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Rio-Blog 2.6
14. April 2006
Von (bürokratischen) Uni-Startschwierig-keiten
und der ersten Vorlesung - um 7.30 Uhr (!): FRITZ-Mitarbeiterin
Anita berichtet aus Rio.
So, am Montag, dem 6. März hätte also die
Uni beginnen sollen. Betonung liegt auf hätte.
Zwei Wochen lang gab’s nicht einmal einen Stundenplan
bzw. ein Verzeichnis der Kurse, die dieses Semester
belegt werden können. Im Internet fand ich dafür
die Kurse von 2004. Bringt nicht viel, vermute ich.
Zu allem Überdruss müssen meine Kollegen
Niki und Thomas und ich uns nun regulär inskribieren,
da sich die Professoren weigern, uns einfach so studieren
zu lassen. Sowas. Tsts. Wieder ein Haufen Papierkram,
vor allem deshalb blöd, weil natürlich keiner
von uns daran gedacht hat, Kopien von Studienbescheinigung
und Inskriptionsbestätigung mit nach Brasilien
zu nehmen. Jaja, die liebe Bürokratie. And once
more with feeling.
Da saßen Niki und ich also im Rektorats-Büro,
nachdem wir etwa eineinhalb Stunden gewartet und gefroren
hatten (Klimaanlage, juchuu!). Dass hier alles ein
wenig länger dauert, ist ja nun keine großartige Überraschung
mehr. Das Multitasking haben die Brasilianer allerdings
auch nicht erfunden. So dauerte es eine weitere dreiviertel
Stunde bis uns Maria José die benötigten
Dokumente aufgezählt hatte (Sammelzeugnis, Brief
der Uni, ...), während sie nebenbei mit diversesten
Professoren telefonierte („Jaja, Liebes, ich
habe die beiden gerade vor mir sitzen. Hast du eine
Ahnung, ob wir ein Studienabkommen mit der Universität
Salzburg haben? Nein, Österreich, nicht Australien.“).
Inzwischen haben wir alle drei die Sachen hingeschickt
oder –getragen, haben allerdings bis jetzt (zwei
Wochen später) noch nicht einmal eine Antwort,
ob die Dokumente überhaupt angekommen sind geschweige
denn, ob die Inskription nun irgendwann vonstatten
gehen dürfte. Aber mei.
Inzwischen haben die Kurse tatsächlich begonnen.
Da mir für das Magisterstudium der Kommunikationswissenschaft
nur noch Wahlfächer fehlen, konnte ich die Kurse
frei wählen. Ich entschied mich für Fotojournalismus
und Reportage-Techniken. Hier zählt jeder Kurs
vier Stunden, weshalb ich mit zwei Fächern (acht
Wochenstunden) vermutlich mehr als genug zu tun haben
werde. Ganz abgesehen davon bin ich ja hier, um meine
Magisterarbeit zu schreiben (ähem...).
Gleich die erste Stunde war allerdings extrem witzig.
Fotojournalismus mit Dante Gastaldoni. Eine Viertelstunde
nach „Beginn“ des Unterrichts schlurfte
ein etwas ältlich aussehender Typ mit schwarzer
Sonnenbrille und orangem Polo-Shirt in die Klasse. Überraschung!
Natürlich der Professor. Zugegebenermaßen,
7.30 Uhr ist aber auch früh. Das letzte Mal stand
ich um 6.00 Uhr auf, weil ich nach Wien musste, um
ein Visum zu kriegen (man erinnere sich). Witziges
Detail am Rande: Die Journalistik-Vorlesungen und –Praktika
beginnen um 7.30 Uhr, die Post im Zentrum ist für
ihr Klientel von 12.00 bis 17.00 abkömmlich. Die
Uhrzeit ist aber vor allem deshalb fies, weil der Kurs
vier Stunden durchgehend abgehalten wird. Jedenfalls
trudelten nach und nach immer mehr Studierende ein,
die letzten kamen so um 9.36 Uhr (ja, ich habe mitgeschrieben).
Eine wirklich beeindruckende Verspätung, die vom
Prof kommentarlos zur Kenntnis genommen wurde.
Auf eines freue ich mich jedenfalls: Im Rahmen des
Kurses Fotojournalismus haben wir die Möglichkeit,
ein eigenes Projekt zu starten. Dabei können wir
eine Geschichte zu einem selbst gewählten Thema
in Bildern erzählen, einen visuellen Aufsatz sozusagen.
Mein erster Gedanke war gar nicht mal so schlecht:
Vorurteile gegenüber Brasilien, sowohl positiver
als auch negativer Natur, in Bezug zu setzen mit der
Realität. Ich denke, das ließe sich fotografisch
ganz gut umsetzen und es bliebe ein großer Spielraum,
um sich zum Beispiel speziell auf Sitten und Gebräuche
zu spezialisieren oder so. Mal sehen.
Einstweilen werde ich mich um meinen ersten portugiesischen
Bericht kümmern, den ich für den Reportage-Techniken-Kurs
verfassen sollte. Über einen fiktiven Skandal
um einen gesunkenen Öltanker vor den Kanaren,
welcher der PetroBras gehört. Spaß!
Bis denn dann,
#anita klingler
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