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Rio-Blog 2.5
25. März 2006
Von lebensgefähr-lichen Taxifahrten, einem
Haus am Hang des Corcovados und Essensproblemen:
FRITZ-Mitarbeiterin Anita berichtet aus Rio.
So, der Karneval ist vorüber, zugehen tut’s
nach wie vor. Ich bin inzwischen umgezogen, in ein
kleines Häuschen im Stadtteil Catete (sprich Katetsch
mit einem leicht angedeuteten i zum Schluss). Selbst
der Umzug war ein Erlebnis, zumindest die Taxifahrt
in mein neues Heim. Von meinen Busfahrten her war ich
ja doch bereits einiges gewöhnt, aber Taxifahrer
sind die Krönung von allem. Ich vergaß mehrmals
zu atmen, als sich das Auto einer Schar von Fußgängern
näherte, welche die Straße überqueren
wollten. In Rio rennt jeder immer und überall
einfach über die Straße, ob die Ampel rot
ist oder nicht, interessiert hier keinen. Dementsprechend
interessiert es die Autofahrer aber auch nicht, ob
da gerade jemand über die Straße geht. Sie
bremsen einfach nicht. Sie fahren auf dich zu, hupen
vielleicht ein bisschen, aber bremsen tun sie erst
im allerletzten Augenblick. Ich war also mehrmals in
Gefahr zu ersticken. Der Oberhammer war allerdings
eine Ich-schlängle-mich-jetzt-mal-kurz-zwischen-zwei-Bussen-durch-Aktion.
Da fing ich trotz der Klimaanlage an zu schwitzen (man
erinnere sich). Jedenfalls, letztendlich kam ich zwar
schwitzend und (wieder) schnaufend, aber heil in meinem
neuen Heim an. Ich wohne hier nun mit einer Spanierin,
einem Brasilianer und einem Deutschen zusammen. Wieder
so ein Multi-Kulti-Verein, gefällt mir.
Am letzten Tag vor meinem Umzug war ich mit Kita
und Fabio, einem Freund von ihr, im Haus eines anderen
Freundes, Marco, um ihren Fernseher zu holen. Ganz
schön kompliziert was? Jedenfalls besitzt Marco
ein kleines Häuschen am Hang des Corcovado, auf
dem die Christusstatue steht. Ein Traum, sage ich euch.
Die Gegend ist zwar nicht unbedingt die beste (was
die Glasscherben auf dem Gartenzaun des Nachbarn beweisen),
aber man lebt quasi wirklich im Urwald. Hinter dem
Haus führt eine bemooste Treppe zu einem Wegerl
mitten in den Busch. Überall stehen Platanen und
andere Bäume voll von Früchten, die aussehen,
als wären sie zumindest vom Mars. Kann man allerdings
alles essen. Ich hab mich bis jetzt nur noch nicht
getraut.
Das mit dem Essen ist hier sowieso ein bissl kompliziert,
zumindest als Fleisch-Verweigererin wie ich eine bin.
Jetzt ist mir auch klar, warum die Brasilianer alle
ins Fitnessstudio rennen. Was man hier auf der Straße
und in kleinen Geschäften als Imbiss verkauft
kriegt, reicht kalorienmäßig mindestens
für eine Woche. Alles ist gebacken, frittiert
oder gebraten. Und natürlich alles mit Fleisch.
Es ist absolut unmöglich irgendwo ein simples
Käsebrot zu erhaschen. Keine Chance. Dafür
gibt es überall kleine Lokale mit Comida a kilo,
wo man sich an einem Büffet bedient und dann nach
Gewicht des Essens bezahlt. Büffet-Essen wird
noch einmal mein Tod sein. Alles muss probiert werden
(nach eingehender Inspektion, ob sich nicht doch etwas
Wurst ins Essen verirrt haben könnte), mein Rekord
waren knapp 600 g. Erstaunlich, normalerweise kann
ich nicht viel essen, wenn es so heiß ist. Aber
inzwischen wird es ja langsam Herbst hier (buhuuu!),
es windet, ist bewölkt und regnet sogar immer
mal wieder (und wenn’s regnet, dann regnet’s
wie Sau!!! Auch in’s Haus nämlich.). Außerdem
hatte es die letzten Tage tatsächlich nur mehr
(!) 28° anstatt der vorwöchigen 35° Normaltemperatur.
Jaja, zu meiner Ankunft war es also beinahe kühl.
Vermutlich gibt es deshalb diese 10°-Klimaanlagen,
damit die Menschen überhaupt noch was essen. Wie
auch immer.
Apropos Essen: ratet mal, was ich letztens am Strand
von Ipanema gefunden habe. Einen toten Fugo Fisch,
auch Kugelfisch genannt. Wusste gar nicht, dass die
auch außerhalb Asiens anzutreffen sind. Hamma
wieder was gelernt, danke für die Aufmerksamkeit
und auf Wiedersehen,
#anita klingler
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