Erinnerungen
17. Juni 2005
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| Das Tagbuch der Rosemarie
Brenner. Bild: SN/cbj |
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Die von Schülern übersetzte Autobiografie "Um
ein Haar" erzählt das Leben eines jüdischen
Mädchens während des Zweiten Weltkriegs.
Rosemarie Brenner, ein junges Mädchen, geboren
in Wien und wohnhaft in Amsterdam, wächst im
Kreise ihrer Familie wohlbehütet und sorgenfrei
auf.
Doch dann beginnt der der Zweite Weltkrieg und für
Rosemarie und Millionen anderer Menschen eine Zeit
voller Angst und Demütigung. Rosemarie ist Jüdin
und auch sie muss sich mit dem gelben Davidstern
kennzeichnen. Mit diesem Symbol auf ihrer Brust beginnt
die Ausgrenzung der Juden.
Rosemarie und ihre Familie werden von der Gestapo
in ihrem Versteck in einer Wohnung gefunden und festgenommen.
Doch das Schlimmste für das junge Mädchen
ist die Verweisung vom örtlichen Gymnasium,
in das sie gerade mit ihrer besten Freundin gekommen
war und auf das sie sich so sehr gefreut hatte.
Sie wird mit ihrer Familie in ein Transportlager
in Westerbork gebracht. Dort beginnt Rosemarie, ein
Tagebuch und Gedichte zu schreiben, um ihren Gedanken
Ausdruck zu verleihen. Der Leser darf so tief in
ihr Gefühlsleben Einblick nehmen, das zwischen
Kampf, Resignation und purem Überlebenswillen
stetig hin und her schwankt. Sie schließt Freundschaften
und entwickelt sich, trotz der gefängnisartigen
Umgebung, als Mensch und vor allem auch als Mädchen
weiter.
Schließlich steckt sie gerade mitten in ihrer
Pubertät und beginnt, sich langsam für
Burschen zu interessieren. Ein besonders rebellischer, älterer
Junge hat es ihr besonders angetan. Tim führt
eine Jugendgruppe im Lager und erzählt vom Zionismus,
der einen eigenständigen, jüdischen Staat
in Palästina zum Ziel hat. Tim geht sogar so
weit, dass er sich freiwillig in ein Arbeitslager
in Polen versetzen lässt. Er ist einer der wenigen
Menschen, die in dieser Zeit niemals zu kämpfen
aufhören wollten. Er geht dort hin, wo es am
Schlimmsten ist, denn dort, so seine Devise, wird
er am meisten gebraucht.
Rosemarie sieht Tim nie wieder. Sie und ihre Familie
haben noch viele Tage der Angst und des Schreckens
an verschiedenen Orten vor sich, bis die Tagebuchaufzeichnungen
der inzwischen reifen, jungen Frau in Biberach enden.
Die Autorin Marietta Moskin lebt in den Vereinigten
Staaten, wo das Buch seit Jahren an den Schulen als
Aufklärungsmaterial über den Zweiten Weltkrieg
verwendet wird. Eine Gruppe von Schülern machte
es sich im Schuljahr 2002/2003 zur Aufgabe, das Buch
aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen.
Die Schüler der Dollinger Realschule und des
Pestalozzi Gymnasiums arbeiteten intensiv mit ihren
Lehrern Reinhold Adler und Wolfgang Horstmann an
diesem Projekt.
Dank der Arbeit dieser Schüler ist es auch
der deutschen Leserschaft von nun an nicht mehr verwehrt,
die Geschichte Rosemaries miterleben und mitfühlen
zu können. Die Autorin schrieb diesen Autobiografischen
Roman aus der Sicht Rosemaries, um ihre eigene Geschichte
mit den Reflektionen, die sie erst als erwachsene
Frau über diese Zeit gemacht hatte, verweben
zu können. Die Kombination aus kindlicher, naiv
kämpferischer Erzähl- und Denkweise und
der mit einfließenden Erfahrung der Autorin,
macht dieses Buch so lesenswert und spannend, dass
man es kaum aus der Hand legen kann.
#doris felber
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