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Rio-Blog 2.1
22. Februar 2006
Erste Station: Lissabon. Die Frisur - äh
- Laune hält.
Angesichts des vorangegangenen Chaostages gar nicht
mal schlecht . . .
Angefangen hat alles, wie denn auch sonst, in Westendorf,
um 7.40 in der Früh wohlgemerkt. Da konnte ich
nämlich nicht mehr schlafen. Nach einem mehr oder
minder ausgedehnten Frühstück (selbstgemachte
Marmelade der Mutter meines Freundes – mmmhhh
- und Maki vom letzten Dienstag, nicht unbedingt zu
empfehlen) sollte es losgehen. Wer mich kennt, weiß natürlich,
dass bei mir immer alles etwas länger dauert,
deshalb kamen wir erst um zwanzig nach 10 weg anstatt
um 10. Mein Vater war dementsprechend begeistert.
Wir standen daraufhin gefühlte 45 Stunden im
Stau (gewesen sind’s etwa dreieinhalb) - meines
Vaters Blicke sprachen Bände. Ein richtig freudiger
Abschied stand bevor. Ich war mir noch nie so sicher,
einen Zug, Bus oder in diesem Fall ein Flugzeug zu
verpassen. Aber wie das Leben so spielt: Ein einziges
Mal hatte, wer auch immer dort droben im Himmel oder
wo auch immer sitzt, er oder sie Erbarmen: Der Flieger
hatte 40 Minuten Verspätung . . .
Dementsprechend hastig sah der tatsächliche Abschied
dann aus, was mich weniger störte, da ich sonst
einige Mühe gehabt hätte, nicht vor versammelter
Meute einen Heulkrampf zu bekommen. Von Freund und
Haustieren hatte ich mich bereits zu Hause verabschiedet.
Aber vermutlich ist das einfach so. Es tut weh zu gehen
und die geliebten Menschen und Tiere zurück zu
lassen, obwohl auf der anderen Seite der Welt das vermutlich
größte Abenteuer des Lebens wartet und man
sich sehr darauf freut.
Ich habe meinen Flieger also letztendlich doch noch
gekriegt und sitze nun in einem Hotel namens Madrid
in Lissabon. Der Flug war eigentlich ganz lustig, vor
allem weil pünktlich zu Start und Landung portugiesischer
Operngesang aus den Lautsprechern tönte. Noch
besser war allerdings Edith Piafs „Non, je ne
regrette rien“ zum Schluss, als der Flieger bereits
gelandet war. Noch am Flughafen stellte ich fest, dass
ich nicht wirklich zu den Individualreisenden im wahrsten
Sinne des Wortes gehören will. Allein zu reisen
ist unglaublich anstrengend. Wer schon einmal versucht
hat, einen Gepäck-Trolley (diesen
hier . . .) ins
Klo zu schieben, weiß wovon ich spreche.
Die Fahrt zum Hotel gestaltete sich ebenfalls recht
amüsant. Nachdem ich den Schalter der TAP (Air
Portugal) endlich gefunden hatte (und vorher nach 10-minütiger
Suche und Hilfe eines netten Flughafenarbeiters den
Aufzug), wurden mir der Hotelgutschein und zwei Taxigutscheine überreicht.
Den Taxifahrer hatte ich auch gleich gefunden, der
allerdings kaum genug Platz in seinem Auto. Dasselbige
klang im Übrigen nicht mehr besonders gut, sondern
eher so, als würde es demnächst absaufen.
Dazu hörte mein Chauffeur mit voller Lautstärke
irgendeinen Fußball-Radiosender, auf dem ein
sehr enthusiastischer Moderator gerade verkündete,
nach 20 Minuten sei nun das erste "Gol" gefallen.
Man nimmt ja gemeinhin an, dass Menschen aus südlicheren
Gefilden eher zu Temperamentsausbrüchen neigen
- vor allem wenn es um Fußball geht. Dieser
Typ war aber nicht zu schlagen. Plötzlich
bleibt das Taxi stehen (ich bekam die dazugehörige
Ampel erst im Nachhinein mit), der Fahrer steigt
aus (und ich denke mir, hm, sind wir schon da?)
und klopft ein paar Mal kräftig
hinten auf den Kofferraum drauf, der offensichtlich
unter dem Gewicht meines Gepäcks sehr zu leiden
hatte.
Weil ich mir vor ein paar Tagen schlauerweise noch
eine ziemlich heftige Verkühlung eingefangen habe,
werde ich mich jetzt ins Bett hauen.
Gute Nacht dann
. . .
#anita klingler
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