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Oktoberfest-Exkursion:
Tag 1
2. Oktober 2003
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| Jean-Luc an der Low-Budget-Cam
Bild: SN/genzel |
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Für die nächsten beiden Tage steht nicht
der "Tourist", sondern die Produktion von
Jean-Lucs Kurzfilm "The Fest" auf dem Plan.
Donnerstag früh: Nach ewigem Stau auf dem Mittleren
Ring treffe ich Jean-Luc bei ihm zuhause in Puchheim,
einem kleinen Kaff westlich von München - beim
Filmemachen kommt man herum. Sein Kurzfilm "The
Fest" soll in einer Art Guerilla-Aktion auf dem
Oktoberfest gedreht werden.
Ich treffe Doug Williamson, der das Skript zusammen
mit Jean-Luc geschrieben hat und die Hauptfigur Dogg
spielt, und Yuki Iwamoto, der im Film als Dougs Kumpel
Tak auftritt. Die Story handelt von zwei Freunden, die
nach München reisen und das Oktoberfest besuchen.
Dummerweise ist Dogg Alkoholiker, weshalb Tak versucht,
ihn davon abzuhalten, Bier zu trinken - kein leichtes
Unterfangen, wenn man im Bierzelt feiert.
Obwohl Jean-Luc sich eine Drehgenehmigung beschafft
hat (unter dem Vorwand, einen Dokumentarfilm drehen
zu wollen), ist es beinahe unmöglich, mit einem
großen Filmteam auf der Wiesn zu arbeiten. Unsere
Gruppe ist deswegen auf vier Leute beschränkt;
Jean-Luc macht Regie und Kamera in Personalunion.
In einem Puchheimer Hotel drehen wir eine gute Stunde
lang die Anreise der beiden Helden - abgesprochen mit
der Hoteldirektion, die uns völlig vertraut und
gar nicht überprüft, was wir da eigentlich
machen. "We could have shot gay porn in there,"
schmunzelt Jean-Luc. Wir lernen, daß einfache
Hotelbadezimmer nicht für vierköpfige Teams
geschaffen sind, aber zur Not kann man die Continuity
ja auch von der Duschkabine aus überprüfen.
Mit der S-Bahn fahren wir zur Theresienwiese und suchen
dort das Löwenbräuzelt auf. Es ist noch Vormittag,
weshalb die meisten Bänke unbesetzt sind - was
bedeutet, daß wir warten müssen, bis mehr
Gäste auftauchen, damit das Fest im Film dann gut
besucht aussieht. Die Zeit wird aber genutzt, um hochmotivierte
Darsteller zu finden, die bereit sind, die kleinen Nebenrollen
auszufüllen. Die im Skript auftauchende Gruppe
Italiener ist schnell gefunden, und nach einem kurzen
Gespräch sind die Jungs auch einverstanden, mitzumachen.
Schon um elf Uhr vormittags sehen die Burschen denn
auch schon derart alkoholbenebelt aus, daß wir
flugs einige Nahaufnahmen schießen können.
Kurz nach zwölf verstärkt sich unser Team
noch um zwei Leute: Micha, ein Freund von Doug, und
Sabrina, die beim "Tourist" für die Maske
verantwortlich ist. Micha ist hauptsächlich damit
beschäftigt, auf unsere Taschen aufzupassen, während
Sabrina im bayrischen Trachtendirndl erscheint und eine
Kellnerin spielt. Die Italiener verlieben sich prompt
in Sabrina (oder in ihr tiefes Dekolleté), während
zahllose andere Besucher bei ihr Bier bestellen wollen.
Die Italiener verabschieden sich bald, und wir stellen
entgeistert fest, daß wir die Burschen eigentlich
noch für einige Einstellungen gebraucht hätten.
Zusammen mit Jean-Luc gehe ich das Skript durch, um
einen Überblick zu bewahren, was noch gedreht werden
muß. Wir filmen diverse Nahaufnahmen und Szenen,
in denen nur Dogg und Tak zu sehen sind, und gerade
zu dem Zeitpunkt, wo wir uns resigniert Alternativen
überlegt haben, wie wir die italienische Meute
im Skript ändern können, tauchen die vier
wieder auf - schwer alkoholgeschwängert und reichlich
unmotiviert. Irgendwie bringen wir sie doch dazu, mit
Tak anzustoßen und für eine spätere
Szene begeistert seinen Namen zu rufen ("Tak! Tak!
Tak!"). Daß einer der Italiener dabei eine
Miene zieht, als wolle er bei einer übelgelaunten
schwedischen Metalband einsteigen, und sein Kumpel mit
neblig-perplexem Blick aufschreckt, weil die anderen
drei urplötzlich "Tak!" murmeln, nehmen
wir zähneknirschend in Kauf.
Die amerikanischen Collegestudenten, die im Skript
auftauchen, sind problemloser. Eine Gruppe Australier
ist begeistert, daß sie mitmachen dürfen,
und zeigen sogar Geduld, weil sie diverse Einstellungen
öfters wiederholen müssen. Weil sich einer
der Kollegen bei einer Nahaufnahme zuviel bewegt, erklärt
ihm Jean-Luc, daß er möglichst stillhalten
soll, woraufhin der gute Mann nicht einmal mehr die
Gesichtsmuskeln rührt.
Am Abend ist Micha selbst dann auch schon etwas angezwitschert
und kauft sich einen kleinen Stoffhund, den er fürsorglich
im Arm hält. Wir brechen ab, als es schon dunkel
wird, und machen uns auf den Heimweg, nachdem wir wie
brave Touristen noch Erinnerungsphotos gemacht haben.
Bei Jean-Luc daheim gönnen wir uns noch eine Pizza
und sehen uns die Aufnahmen zusammen mit seiner Tochter
Anika an, die von ihrem Vater gewarnt wird: "This
is where you'll find out that your daddy isn't that
awesome." Es stellt sich aber heraus, daß
das Material definitiv brauchbar ist. Zufrieden und
komplett geschafft gehen wir schlafen.
zur STORY: Oktoberfest-Exkursion:
Tag 2
#christian genzel
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