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Die Hotel-Tour
24. September 2003
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| Hauptdarsteller Jean-Luc Julien
(links) und Johannes Raspe Bild:
SN/genzel |
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Ich stehe am 2. Drehtag schon um 8 Uhr früh
vor dem Hotel "Deutsche Eiche" - eigentlich
viel zu früh, ich hatte aber dummerweise eingeplant,
dass ich mich ausgiebigst verfahre.
Danach erfahre ich von Patrick, daß Eisha mit
den drei Darstellern gerade in irgendeinem Park die
Fotos schießt, die in einer späteren Szene
dann zu sehen sind. Erst gegen 10 Uhr versammelt sich
das Team vor dem Hotel, um dort weiterzumachen, wo am
Vortag abgebrochen wurde.
Diesmal ist die Vorbereitungszeit kürzer - vermutlich,
weil die Hotelfront mehr oder minder unverändert
bleibt. Nur die außen angebrachte Speisekarte
wird entfernt und durch ein dezidiert bajuwarisch gestaltetes
Menü ersetzt. Leider scheint keiner der Passanten
die schnitzelfokussierten Zettel zu bemerken.
Der Dreh der Szene verläuft verhältnismäßig
reibungslos, sieht man mal von dem Radau ab, der aus
einer nahegelegenen Wohnung unseren Frieden stört:
Ein freundlicher Mitmensch beschließt, uns an
seinem Musikglück teilhaben zu lassen und beschallt
die Szene mit "Highway to Hell". Auch wenn
uns AC/DC theoretisch gefällt, genügt ein
Blick auf die skeptische Grimasse von Tonangler Wiggerl,
um im Logbuch so manchen Take mit den Worten "noise"
zu markieren.
Nachdem ich gestern schon Darsteller Johannes Raspe
ob des Timings seines Zigarettenanzündens rügen
durfte, ist der Erbsenzähler, Verzeihung, Continuity-Profi
in mir heute damit beschäftigt, den Winkel zu beobachten,
in dem Jean-Luc sein Wörterbuch hält. Um sicherzugehen,
daß die Darsteller bei jedem Take an der gleichen
Stelle stehenbleiben, wird der Asphalt flugs mit Kreppband
markiert.
Ich scherze in den Umbaupausen ein wenig mit Jean-Luc.
Sein trockener Humor ist gewöhnungsbedürftig,
aber ganz gewiß einzigartig. Als Eisha die anderen
Darsteller zum Mittagessen vorschickt, weil sie mit
Jean-Luc noch ein paar Einstellungen drehen muß,
klopft dieser Johannes jovial auf die Schulter und brummt:
"You can go eat. I'm gonna do some REAL acting
here."
In der Mittagspause erzählt uns Jean-Luc dann
von dem Kurzfilm, den er selbst inszenieren will: "The
Fest". Er rekrutiert einige Mitarbeiter von "The
Tourist" (mich eingeschlossen), warnt uns aber:
"If you think THIS movie is low-budget, wait for
The Fest". Wir sind gespannt.
Am Nachmittag stehen dann einige Szenen in einem anderen
Hotel an, wo die Ausstatter schon den ganzen Tag lang
einen Raum hergerichtet haben. Dummerweise gibt es Probleme
mit der Drehgenehmigung, weshalb eine minimale Crew
im Hotel möglichst unauffällig dreht und die
anderen derweil den Gastgarten aufsuchen. Patrick lehnt
sich bei einem entspannten Bier zurück und zuckt
mit den Schultern: "Was soll schon passieren?"
Das Ausbleiben von Ordnungshütern und sonstigen
kleinlichen Personen beweist einmal mehr, daß
Frechheit siegt.
#christian genzel
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