis wir anfangen können
zu drehen, und keiner weiß so recht, warum. Die
Szene, die zuerst gedreht wird, ist allerdings auch
eher schwierig und Eisha spricht lange die einzelnen
Feinheiten des Textes mit den Schauspielern durch. Wieder
und wieder fangen wir von vorne an, quälen uns
mühsam durch die verschiedenen Einstellungen. Da
in der Szene geraucht wird, droht Johannes und Jean-Luc
schwärzester Lungenkrebs, während sich die
angerauchten Zigarillos dutzendfach im überfüllten
Aschenbecher sammeln.
Die Mittagspause wird immer weiter nach hinten verschoben,
irgendwann um drei wird dann halbkaltes Chinafutter
eingeworfen, während Aufnahmeleiter Sebastian mit
besorgter Miene seine Kreise zieht. Da am Nachmittag
noch zwei Szenen anstehen, ist es fraglich, ob wir heute
fertig werden, schließlich wird die Sonne, die
durch das Loftfenster scheint, nicht ewig auf uns warten.
Erstaunlicherweise läuft die nächste Szene
schnell und gut, in ein paar Takes ist alles im Kasten.
Dafür ist die letzte Szene lang und intensiv, und
das Licht wird schon trübe. Bartek baut Scheinwerfer
auf, die in etwa das Sonnenlicht simulieren, und Johannes
und Jean-Luc spielen so konzentriert, daß keine
Einstellung mehr als zwei Takes braucht. Das Rennen
gegen die Zeit resultiert allerdings darin, daß
die letzten paar Versuche gedreht werden, nachdem die
Sonne schon komplett untergegangen ist. Ob das mal nicht
auffällt im fertigen Film ...
Irgendwann ist auch das geschafft, und der nette Mensch
namens Dave, der sich heute um den Ton kümmert,
nimmt noch eine 60-Sekunden-Raum-Atmo auf, um den "Raumklang"
einzufangen. Daß Patrick nach schon 50 Sekunden
mit lautstarkem Gesang "Ein Prosit auf die Gemütlichkeit"
anstimmt (und allerseits böse Blicke erntet), fällt
bei einem Tag wie heute schon gar nicht mehr ins Gewicht.
#christian genzel
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