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Rio-Blog 2.2
3. März 2006
Von tropisch-feuchten 32 Grad, einer netten Reisebekanntschaft
und lästigen Einreiseformalitäten: FRITZ-Mitarbeiterin
Anita berichtet aus Rio.
Wow! Ich hatte mir zwar vorgestellt, dass es zu
Anfang hart werden würde, aber heute merke ich
erst, wie sehr es schlaucht, von gemütlichen zwei
Grad plus zu extrem feuchten, also wirklich tropischen,
32 Grad plus zu wechseln. Du steigst aus dem Flugzeug
aus und rennst quasi erst mal gegen eine Wand.
Umso schlimmer ist der Marathon, den
jeder zu durchlaufen hat, um überhaupt ins Land
zu dürfen. Alles
wird doppelt und dreifach kontrolliert, Pässe,
Visa, Gepäck - und das dauert dementsprechend.
Trotzdem, gestern ging’s kreislaufmäßig
ja noch. Heute war ich mit meiner Mitbewohnerin Kita
kurz draußen, um etwas zu essen zu besorgen
und mich wegen eines Handys zu erkundigen. Großer
Fehler. Einem Kollaps nah habe ich mir jetzt erst
mal einen dreifachen Espresso mit viel Zucker und
Kreislauftropfen runtergekippt, um wieder halbwegs
unter den Lebenden zu weilen.
Im Flugzeug von Lissabon nach Rio habe
die reizende Bekanntschaft einer Portugiesin namens
Maria (hier
im Bild) gemacht. Sie ist 62
(was man ihr rein optisch nie im Leben zutrauen würde)
und gondelt seit Jahren in der Weltgeschichte rum.
Sie kam mit drei Jahren nach Uruguay, lernte dort auch
ihren (inzwischen Ex-) Mann kennen und bekam fünf
Kinder. Diese sind in der Zwischenzeit auch überall
verstreut, in ganz Brasilien, in Italien und Portugal.
Sie erzählte mir über die Höhen und
Tiefen ihres Lebens, über ihre Scheidung und das
Leben ihrer Kinder. Ich muss sagen, es beeindruckte
mich wirklich sehr, mit welcher Selbstverständlichkeit
und Sympathie diese Frau mir von eigentlich recht intimen
Dingen erzählte.
Noch dazu sprach sie eine wirklich
lustige Mischform aus Spanisch und Portugiesisch,
das sogenannte Portoñol. Dabei wird einfach
aus Spaß an der Freude mit Worten jongliert,
die gerade irgendwie in den Satz passen könnten.
Maria hat diese „Sprache“ auf jeden Fall
perfektioniert. Sie wechselt pro Satz etwa drei oder
vier Mal die Sprache, streut manchmal auch einfach
nur ein paar Vokabel Spanisch in einen portugiesischen
Satz ein. Für
mich war es wirklich eine Aufgabe, mir zu überlegen,
welches Wort eigentlich nun zu welcher Sprache gehört.
Rätselraten leicht gemacht. Wer braucht schon
den PM Logik Trainer.
Apropos Logik: Etwas werde ich wohl nie verstehen.
Wie kommen findige Menschen eigentlich drauf, die
Klimaanlage in Bussen auf etwa zehn Grad runterzuschrauben?
Du steigst ein und kommst quasi aus der Sauna unter
die kalte Dusche. Soweit so gut, für den Anfang.
Irgendwann fängst du an zu frieren, weil der Wechsel
von 32 auf zehn Grad auch ganz schön böse
ist. Bloß hast du dummerweise den Pulli zu Hause „vergessen“ (wer
rechnet schon damit, einen Pullover zu brauchen bei
erwähnten 32 Grad im Schatten?!). Noch fieser
sind die Männer, die vor’m Busfenster oben
ohne rumrennen. Ich will hier raus!!! Aus dem Bus meine
ich, gestern...
Auch ein weit verbreitetes Phänomen:
Wer einen Waschbrettbauch hat (oder auch keinen), zeigt
ihn her, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.
Jedenfalls,
das mit der Bus-Wechseldusche ist ja ganz nett,
aber bloß wenn man nicht durch die ganze Stadt
gondeln muss. Kita hat erzählt, dass man von hier
(Ipanema) bis zum Zentrum eine gute Stunde braucht
mit dem Bus. Wenn das so ist, werde ich meine Erkältung
so schnell nicht mehr los. Na bravo. Gute-Besserungs-Wünsche
werden dankend entgegengenommen, per E-Mail versteht
sich. Bis die Tage dann,
#anita klingler
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