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Rio-Blog 2.3
10. März 2006
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| Anita
tummelt sich auf Rios Stränden herum. Bild:
SN/klingler |
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Von abenteuerlichen Busfahrten und nicht ganz ernst
gemeinten Verabredungen: FRITZ-Mitarbeiterin Anita
berichtet aus Rio.
Buh, ich glaube, ich brauche eine Auszeit mit in
Frieden am Strand liegen (nicht dass ich das nicht
ohnehin tue...). Diese Stadt überschwemmt einen
geradezu mit einer Welle von Eindrücken, die es
erst einmal zu verarbeiten gilt. Alles ist laut, alles
ist bunt, und für mich Kleinstadtbewohnerin aufregend
und neu.
Letztens machte ich zum ersten Mal Bekanntschaft
mit der brasilianischen Eigenart etwas auszumachen
und dann nicht einzuhalten. Im Normalfall heißt „Ich
rufe dich an“ in Brasilien „War nett mit
dir, danke. Vermutlich habe ich keine Lust, dich wiederzusehen.“ Tatsächlich
angerufen wird nur in Ausnahmefällen. Es sei denn
du bist ein halbwegs passabel aussehendes Mädel
und gibst einem Typ deine Nummer. Doch selbst dann
ist das alles nicht unbedingt ernstgemeint. Wenn’s
dich nicht interessiert dich mit jemandem zu treffen,
brauchst du ihm oder ihr nicht lang zu erklären,
dass bzw. warum es dich nicht interessiert, du rufst
einfach nicht an oder kommst einfach nicht. Einerseits
nervig, kann aber andererseits ganz praktisch sein.
Ich machte mich also wie ausgemacht auf den Weg nach
Barra, um mich am Strand mit Kita zu treffen, per ônibus
versteht sich. Ich blicke ehrlich gesagt noch nicht
so ganz durch, wie das System hier funktioniert. Zum
Teil gibt es Haltestellen (sollte man meinen!), manchmal
braucht man sich aber auch nur an irgendeine Straßenecke
zu stellen und die Hand in die Höhe zu halten.
Wie dem auch sei, ich nahm den erstbesten Bus, auf
dem irgendwas mit Barra draufstand. Dieser Bus nahm
natürlich eine andere Route als der, den ich kannte.
Wunderbares Gefühl, quer durch die Pampa zu fahren
ohne irgendeinen Tau wohin. Plötzlich fängt
der Bus oder besser gesagt irgendein Alarm im Bus an
zu piepsen. Immer lauter und lauter, zuletzt ein stetiger
Ton wie im Krankenhaus, wenn jemand stirbt. Ein noch
besseres Gefühl. Der Fahrer fängt an auf
dem Armaturenbrett herumzuklopfen, ich hab keine Ahnung
wo ich bin, der Bus fährt über eine elendig
lange Brücke, die ehrlich gesagt aussieht, als
würde sie demnächst einen Zusammenbruch erleiden.
Adrenalin pur. Jedenfalls, irgendwann sah ich die bekannte
Bushaltestelle von Barra vor mir auftauchen und stieg
mit Freuden und wegen meiner zitterigen Knie leicht
wankend aus dem Bus.
Dummerweise war Kita dann halt nicht da. Dafür
machte ich die Bekanntschaft einer netten Brasilianerin
namens Andrea mit Hund. Wir unterhielten uns eine Weile
und sie erklärte mir, wie der Telefonhase läuft.
Sie lud mich auf ein Agua de Coco (Hab noch nicht ganz
kapiert, was das genau ist. Eine Kokosnuss mit Wasser
drin, aber ob da so viel Wasser drin ist oder das jemand
hineinleert, weiß ich leider nicht.) ein. Schaut
aber auf alle Fälle ziemlich gut aus oder? Ein
Strohhalm in einem grünen Ding mit beachtlichen
Ausmaßen. Und es schmeckt wirklich toll.
Jedenfalls habe ich an diesem Nachmittag gelernt,
dass Brasilianer dazu neigen, ihre eigenen Aussagen
und die von anderen nicht immer so ganz ernst zu nehmen.
Ein super Beispiel am Rande: Andrea rief ihre Tochter
ungefähr fünf Mal an um sie zu fragen, welche
Farbe das gewünschte Kleid denn haben sollte,
nur um dann eh die Farbe zu nehmen, die ihr selbst
am besten gefiel. Jorge, der Strandverkäufer,
wartete unterdessen geduldig. Alles nicht so einfach.
Das nächste Mal: Karneval in Rio!
#anita klingler
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