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Demo in Paris
27. März 2006
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| CRS-Polizisten vor dem Invalidendom
in Paris. Bild:
SN/epa |
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Paris, 23. März 2006: FRITZ-Mitarbeiterin
Maria war Augenzeugin, wie eine vorerst friedliche
Demonstration in Gewalt umschlug.
„Sarkozy, Villepin – eure
Probezeit ist vorbei!“ skandieren
Schüler und Studenten
auf einer der größten
Demos in Paris seit Beginn
der Spannungen vor zwei
Monaten, als Frankreichs
Premierninister Villepin
einen neuen Arbeitsvertrag
vorstellte.
Seit Wochen ist in Frankreich – nur
drei Monate nach den berüchtigten
Vorstadtunruhen – die
Hölle los. Doch diesmal ist es nicht die einfache
Jugend der Vorstädte, die rebelliert, sondern
Studenten und Schüler. Von 84 Universitäten
waren am Donnerstag 59 im Streik, einige – wie
die Sorbonne – sind sogar geschlossen
worden. Der Grund der Proteste heißt „CPE“ (Contrat
première embauche) – ein Arbeitsvertrag
für unter 26-Jährige, der es dem Arbeitgeber
ermöglicht, den Arbeitnehmer innerhalb einer
zweijährigen
Probezeit fristlos und ohne Grund zu kündigen.
Laut Premierminister Villepin dient die Maßnahme
dazu, die extrem hohe Jugendarbeitlosigkeit zu senken.
Denn in Frankreich ist jeder vierte Jugendliche arbeitslos,
in manchen Vorstädten beträgt der Prozentsatz
sogar bis zu 40%.
Auch am Donnerstag, dem 23.
März fanden im ganzen
Land gewaltige Demonstrationen statt. In der Hauptstadt
Paris wurden die zwei Brücken vor dem Invalidendom
vollständig von der französischen Spezialpolizei „CRS“ abgesperrt,
die dann nach und nach anfing, die Demonstranten zu
vertreiben und schließlich einzukreisen. Als
zu neugierige Beobachterin fand ich mich plötzlich
in einer Gruppe Demonstranten wieder, die von allen
Seiten umzingelt wurde. Auch höfliches Bitten,
gehen zu dürfen, half nichts: „Sie warten!“.
Mit Schlagstöcken, Helmen und Schutzschildern
bewaffnet trieb die Spezialpolizei die Demonstranten
wie eine Herde zusammen, der Kreis wurde immer enger,
die Menschen immer nervöser. Nach endlos langen
Minuten des bangen Wartens und Gedrängtwerdens
lichtete sich endlich der Kreis – die Polizei
hatte die Menschenmenge erfolgreich aufgelöst.
Doch es hatte sich keineswegs um eine friedliche
Demonstration gehandelt. Dutzende Randalierer („Casseurs“ – Schläger)
hatten die Situation ausgenutzt und sich unter die
Demonstranten gemischt und diese teilweise sogar attackiert,
um ihnen Mobiltelefone oder sonstige Wertgegenstände
zu rauben. In der Straße quer zur österreichischen
Botschaft wurden mehrere Autos umgeworfen und in Brand
gesteckt, Fensterscheiben eingeschlagen, Geschäfte
geplündert und die Polizei mit Steinen beworfen.
Zwei Frauen, die in einem Büro an der betroffenen
Straße arbeiten, berichten, wie sie vor den Ranaldierern
in die oberen Stockwerke flüchteten und sich in
Wohnungen einer ihnen unbekannten Familie in Sicherheit
brachten.
Eine andere Frau, deren Auto beschädigt wurde,
versteht grundsätzlich die Anliegen der Demonstranten,
jedoch nicht „diese Art“. Denn „das
Kaputtmachen, das bringt keinem was und kann den
arbeitslosen Jugendlichen nur schaden“.
Ein Sicherheitsmann kam mit seinem Hund einem chinesischen
Restaurantbesitzer zur Hilfe, dessen Lokal komplett
geplündert wurde: „Das
ist einfach respektlos!“.
In der Straße vor dem Invalidendom – Sitz
wichtiger französischer Ministierien – kehrt
abends langsam Ruhe nach dem Sturm ein. Was bleibt,
sind zertrümmerte, ausgebrannte Autos und Scherbenhaufen
...
#maria wimmer
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