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Demo in Paris #2
4. April 2006
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| CRS vs. Demonstranten - FRITZ-Mitarbeiterin
Maria war hautnah dabei. Bild:
SN/wimmer |
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Paris, 28. März 2006: FRITZ-Mitarbeiterin
Maria berichtet vom Generalstreik und den Demonstrationen
auf dem Platz der Republik.
Auf dem Platz der Republik, der mindestens drei Mal
den Heldenplatz fassen könnte, hat sich eine gewaltige
Menschenmenge versammelt. Die Demonstration ist an
ihrem Endziel angelangt und viele machen sich auf
den Weg nach Hause – in komplett überfüllten
U-Bahnen, von denen wegen des Generalstreiks nur jede
zweite fährt. Andere bleiben und beobachten, was
sich dort in den kommenden Stunden abspielen wird.
Im Zentrum des Platzes erhebt sich eine mächtiges
Denkmal – Messing- und Steinstatuen als Symbol
für die Republik und die Devise der französischen
Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Doch an diesem Dienstag, an dem zwischen ein und drei
Millionen dem Streikaufruf von Gewerkschaften und Studentenverbindungen
gefolgt sind, ist die Symbolik eine andere: Demonstranten
haben das Denkmal erklettert und rufen: "Police
partout, justice nulle part!" (Polizei überall,
Gerechtigkeit nirgends). Der Konflikt zwischen der
Spezialpolizei CRS und den Demonstranten
spitzt sich zu. Die CRS haben in Frankreich
einen sehr schlechten Ruf und viele befürworten
insgeheim sogar, dass Demonstranten Farbpatronen, Glasflaschen
und Steine nach ihnen werfen.
Die CRS sind in der Tat nicht zimperlich. Mit Schlagstöcken,
Schutzschildern und Tränengas ausgestattet, haben
sie ihre eigene Technik, um eine Demonstration aufzulösen.
Sie sammeln sich in Gruppen und stürmen ohne Warnung
auf Demonstranten los, so dass die gesamte Menschenmenge
dahinter zurück weicht. Diese Methode ist
zwar wirksam, doch sie zieht sich über Stunden
- und viele fühlen sich dadurch provoziert
und bewegen sich erst recht nicht von der Stelle. Immer
wieder fliegen Farbbeutel und Flaschen durch die Luft.
Andere wiederum stürmen bewusst und provokant
auf die Polizisten los. Angriffsbereit und farbüberströmt
stehen sie da. Es handelt sich im wahrsten Sinne des
Wortes um ein Schauspiel, dem sich viele nicht
entziehen können. Dazwischen tummeln sich dutzende – mit
Helmen geschützte – Fotografen.
Besonders schwer haben es ausländische Fernsehjournalisten.
Sprechbereit vor der Kamera positioniert, werden sie
von ein paar Demonstranten gestört und provoziert.
Als eine russische Journalistin auf Sendung gehen will,
ruft einer moralisierend dazwischen: "Tschetchenien,
Grosny!".
In Frankreich herrscht eine gespannte Stimmung. Es
ist eine Bewegung, die sich revolutionär will,
jedoch vor allem im Ausland als Ausdruck eines reformängstlichen,
arbeitsrechtlich konservativen Landes verstanden wird
und deshalb auf Unverständnis stößt.
Das Argument, dass der starke Kündigungsschutz
ein Grund für die hohe Jugendarbeitslosigkeit
(26%) ist, stößt auf taube Ohren. Das Feindbild
der Unternehmer, die die Angestellten "ausbeuten",
ist in jeder Diskussion anzutreffen. Der Slogan "Non
non non à la précarité" drückt
die Sorgen der Jugendlichen am besten aus, denn précaire heißt
so viel wie widerruflich und unsicher. Dass der CPE
in der zweijährigen Probezeit keinen Kündigungsschutz
vorsieht, sehen viele als Angriff auf grundlegende
Sozialrechte. Es wird befürchtet, dass diese "Flexibilisierungsmaßnahme" schließlich
auf alle Arbeitsverträge ausgeweitet und Arbeitnehmerechte
noch mehr beschnitten und eingeschränkt werden.
Das Bild der Demonstrationen ist – so wie das
Land – gespalten. Für die einen ist die "Straße" Ausdrucksort
des Volkes und "gelebter Demokratie". Andere
behaupten, dass sich die Gewerkschaften und die "Linke" den
Konflikt im Hinblick auf die kommenden Präsidentschafts-
und Parlamentswahlen 2007 zu Nutze machen. Trotzdem
ist in Frankreich die Straße mehr Symbol für
Widerstand und Streitfähigkeit ("contestation")
als anderswo in Europa. Das erweckt offenes Misstrauen
und Befremdung, aber auch ein bisschen heimliche Bewunderung.
#maria wimmer
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