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Rio-Blog 2.4
13. März 2006
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| FRITZ-Mitarbeiterin Anita im
Karnevalsgetümmel. Bild:
SN/klingler |
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Von Samba, Sozialkritik und dem Ende des Karnevals:
FRITZ-Mitarbeiterin Anita berichtet aus Rio de Janeiro.
Aus und Vorbei mit Karneval. Gott sei’s gedankt.
Sich die ganze Zeit halbwegs zu betrinken und dazu
noch Samba zu tanzen ist ganz schön anstrengend!
Für alle, die’s noch nicht wissen - Caipirinha
kommt aus Brasilien und wird hier in rauen Mengen getrunken.
Und ich dachte, wir Tiroler hätten ein Alkoholproblem...
Außerdem gibt es hier noch Skol - und zwar überall:
Am Strand, auf der Straße, in jedem Lokal und
natürlich im Supermarkt (wer hätte damit
gerechnet).
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht
im Sambódromo war, in dem der richtig große
Karneval stattgefunden hat. Rund um die Uhr treten
dort die besten Escolas de Samba (Sambaschulen) auf.
Und wenn ich sage "rund um die Uhr", dann
meine ich rund um die Uhr. Karten sind allerdings auch
dementsprechend begehrt bzw. ziemlich teuer. Die arme
Nicola (einigen von euch vielleicht schon bekannt aus Günthers
Rio-Geschichten -
auch Studentin auf Auslandsjahr) musste
von Mitternacht bis fünf Uhr früh warten,
bis sie und ihre Gruppe endlich dran waren.
In Brasilien
dauert ja - wie im letzten Blog erwähnt erwähnt
- immer alles ein bisschen länger.
Außer
in der „Karnevalsliebe“.
Kita erzählte mir, dass man sich in der Karnevalszeit
darauf einstellen könne, einfach so von irgendjemand
wildfremden abgeknutscht zu werden. Ich glaubte ihr
nicht. Ähem, tja. Ich kann’s nun bestätigen.
Wenigstens war ich schnell genug, nach dem Namen
ebendieses Herrens zu fragen. Ugo. Der Name erinnert
mich immer an dieses kleine komische Viech aus dem
Computerspiel. Gemein, ich weiß. Jedenfalls
wollte ich eigentlich nur mit ihm reden oder so,
wie man das halt so macht, wenn man sich kennen lernt.
Da kam sein Freund an und meinte weniger reden, mehr
küssen. Glaubt mir
das jetzt irgendjemand, wenn ich sage, ich habe mich
erfolgreich gewehrt? Ich habe mich zumindest redlich
bemüht.
Insgesamt gibt es drei verschiedene Versionen von
Karnevalereignissen hier. Zum Ersten den professionellen,
oben erwähnten Karneval im Sambódromo mit
Sambaschulen, Eintrittskarten (etwa 60 Euro und aufwärts)
und einer wirklich guten Show. Mein inzwischen Ex-Mitbewohner
Bruno (bin umgezogen, doch mehr dazu demnächst . .
.) war dort und hat massenhaft Fotos gemacht. Mal schauen,
ob sich da was machen lässt, damit man sich wenigstens
eine Vorstellung machen kann.
Dann gibt es den Carnaval do Bairro in den verschiedenen
Vierteln der Stadt. Jedes Viertel hat seine blocos
(quasi Straßen-Karnevals-Umzug) und seine Gruppen.
Dabei geht am Anfang die bateria, eine Gruppe von Menschen
mit allen möglichen Versionen von Schlaginstrumenten,
die den Rhythmus vorgeben. Dahinter kommt ein mehr
oder weniger großes Auto mit Menschen drin, Menschen
drauf, Menschen davor und dahinter und natürlich
fetten Lautsprechern, einem Mikro und ein paar SängerInnen.
Zum Schluss folgt der Pöbel, je nach Alkoholgrad,
Hitzeempfinden und Müdigkeit im Watschel- oder
Sambagang.
Zur Karnevalszeit entstehen auch viele Spontanversammlungen
bzw. eben solche relativ kleinen Blocos do Bairro,
die sich manchmal über die Grenzen der Viertel
(bairros) ausdehnen und dann quasi die dritte Form
von Karneval darstellen. Eine richtig tolle Sache an
den Blocos do Bairro oder den dann größeren,
die keinen eigenen Namen haben, ist die Möglichkeit
auszudrücken, was man denkt. Es gibt massig schrille
Verkleidungen, Transvestiten und solche Geschichten,
aber oft dienen diese Umzüge auch dazu, Sozialkritik
zu üben. Ein bloco trug beispielsweise den stolzen
Namen „Que merda é essa?“ (Was ist
denn das für eine Scheiße?), bei dem ein
Mann mit einer Maske des Präsidenten Lula mitlief,
in der Hand einen Koffer mit (hoffentlich unechten)
Dollarscheinen und damit seine Kritik an der aktuellen
Regierung loswerden konnte. Die Situation ist eine
recht miese, aber darüber werde ich euch ein anderes
Mal berichten.
Viel Spaß mit den Fotos
do Carnaval do Rio de Janeiro 2006 - und erfriert
mir nicht bis zum nächsten
Mal.
#anita klingler
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